Das Bild-Dilemma
„Mehr Bilder!“ lautete kürzlich die Empfehlung von Klaus Eck für unser Blog! Und Recht hat er: Wer will Bleiwüsten? Bunte Bilder begeistern! Leider lehrt der Journalistenalltag, dass gerade Bilder ein übler Fallstrick sein können.
1. Das Anzeigen-Problem: Weil Medien und Unternehmen nicht nur Fotos zeigen können, sondern auch Geld verdienen müssen, sind sie auf Anzeigen angewiesen. Und die passen nicht immer so richtig zum dargebotenen Inhalt. Vor kurzem etwa berichtete der der Internetanbieter AOL in seinem Nachrichtenbereich unter der Überschrift „Berufssoldat misshandelt kleine Tochter zu Tode“ von einem tragischen Familiendrama. Dort, wo der Leser ein Bild erwartete, fand sich die Anzeige einer Versicherung. Schon das strahlende Grinsen des jungen Mannes in der Anzeige – offenbar Kunde der Versicherung und nicht Berufssoldat – passte so gar nicht zum Text. Und noch weniger der Schriftzug, der kurze Zeit später eingeblendet wurde: „Ich liebe meine Familie“.


2. Das Bildunterschrift-Problem: Zu jedem Bild gehört in der Regel eine passende Bildunterschrift. Gut ist, wenn der Journalist diese selbst verfasst und überprüft hat. Dumm ist, wenn etwa ein freier Mitarbeiter einer Lokalzeitung statt Bildunterschrift einer Art Bildbeschreibung verfasst hat und diese am nächsten morgen in der Zeitung steht. So geschah es im Mittelhessischen (Gegend bei Gießen), dass zu einem Foto mit dem Vorstand eines Kleintierzuchtvereins sinngemäß folgende Bildunterzeile zu finden war: „Günther Müller (Der Dicke mit dem weißen T-Shirt), Max Meier (alt, blaues Hemd) und Manfred Muster (Brille, rote Jacke) wurden erneut in den Vereinvorsitz gewählt.“ Der „Dicke mit dem weißen T-Shirt“ erhielt als Entschuldigung von der Zeitung im Übrigen einen Blumenstrauß.
3. Das Bild-Bearbeitungs-Problem: Nicht immer sind Bilder so richtig optimal. Zum Glück gibt es aber teure Bildbearbeitungsprogramme. Mit denen wird passend gemacht, was nicht passt: Falten, Leberflecken, zu kleine Augen und alles, was der heutige Schönheits- und Fitness-Wahn eben so verlangt. Doch auch der Schuss kann nach hinten losgehen. Bei besagter Lokalzeitung im Mittelhessischen etwa präsentierte auf einem Foto ein Kleintierzüchter sein Albino-Zwergkaninchen. Da der Züchter leider selbst weiß gewandet war, sah man auf dem Foto eigentlich nur einen Mann mit weißer Kluft und zwei roten Augen darin. Die Bildbearbeitung schritt ein und färbte das Hemd des Mannes ein wenig ins grau. Resultat: Die Ehegattin des Züchters protestierte heftig in der Redaktion: „Mit so einem Hemd hätte sie ihren Mann doch niemals nach draußen geschickt.“
4. Das Symbol-Bild-Problem: Leider gibt es nicht zu jedem Artikel stets auch ein aktuelles Foto – wie auch bei diesem Artikel, in dem einige Beispiele mangels Material leider unbebildert bleiben müssen.
In vielen Fällen greifen Journalisten dann einfach auf sogenannte Symbol-Fotos zurück. Bilder, die zwar nicht aktuell sind aber irgendwie zum Artikel passen: etwa eine leuchtende Blumenwiese zum Thema Heuschnupfen.
Einer Lokalzeitung im Rheinischen passierte beim Griff ins Archiv ein denkbar dummer Fauxpas. Einen Artikel über einen Sicherheitstest von Kreuzfahrtschiffen – der äußerst miserabel ausgefallen war – bebilderte die Redaktion ausgerechnet mit dem schicken Dampfer, der in dem Test noch gut weggekommen war. Die Rederei war „not amused“.
Gerne werden wir also bei evangelisch.de auch Bilder zeigen. Und hoffen, dass uns die gröbsten Pannen dabei erspart bleiben.
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Bibelclip: Es ist gut zu fasten!

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Kommentare
Besonders peinlich auch jener
Besonders peinlich auch jener Fauxpas einer Zeitung, die neben einem Artikel über die Gaskammern in Konzentrationslagern die Anzeige des Gasversorgers Eon präsentierte...