Mal eben die Bibel twittern
Es fängt alles ganz harmlos an. Thomas Schiller, Chefredakteur des epd, sagt: „Man könnte doch auch mal die Bibel twittern.“ Stimmt, eine tolle Idee (abgesehen davon, dass es unsere hätte sein müssen). Und gar nicht so kompliziert – oder etwa doch?
Und wie, aber das weiß ich zum Glück noch nicht, als wir uns entscheiden, genau dies zu versuchen. Wir brauchen Hilfe. Die Hilfe der Twitter-Nutzer und auch vieler anderer. Wie teilen wir die Bibel auf? Wie lang sollen die Stellen sein, die es zusammenzufassen gilt? Was machen wir mit den Texten, in denen seitenlang Namen aufgelistet werden? Was mit denen, in denen pure archaische Gewalt beschrieben wird? Reicht uns Twitter? Wer kontrolliert das Ganze? Jede Frage wirft zehn neue auf, ich schreibe täglich Konzept, verwerfe und diskutiere immer wieder die gleichen Punkte. So machen wir das jetzt. Nein, doch nicht.
Zunächst brauchen wir einen Rahmen, eine zeitliche Begrenzung, denn wir wollen ja nicht nur twittern, sondern vor allem ein Portal aufbauen. Zum Glück findet im Mai der Kirchentag statt. Damit haben vier Tage, die ausreichen sollten, das Experiment zu wagen. Und wenn man sich schon beschränkt, kann man ja gleich einen Rekordversuch starten. Der Antrag liegt nun bei den „Guinness World Records“, etwa eine Woche vor dem Kirchentag werden wir spätestens wissen, ob unsere Aktion nach deren strengen Regeln ein echter Rekordversuch ist.
Wenn wir schon etwas rund um den Kirchentag planen, sollte man auch vor Ort sein. Doch haben die Kirchentag-Besucher alle Twitter-Accounts? Wissen sie überhaupt, was Twitter ist – oder müssen wir neben der Aktion auch noch Twitter erklären? Sind die Besucher mit Handy oder Notebook mit UMTS-Karte ausgestattet? Vermutlich nicht. Wir brauchen Promotoren. Leute, die rumlaufen, das Projekt erklären und Zusammenfassungen entgegen nehmen. Dazu brauchen wir Handys. Damit man sofort einen Tweet abschicken kann. Nur sind Handys nicht ganz billig; und vor allem, wenn man sie nach der Aktion nicht mehr benötigt: Verschwendung. Nun werden wir Netbooks leihen und irgendwelche Prepaid-Karten besorgen. Haken dran.
Doch wie ist das mit den Promotoren? Ein Kirchentag-Tag ist lang und die Zahl der Besucher groß. Zwei, drei Leute fallen kaum auf. Reichen 40 Bereitwillige, die in zwei Schichten paarweise rumlaufen? Was sollen sie anziehen? Wären Rollschuhe eine gutes Fortbewegungsmittel, Roller oder Turnschuhe mit integrierten Rollen? Gibt es Bauchläden für Netbooks? Wie lange hält der Akku? – Mitten in solchen Überlegungen fällt uns dann auf, dass wir die Promotoren noch gar nicht gebucht haben. Und damit auch noch nicht Unterkünfte in Bremen und Eintrittskarten für sie. Doch es gibt schon ein paar Freiwillige, die sich gemeldet haben, vielleicht sollten wir sie langsam mal anrufen.
Die eigentliche Aktion stellt sich als immer komplizierter heraus. Wenn wir die gesamte Bibel zusammenfassen lassen wollen, müssen wir sicherstellen, dass auch wirklich jeder Abschnitt betrachtet wird. Es geht also nicht bloß um Lieblingsstellen, Trau- und Tausprüche. Pastor Christoph Römhild hat sich uns netterweise angeschlossen. Er teilt die Bibel gerade in rund 3.000 Abschnitte auf – manuell, versteht sich. Sandra Bils hilft uns auch, vermittelt Kontakte zum Kirchentag, deren Organisatoren noch nichts von unserem Rekordversuch wissen, und rettet uns vor Formulierungsfehlern in den Konzeptpapieren.
Christoph Römhild weist jeder Bibelstelle einen vierstelligen Code zu. Dieser muss dann mit im Tweet erscheinen – ansonsten könnten wir keine Zusammenfassung zuordnen. Dann brauchen wir ein Hashtag, wir müssen die Tweets ja finden, in unseren Account und auf unsere Seite importieren. #bbbl ist weg, alle anderen, die passen würden, sind zu lang. Wir wollen ja neben dem Code nicht allzu viele Zeichen für das Hashtag „verschwenden“. #ebl – das ist es jetzt. Den Account für das Projekt müssen wir noch reservieren.
Wir wollen die Möglichkeit bieten, via SMS eine Bibelstelle an uns zu schicken. Doch wie sollen wir erkennen, worauf sich eine Zusammenfassung bezieht? Man kann nicht erwarten, dass sich alle Leute an gängige Abkürzungen zur Kennzeichnung einer Stelle halten. Wäre es nicht toll, eine kostenlose SMS an eine leicht merkbare Rufnummer zu senden und dann eine Stelle mit Code zugewiesen zu bekommen? Natürlich, doch wer hat schon unterwegs eine Bibel parat, um nachzulesen, was in der Textpassage steht? Manche sind so lang, dass wir zehn oder mehr SMS versenden müssten, um den gesamten Abschnitt zu übermitteln. Ja, wir haben auch überlegt, auf die Bibel-Fassungen für Handys zu verweisen. Doch kann man wirklich erwarten, dass sich Leute diese installieren, nur um an unserer Aktion teilzunehmen? Also werden wir ein Webformular anbieten, das man auch mobil aufrufen kann, um dort eine persönliche Stelle zu erhalten. Oder so ähnlich.
Die Kirchentags-Besucher werden Flyer erhalten, worauf sie ihre Zusammenfassungen handschriftlich notieren können – wenn gerade kein Promoter mit Netbook in der Nähe ist. Wir brauchen über 3.000 verschiedene Flyer mit jeweils einem anderen Bibelabschnitt und Code. Doch nicht jeder wird mitmachen. Wie oft sollen wir jede Bibelstelle und damit jeden individualisierten Flyer drucken? Zehn, zwanzig, hundert Mal? Und es soll nicht nur ein langweiliger Flyer sein. Etwas Geheimnisvolles wäre toll, ähnlich wie der Umschlag, mit dem man seine Geheimzahl von der Bank erhält. So wachen wir das. Vermutlich.
Wie nun alles genau ablaufen wird, wissen wir noch immer nicht. Immerhin kann man sich bereits hier im Blog als Interessent registrieren. Und Banner haben wir auch schon bauen lassen, und eine Anzeige in chrismon. Gestern sind 5.000 Flyer eingetroffen, die wir unter anderem bei der re publica auslegen werden. Und mit etwas Glück dürfen wir einen Spot bei RTL senden. Der muss zwar auch noch produziert werden, aber das machen wir morgen.
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Kommentare
Ein netter Versuch, ich helfe
Ein netter Versuch, ich helfe euch! Grüße Matthias
Hilfe
Wer uns - wie auch immer - bei der Aktion unterstützen möchte: Bitte Mail an redaktion@evangelisch.de.
Ich habe das AT schon zur
Ich habe das AT schon zur Hälfte in 140 Zeichen Blöcke aufgeteilt. Matthias
140 Zeichen ?
Ja also es sollen ja Bibelstellen von den Menschen in 140 Zeichen zusammengefasst werden. Will sagen, dass die Bibel nicht in Blöcke zu 140 Zeichen aufgeteilt wird, sondern in größere Abschnitte, die Diejenigen, die Lust dazu haben und uns helfen möchten, dann in ihren eigenen Worten in 140 Zeichen zusammenfassen.
Anmerkungen
Die Idee finde ich klasse, und habe mich auch gleich angemeldet! Wenn ich darf hab ich noch ein paar kleine Anmerkungen/Vorschläge: - Macht euch schlau, welche Twitter-Tools es für Handys etc gibt (z.B. Twitterberry (www.orangatame.com/ota/twitterberry/) diverse IPhone-Apps etc.). So habt ihr besser eure Leute eine Alternative für die, die ein entsprechendes Mobile dabei haben und die brauchen dann kein Netbook - Macht einen Stand auf dem Markt der Möglichkeiten an dem 2 - 5 Netbooks stehen und vllt. ein paar Mobil-Telefone (habt ihr sicher schon auf der Liste) - Macht am Abend der Begegnung, vor allem aber in den Gottesdiensten darauf aufmerksam (Plakate, Flyer, Leute, Abkündigungen) - Schmeißt jede noch so kleine Info per Newsletter, Twitter etc unter die Leute ... den Blogeintrag hier habe ich nur durch Zufall entdeckt weil ich noch mal auf die Seite bin - Bzgl der Textstellen: Überall liegen Bibeln aus, überall werden sie benutzt. Versucht über die offiziellen, die Mitarbeiter zu informieren, dass sie Bescheid wissen, wenn ein "Verrückter" kommt und nach ner Bibel fragt, weil er den Text in 140 Zeichen pressen will ;) - vllt. bekommt ihr die Mitarbeiter der verschiedenen Stationen dazu, dass sie die schriftlichen Beiträge annehmen und euch zukommen lassen Auf jeden Fall finde ich es eine super Idee und freue mich schon ... auch bin ich gespannt, ob sich Gruppen bilden werden "du ich hab die oder die Textstelle bekommen, ich komm da nicht weiter, was meinst du, wie kann ich das in knappen Worten ausdrücken?" Johannes, der für so einen "Blödsinn" immer wieder zu haben ist
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German Protestants launch mammoth effort to 'tweet' the Bible
Trier, Germany (ENI). German Christians are starting what they hope will be a record-breaking effort to use the new Internet social-networking and micro-blogging service Twitter to try and "tweet" the Bible. http://www.eni.ch/featured/article.php?id=2899
Fehlermeldung?!
Ich habe versucht, eine Mail an die Adresse zu senden und bekam eine Banachrichtigung zurück, dass die Übermittlung fehlgeschlagen ist. Funktioniert die Adresse noch? Ist meine Mail vielleicht trotzdem angekommen? Liebe Grüße.
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