Mitmachen beim Bibel-Twitter bei evangelisch.de

Heute ist ein Interview mit mir rund um unsere Bibel-Twitter-Aktion in der Leipziger Volkszeitung erschienen. Hier das gesamte Interview - geführt von Nina May:

Wenn Jesus heute lebte - würde er twittern, statt vor den Menschen zu predigen?

Jesus sagt: „Was ich euch sage in der Finsternis, das redet im Licht. Und was euch gesagt wird in das Ohr, das predigt auf den Dächern“ (Matthäus 10,27). Heißt für uns: Natürlich würde Jesus twittern. Wir verstehen seine Botschaft so: Er würde jedes Kommunikationsmittel nutzen, das tauglich ist, die Menschen zu erreichen. Natürlich würde er trotzdem weiter persönlich predigen. So wie er es getan hat, auf Bergen oder aus der Mitte eines Sees. Er wanderte durch das ganze Land, um die Menschen zu suchen, die ihm zuhören wollten. Heutzutage können wir viele Menschen im Internet finden, zum Beispiel per Twitter. Dass es da um kurze, prägnante Äußerungen geht, spielt keine Rolle. Von Jesus überliefert sind Botschaften, die wesentlich kürzer sind als Twitter-Nachrichten mit ihren 140 Zeichen Länge. Selbst jedes einzelne der Zehn Gebote ist kürzer. Das zeigt: Auch mit wenigen Worten, lässt sich das Wort Gottes verkünden.

Sie wollen die Bibel twittern, reiten Sie damit nicht nur auf einer Euphoriewelle mit?

Die Bibel ist das Buch der Bücher, wenn sie so wollen ein Buch, das eine einzige Euphoriewelle ausgelöst hat und immer noch auslöst. Die Erfolgsgeschichte der Bibel: In über 2.100 Sprachen übersetzt, auf der ganzen Welt jährlich mit einer Auflage von circa 500 Millionen verkauft. Die Bibel ist das meistgedruckte und verkaufte Buch der Welt, im Duden für "Zitate und Aussprüche" führt sie mit 386 Einträgen die Quellenauflistung an.
Die Entstehung der Bibel und das Leben mit ihr war und ist eng mit der Entwicklung von Kommunikation und Technik verbunden. Von professionell ausgebildeten Schreibern in Klöstern zur Verschriftlichung über die Entwicklung des Buchdrucks, von der Martin Luthers bahnbrechende Bibelübersetzung im 16.Jahrhundert profitiert hat und die Aufnahme von Umgangs- beziehungsweise Jugendsprache (Hoffnung für Alle) bis hin zu Wiki-Übersetzungsportalen für alternative Bibelübersetzungen gibt es unzählige Bereiche, in denen die Bibel eine maßgebliche Rolle spielt und spielte. Und nun eben auch in einem Dienst wie Twitter.


Können Sie mal ein Beispiel nennen, wie ein Kapitel auf Twitterlänge verkürzt werden könnte, zum Beispiel die Abendmahlszene?

Ich würde hier gern eine andere Stelle zusammenfassen. Unter 1. Korinther 9, 20-22 steht: „Den Juden bin ich wie ein Jude geworden, damit ich die Juden gewinne. Denen, die unter dem Gesetz sind, bin ich wie einer unter dem Gesetz geworden - obwohl ich selbst nicht unter dem Gesetz bin -, damit ich die, die unter dem Gesetz sind, gewinne. Denen, die ohne Gesetz sind, bin ich wie einer ohne Gesetz geworden - obwohl ich doch nicht ohne Gesetz bin vor Gott, sondern bin in dem Gesetz Christi -, damit ich die, die ohne Gesetz sind, gewinne. 22 Den Schwachen bin ich ein Schwacher geworden, damit ich die Schwachen gewinne. Ich bin allen alles geworden, damit ich auf alle Weise einige rette.“ Mit meinen Worten heißt das: „Wenn ich Menschen erreichen will, stelle ich mich auf sie ein. Für die Twitter-Fans werde ich twittern.“
Da immer mehr Menschen Twitter nutzen, soll ihnen auch in diesem Medium das Evangelium begegnen können.
Bei unserer Aktion umfasst ein Twitterabschnitt nicht per se ein Kapitel. Stattdessen haben wir die Bibel in Sinnabschnitte unterteilt, um es denen, die twittern, einfacher zu machen.

Wollen Sie am Image der Bibel arbeiten, es "cooler" machen, entstauben?

Die Bibel benötigt keinen Imagewechsel oder gar eine Werbekampagne. Sie braucht, wie die christliche Botschaft auch, immer neue Transportmittel. Sprache, Buchdruck, Bilder, Videos zum Beispiel. Oder eben Internet, Twitter. Durch neue Medien soll die Auseinandersetzung mit der biblischen Botschaft angeregt und in das alltägliche Leben integriert werden.

Die Bibel enthält ganz viele Geschichten voller Dramatik, Spannung, Liebe, Hass und Tod . Es kommt eine Vielzahl von Protagonisten vor, die uns während der Lektüre sehr plastisch vor Augen stehen und die vielen von uns ganz nahe kommen. In moderne Sprache übersetzt hieße das: Dadurch wird die Bibel ohnehin zum coolsten Buch der Welt.

Glauben Sie tatsächlich, die Gottesbotschaft weiter verbreiten zu können, wenn man sie in mundgerechte Häppchen zerlegt?

Es sind keine Häppchen, sondern es handelt sich um eine Verkleinerung. Sicherlich ist dies ein ehrgeiziges Unterfangen, aber Deutung und Verdichtung sind ohnehin evangelische theologische Tugenden. Außerdem ist es ein weiteres Mittel zur Verbreitung. Um einen Abschnitt zusammenzufassen, bedarf es der eigenen und persönlichen Vertiefung in den Text durch jeden Einzelnen. Dies wird man später in den "mundgerechten Häppchen" oder, wie wir es bezeichnen, in pointierter Kurzform wiederfinden. Wir haben unser Ziel erreicht, wenn die Kurzform dazu anregt, zur Bibel zu greifen und mal nachzulesen, wie es im Originaltext formuliert ist.
Geplant ist eine Aneinanderreihung der Bibel-Tweets zu einer Twitter Bibelübersetzung in Kurzform. Diese wird später unter evangelisch.de veröffentlicht und kann von den Leserinnen und Lesern diskutiert und kommentiert werden.

Wir zeigen neue Wege, auch mal spielerisch mit den Worten der Bibel umzugehen. Die Bibel kann Spaß machen, auch für Leute, die heute Gedrucktes schon gar nicht mehr in die Hand nehmen.

Haben Sie keine Angst, dass die biblischen Worte in dem Datenmüll auf twitter.com untergehen?

Nein, gar nicht. Durch unser Portal evangelisch.de, das im Herbst online geht, haben die gesammelten Bibel-Tweets einen angemessenen Rahmen und lassen sich leicht wiederfinden.
Aber natürlich werden die Bibeltweets auch bei den einzelnen Twitter-Usern zwischen alltäglichen anderen Tweets angezeigt werden. Die Bibel gehört schließlich zum alltäglichen Leben, die Kirche steht im Mittelpunkt unserer Gesellschaft.

Und wie heißt es doch so schön: „Wenn mir nur ein Einziger zuhört, habe ich die ganze Welt erreicht.“ Ich denke, die Aktion ist zu spektakulär, als dass sie nicht bemerkt werden würde. Wenn nicht heute, dann morgen. Im Internet geht nichts verloren.

 

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