Gott erleben auf südafrikanisch
Knapp ein Jahr alt ist die von einer Gruppe Südafrikanern gegründete Every Nation Church Berlin, die ich heute Abend besucht habe. Der Raum, in dem der Gottesdienst stattfindet ist nicht besonders groß, dafür aber gefüllt mit Leben, Reden und Lachen.
Kurz nachdem ich mir einen bequemen Sessel gesucht habe, kommt Pastor Gareth auf mich zu und begrüßt mich sehr herzlich – auf Deutsch. Er erzählt mir stolz, dass die Gemeinde nächste Woche ihr einjähriges Jubiläum feiert und man sieht die Leidenschaft in seinen Augen. Vor knapp drei Jahren kam er mit seiner Frau nach Berlin, weil er es auf dem Herzen hatte, eine Gemeinde im „Land der Reformation“ zu gründen. Heute hat diese Gemeinde etwa 70 Mitglieder.
„Wir versuchen junge Deutsche zu erreichen“, sagt Pastor Gareth. Auch wenn ihr Team international ist, sei es nicht ihr Ziel eine internationale Gemeinde zu gründen. Stattdessen soll es eine Gemeinde sein, in der sich gerade deutsche Jugendliche wohl und zu Hause fühlen. Manchmal gehen sie auf die Straße und sprechen dort Menschen an. Aber ihr Hauptfokus liegt auf Evangelisation durch Beziehung, die ihnen sehr wichtig sind. Das erklärt auch, warum der Slogan der Gemeinde „Gott begegnen, Gemeinschaft erleben“ lautet – ganz nach dem Motto des wichtigsten Gebotes (Matth. 22, 37-39).
Der Gottesdienst startet mit einer ausgedehnten Lobpreiszeit. Dabei werden sowohl englische als auch deutsche Lieder gesungen. Auch in der Anbetung herrscht viel Leben und die Kinder tanzen ungeniert dazu. Nach der Lobpreiszeit betet der Pastor noch für diejenigen, die sich fern von Gottes Liebe fühlen.
„Viele Menschen würden Gott gerne begegnen, werden aber von der Kirche abgeschreckt“, sagt Pastor Gareth durch seine sehr enthusiastische Übersetzerin. Darum spricht er heute von der Kirche als einer Familie und einem Ort, an dem tiefe Beziehungen geknüpft werden sollen. Es geht darum, dass Menschen ehrlich mit einander sind und wirklich ihr Herz teilen. Es geht auch um Hingabe, dass man für einander da ist, auch wenn das mit Opfer verbunden ist. Wenn wir so leben, sagt er, wird das unweigerlich ansprechend und anziehend auf andere wirken.
Die Gemeinde soll außerdem ein Ort der Freude sein, weil Gott ein Gott der Freude ist. „Zu lange haben wir „sehr geistlich sein“ mit „sehr ernst sein“ definiert“, sagt er. Aber als Kinder Gottes soll unser Herz mit Freude erfüllt sein und das dürfen wir auch ausdrücken.
Zuletzt spricht er über Gemeinschaft. „Es ist schön, dass ihr jetzt hier seid. Aber Gott möchte, dass du alles, was du hier lernst mit nach Hause nimmst“. Das ist es, was ihnen am Herzen liegt. Dass die Gemeinde Gottes dort ist, wo die Menschen sind.
Dann ruft Pastor Gareth diejenigen, die dies noch nicht getan haben dazu auf, Jesus in ihr Leben aufzunehmen. Er möchte den Abend nicht schließen, ohne ihnen diese Gelegenheit gegeben zu haben und betet für sie.
Und da auch das gemeinsame Essen teil des Gottesdienstes ist (Apostelgeschichte 2, 46), gibt es im Anschluss an die Predigt ein Abendessen und die Möglichkeit gemeinsam das Abendmahl zu feiern. Und natürlich gibt es jede Menge Zeit um sich miteinander auszutauschen.
Mein Eindruck: Every Nation Church Berlin ist eine junge, dynamische und sehr moderne Gemeinde. Über die Form, in der ein Gottesdienst gestaltet wird, lässt sich immer streiten. Aber diese Menschen leben, was sie predigen und glauben – und das ist ansteckend.
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