Der Mythos Zeigefinger
Diabolisches wird ihm angehängt: „Du sollst nicht mit dem Finger auf jemanden zeigen!“ Gemeint ist unter jenen fünf pro Hand der Zeigefinger. Für einen Redakteur kommt ihm beim Tippen besondere Bedeutung zu, denn auch bei Gebrauch aller Zehn trägt dieser Eine die größte Last.
Auf lateinisch heißt die Mitte zwischen Daumen und dem der auch stinken kann „Index“. Jeder Webmeister kennt die Webseite, die anderes anzeigt als der Finger von dem die Rede ist. Böses findet sich jedoch auch dort, wo es auf denselben gesetzt wird. Den Finger, der zeigt und deswegen so heißt, benutzen wir in der Regel genau dafür: Wir deuten auf Objekte oder in Richtungen. Der Fingerzeig ist ein Synonym für Hinweis.
Insgesamt wird der Zeigefinger von allen Fingern am häufigsten genutzt: zum Nasebohren, als Führung beim Schreiben mit einem Stift, für diverse Gestiken in verschiedenen Haltungen, zum Drücken von Schaltern und Tasten, wie zum Beispiel der Maustaste, der Telefonwahltaste (das waren noch Zeiten, als man mit ihm die Drehscheibe in Bewegung setzte), der Fernsehbedienung, zum Anzeigen glorreicher Einfälle (mein Held unter den Schlaubergern: Wicki), zum Erbsenschießen, Murmeln, Fingermalen, zum Zupfen von Gitarrensaiten, und vermutlich ist er auch der Schlimmfinger in einem ganz schlechten Schlager von Mickie Krause über Mexiko, für das sich der Macher eigentlich nur schämen kann.
Ist der Zeigefinger eine Zwittererscheinung, die Ausdruck des Guten und des Bösen zu sein vermag?
In der Antike galt der ausgestreckte Zeigefinger als Geste der Kraftübertragung vom Zeiger auf den Gezeigten. Ein berühmtes Beispiel hierfür ist das Fresko „Die Erschaffung des Adams“ von Michelangelo in der Sixtinischen Kapelle.
Viele Bilder mit christlichen Themen, unter anderem von Leonardo da Vinici, zeigen Johannes den Täufer mit einem weisenden Zeigefinger - auf den, der da kommen wird. Andere Zeigefinger werden erhoben zum Zeichen der Mahnung. Wenn Jesus seine Finger zum Heilen von Kranken benutzt, ist der Zeigefinger vermutlich dabei. Mit den Zeigefingern beider Hände lässt sich das Kreuz darstellen.
Heute gilt das Zeigen mit dem bloßen Zeigefinger als unerhört. Und auch dieser (Aber-) Glaube entstand in der Antike, als man befürchtete, dass der Zeiger seine Kraft verliert, weil die Kraft auf den Gezeigten übergeht. Im Umkehrschluss fürchtete man, dass durch den Finger das Leid angezogen wird, wenn man auf Leidende oder Kranke zeigte. Diese Angst sorgte dafür, dass der bereits oben niedergeschriebene Spruch „Du sollst nicht mit dem Finger auf jemanden zeigen!“ bis heute in den Kinderzimmern seine Anwendung findet.
Geschrieben habe ich diese Gedanken extra nur mit zwei Fingern. Sie wissen schon mit welchen.
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Bibelclip: Es ist gut zu fasten!

So gesehen: Fasten

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Kommentare
Zeigefinger
lolo ihr habt ja sogar humor. kann kirche gut gebrauchen. bin selbst ein armer zwei-finger-schreibdiletant. köstlich. euer wolfgang