Wir trauen uns nicht

Ich war fünf Jahr alt, als ich das erste Mal auf einer Hochzeit war - und ich war richtig empört. Das war ganz und gar nicht so, wie ich es mir vorgestellt hatte. Die Braut trug keinen richtigen Schleier (sondern irgendeinen seltsamen Kopfschmuck) und der Bräutigam einen lilanen Anzug!

Danach war ich auf gefühlten 173 Hochzeiten, das letzte Mal am vergangen Samstag, als eine Freundin von mir geheiratet hat. Dass junge Paare heiraten und sich damit versprechen, ein ganzes Leben lang zusammenzubleiben, ist heute jedoch alles andere als selbstverständlich. Wenn ein 25-Jähriger heute sagt, er sei verheiratet, reagieren manche fast schon mit Mitleidsbekundungen.

Warum möchten Menschen heute nicht mehr heiraten? Ich denke, junge Menschen (gerade in der westlichen Welt) zeichnen sich besonders durch Individualität, Unbeständigkeit und Inkonsequenz aus. Wir sind heute so sehr damit beschäftigt, uns selbst zu finden und zu verwirklichen, dass es keinen Platz für andere gibt – zumindest nicht, wenn das bedeutet, dass wir unser Recht auf Unabhängigkeit und Individualität aufgeben müssen. Wir wollen immer flexibel sein, uns nicht festlegen und möglichst immer eine Hintertür offen halten. Nichts soll endgültig sein und es gibt immer einen Plan B. Das macht auf den ersten Blick vielleicht vieles leichter – nach dem Motto: „Wenn es nicht klappt, versuche ich es halt woanders“. Auch wenn die Ehe nicht funktioniert, wie erwartet, ist Scheidung für viele immer noch eine Option.

Dass aber die Motivation eine ganz andere ist, solange eine Hintertür noch offen ist, wird hier außer Acht gelassen. Auch die Art und Weise, wie man in eine Beziehung investiert, hängt stark vom angestrebten Ziel ab. Heißt das Ziel Ehe oder heißt es nur solange dazubleiben, wie es gut läuft? Meiner Meinung nach zeichnet sich diese Generation nicht gerade dadurch aus, dass sie zu ihrem Wort steht und für das einsteht, was sie für wahr hält. Sie läuft mit der Mode, auch wenn das bedeutet, Überzeugungen zu akzeptieren, die sie eigentlich nicht teilt – Stichwort Toleranz. Und in diesem Rahmen hat die Ehe wenig Platz. Denn die Ehe – so wie sie von Gott gedacht war – ist permanent und bedeutet Selbstlosigkeit. Und Selbstlosigkeit wiederum bedeutet aus Gehorsam Gott gegenüber Opfer zu bringen.

Nun zur Gegenfrage: Warum sollten wir heute noch heiraten? Warum sollten wir uns auch heute noch das Versprechen geben, unser Leben miteinander zu verbringen? Ist das nicht altmodisch und überholt? Besonders nachdem Paare heute (selbst in manchen christlichen Kreisen) jederzeit zusammen ziehen können, wenn sie das möchten.

Früher galt dies oftmals als die absolute Erzsünde, heute sehen viele Christen das entspannter. Wenn ich also alles haben kann, was eine Ehe beinhaltet, ohne mich lebenslang binden zu müssen, warum sollte ich es dann noch tun? Hier einige Argumente:

• Weil die Ehe immer noch unter einem besonderen Segen steht und in Gottes Augen heilig ist. Sehr oft wird sie sogar als Sinnbild für die Beziehung zwischen Jesus und der Gemeinde benutzt (z.B. Epheser 5, 32).
• Weil unsere Worte zu Taten führen sollen (1. Joh. 3,18). Wenn wir also sagen, dass wir treu sein werden und jemanden lieben, dann sollten wir dies auch tun. Und wenn diese Worte ernst gemeint sind, was hält einen dann noch von einer Hochzeit ab?
• Weil unser Verständnis von Freiheit („Ich kann tun und lassen, was ich will“) falsch ist. Echte Freiheit besteht darin, dass man nicht für sich selbst lebt und nicht mehr tut, was man will – ein klares Nein zum Egoismus und Ja zur Nächstenliebe. Sich jemandem lebenslang zu versprechen bedeutet nicht, sich selbst aufzugeben. Es bedeutet vielmehr, jemanden höher zu achten als sich selbst. Und das ist es, was wir als Christen anstreben. Das wird nie so hart auf die Probe gestellt, wie in der Ehe, vermutlich aber auch nie so sehr gesegnet, wie in diesem Rahmen.

Die Ehe bedeutet, sich lebenslang zu binden. Wenn ich also die Verheißungen und Segnungen einer Ehe genießen möchte, dann muss ich auch bereit sein, diese Bindung einzugehen. Ich kann die Vorteile nicht genießen, ohne die Verantwortung für mein Handeln und meine Entscheidungen übernehmen zu wollen. Ein ehe-ähnliches Leben zu führen, aber die damit einhergehende Verantwortung von sich zu weisen hat katastrophale Folgen. Davon kann jedes Kind einer Patch-Work-Familie erzählen.

Was meint ihr? Warum sollten Paare auch heute noch heiraten?
 

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Kommentare

Verfasst von Daniel777 am 3. September 2010 - 1:34.
Kommentar auf: Wir trauen uns nicht

Erst mal: Tolle Überschrift,

Erst mal: Tolle Überschrift (herrlich zweideutig, super Wortspiel!),...

Erst mal: Tolle Überschrift (herrlich zweideutig, super Wortspiel!), toller Artikel und tolle Fotos - danke! Nun zu deiner Frage: Für mich stand schon immer fest, dass ich einmal heiraten will. Denn Ehe ist für mich ein geschützter Rahmen, in dem ich ganz ich selbst sein kann und mich voll und ganz meinem Ehepartner hingeben kann. Es ist ein Geben und Nehmen auf einem festen Fundament. Dass das heutzutage viele nicht mehr so sehen, tut mir sehr leid und macht mich traurig.

Für mich bedeutet Ehe ein klares JA zu EINER Person, und zwar ein Leben lang, also EINMAL(ig). Nicht nur für sich selbst und den Partner hat man einen geschützten Bereich (intern), der notwendig ist, um Vertrauen zu schaffen und somit auch die Schwierigkeiten im Leben zu meistern und nicht beim kleinsten Sturm auseinander zu brechen (und der Sturm wird kommen!), sondern auch nach außen hin hat man einen geschützten Bereich. Wir gehören zusammen, mein Partner ist bereits in festen Händen (- also Finger weg! ;-) ). Das zeigt auch, dass man nach außen (extern) zueinander steht und man selbst sowie andere wissen, wo man dran ist und behandeln einen daher mit dem nötigen Respekt und der nötigen Rücksichtnahme.

Darüber hinaus steht natürlich der Segen Gottes und der Gehorsam ihm gegenüber. Denn er hat schließlich Ehe designed und da er nicht dumm ist, hat er sicher einen guten Grund dafür. Also lohnt es sich in dieser Hinsicht gleich doppelt, zu heiraten. :)

 

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Verfasst von Kathy_Valiant am 2. September 2010 - 10:14.
Kommentar auf: Wir trauen uns nicht

Silberhochzeit

Warum? Weil man dann jedes jahr Hochzeitstag feiern kann und 25 Jahre spä...

Warum? Weil man dann jedes jahr Hochzeitstag feiern kann und 25 Jahre später Silberhochzeit. Und auf den Segen blicken, der in dieser Lebensform zu entdecken ist - wie bei allem, wenn man sich traut, auf Gott zu vertrauen.

Mein Kleid war übrigens geerbt von einer geschiedenen Ehe. Ich konnte es schon zweimal tragen: bei der Hochzeit selbst (war ein bisschen weit, aber damals Mode) und 25 Jahre später (passt).

Verfasst von Marvin Dürksen am 3. September 2010 - 1:43.
Kommentar auf: Silberhochzeit

Weil es Gottes Wille ist. Das

Weil es Gottes Wille ist. Das genügt, oder sollte genügen. aber es ist heute...

Weil es Gottes Wille ist. Das genügt, oder sollte genügen. aber es ist heute leider so, dass kaum etwas in der Welt so wenig gefragt ist wie der Wille Gottes.

Verfasst von Daniel777 am 4. September 2010 - 14:23.

Es sollte genügen, ja. Leider

Es sollte genügen, ja. Leider ist das nur in der Theorie der Fall und in...

Es sollte genügen, ja. Leider ist das nur in der Theorie der Fall und in der Praxis scheitern wir doch sehr oft an der bedingungslosen Hingabe an Gott. Wer von uns hat Gott nicht schon einmal nach dem "Warum?" gefragt? Und auch in der Bibel lese ich von Helden, pardon Menschen, die gerne verstehen und mehr wissen wollen, die Gott nach dem "Warum?" fragen.

Glücklicherweise ist Gott ein geduldiger und verständnisvoller Gott, er kennt unsere Schwächen, Fehler und Versagen. Er kennt unsere Ängste, Sorgen und Zweifel. Und er mutet uns nicht mehr zu, als wir ertragen können. Daher beantwortet er uns oftmals diese Fragen und nimmt sich geduldig die Zeit für uns, bis wir seinen Willen verstehen können.

Und für manche Fragen gibt es auch gute Antworten und Argumente (Gott sei Dank!). Wie auch hier schon einige genannt wurden - ergänzend zum "ultimativen Grund", weil es Gottes Wille ist. Letzteres ist für manche Menschen (in manchen Situationen) einfach nicht befriedigend. Das hängt eben oftmals auch, wie eingangs erwähnt, mit der Lücke zwischen Theorie & Kopfwissen und Praxis & Herzensüberzeugung zusammen.

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Verfasst von Debora am 6. September 2010 - 18:04.

Der Wille Gottes

Zu wissen, dass etwas der Wille Gottes ist, sollte uns genügen, um...

Zu wissen, dass etwas der Wille Gottes ist, sollte uns genügen, um gehorsam zu sein - immer. Das bedeutet nicht, dass wir dumm und blind durch's Leben laufen sollen, ohne je zu hinterfragen oder nach dem tieferen Sinn zu suchen (einige von uns könnten das gar nicht - selbst wenn sie es versuchten).

Und manchmal zeigt Gott uns, warum er bestimmte Dinge (von uns) möchte - manchmal aber auch nicht. Und manchmal zeigt er uns die Antwort und wir verstehen sie trotzdem nicht, bzw. sie ergibt in unseren Augen keine Sinn.

Auch dann muss es uns genügen zu wissen, dass wir Gottes Willen tun. Das ist für unseren Menschenverstand vielleicht nicht immer befriedigend, aber als Motivation zum Gehorsam ist das genug.

Verfasst von Daniel777 am 8. September 2010 - 10:02.
Kommentar auf: Der Wille Gottes

Ja, dem stimme ich zu. Für

Ja, dem stimme ich zu. Für die Ehe finde ich es zudem äußerst...

Ja, dem stimme ich zu. Für die Ehe finde ich es zudem äußerst sinnvoll zu wissen, wieso man die Person heiratet oder heiraten will (und nicht nur, wieso Heiraten an für sich gut, schön und sinnvoll ist).

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Verfasst von Debora am 8. September 2010 - 11:36.

Neues Fass

das ist nun ein ganz neues Thema...

das ist nun ein ganz neues Thema...

Verfasst von Daniel777 am 10. September 2010 - 5:57.
Kommentar auf: Neues Fass

Stimmt ;)

Stimmt ;)

Stimmt ;)

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