Der (un)geküsste Frosch

Treten Sie zur Seite und setzen Sie sich. Lassen Sie Ihren Motor eine Minute lang im Leerlauf, und denken Sie über eine Wende nach. Denken Sie nach über Ihr Tempo, Ihre Geschäftigkeit. Wie sind Sie in diese Zwangsjacke gekommen? Was steckt tief drinnen in Ihrem Heizraum, das dauernd das Feuer schürt? Fängt sich Ihr Atem doch noch?

Dann werfen Sie einen Blick zurück, sagen wir drei oder vier Monate. Könnten Sie irgendetwas Wesentliches nennen, was Sie getan haben? Was sagen Ihre Gefühle, was haben Sie zu einem Abschluss gebracht – sehr vieles? Wahrscheinlich nicht, wenn Sie ehrlich sind. 

Da gibt es einen Mann in Oklahoma City mit Namen James Sullivan, der weiß, wie Ihnen zumute ist. Damals in den 1960ern, da ließ er seine Stadt aufleben, indem er dort den größten Young Life Club der Nation entwickelte. Und das ist nicht alles, was er tat. Nebenbei schaffte er es, seine Gesundheit und seine Familie zu opfern. In den Spuren des Erfolges leuchtend, wurde Sullivan ein schwieriger Mann. 

Man musste ihn allein lassen, um mit ihm leben zu können. Seine Frau Carolyn wurde es müde. Genauso seine Kinder, die ihren Vater selten sahen. Wenn sie ihn sahen, war er gereizt. Obwohl er es zu der Zeit nicht wahrnahm, war Sullivans total abgedrosselter Lebensstil tatsächlich eine Technik der Flucht. Hören Sie auf sein Geständnis in seinem Buch »The Frog Who Never Became a Prince« (Der Frosch, der nie ein Prinz wurde):

»Ich war ein Mann, der in einer Hülle existierte … Schuld, Empfindlichkeit und Hass quollen in mir auf. Die sich daraus ergebenden harten Gefühle, die ich entwickelte, wurden beinahe unüberwindlich.«

Was war geschehen? War der Kerl nicht ein Christ, arbeitete er nicht für Jesus, verbreitete das Evangelium und erreichte die Jugend?

Doch, in der Tat. Aber Sullivan setzte Aktivität an die Stelle von Leben, Geschäftigkeit anstelle von sinnvollen Prioritäten. An einem Erntedankfest stellte Carolyn ihm eine Frage, als er zur Tür hinauseilte, um irgendwo zu sprechen. »Weißt du«, sagte sie, »oder kümmert es dich überhaupt, dass du von Mitte September bis heute nicht einen Abend zu Hause warst?« Nicht lange danach hatte sie einen Zusammenbruch. Er beabsichtigte Selbstmord. Schmerzende Worte – aber wahr. Sie klingen vertraut?

Hier ist das Warum: Geschäftigkeit raubt Beziehungen. Sie setzt oberflächliche Rennerei an die Stelle von tiefer Freundschaft. Sie verspricht befriedigte Träume, liefert aber beklemmenden Alpdruck. Sie nährt das Ich, lässt aber den inneren Menschen verkümmern. Sie füllt einen Kalender, zerbricht jedoch eine Familie. Sie kultiviert ein Programm, untergräbt aber die Prioritäten.

Manche Gemeinde prahlt mit ihrem Programm: »Jeden Abend in der Woche etwas für jedermann.« Was für eine Schande! Mit guten Absichten kann die örtliche Gemeinde genau die Atmosphäre schaffen, die dazu geeignet ist, jeden an die Kandare zu nehmen. Den Einen, der uns die Anweisung gab: »Seid stille und erkennt, dass ich Gott bin«, muss es schmerzen, wenn er Zeuge unserer wahnsinnigen, gehetzten Zwänge ist. Statt eines stillen, empfangsbereiten Geistes bieten wir Ihm eine innere Waschmaschine an – aufgewühlt von Sorge, belastet mit zu viel Aktivität und vor Empfindlichkeit und Ungeduld schleudernd. Manchmal muss er unsere Zuckungen mit einem kräftigen Seufzen beobachten. 

Mein Mentor war weise. Er erklärte einmal: »Vieles von unserer Aktivität heute ist nichts anderes als eine billige Betäubung, um den Schmerz eines leeren Lebens abzutöten.« Sie möchten die Wende? Hier ist das »Wie«: 

Erstens: Zugeben! 
Sie sind zu geschäftig. Sagen Sie sich das selbst … Ihrer Familie … Ihren Freunden. Offenes und bereitwilliges Geständnis, dass das, was Sie tun, falsch ist und etwas getan werden muss – und zwar jetzt. Ich habe das vor kurzem getan, unter Tränen. Meine Familie und ich machten einige Brücken frei, die von Dornen überwuchert waren.

Zweitens: Anhalten! 
Heute damit beginnen, jede Aktivität aufzugeben, die nicht absolut notwendig ist. Das Wesen der Zeit ist unbarmherzig. Der richtige Umgang mit ihr beeinflusst Ihre Gesundheit. Fangen Sie an, und sagen Sie: »Nein!« Üben Sie das ein paar Mal laut, formen Sie die Buchstaben in Ihrem Mund. Die phonetische Struktur dieses Vier-Buchstaben-Wortes ist eigentlich nicht so schwierig. Wenn irgend möglich, treten Sie von ein oder zwei Ämtern zurück … oder von drei oder vier. Geben Sie es auf, sich so wichtig zu fühlen. Man wird einen anderen finden. Oder vielleicht wird man weiser und führt einen besseren Plan ein.

Drittens: Durchhalten! 
Es ist leicht, schnell zu beginnen, um dann schnell wieder aufzuhören. Besprechen Sie mit Ihrer Familie einige Möglichkeiten, die Zeit mit ihr zu investieren – ohne Fernsehen, ohne sich dafür entschuldigen zu müssen, dass sie jetzt spielen und lachen und verrückte, lustige Dinge tun – ohne Unmengen von Geld ausgeben zu müssen, damit Sie »unterhalten« werden.

Viertens: Mitteilen! 
Es wird nicht lange dauern und Sie können schon damit anfangen, den Segen davon zu ernten, dass erste Dinge auch als erstes getan werden. Sagen Sie es anderen. Infizieren Sie sie durch Ihren Anreiz. Glauben Sie mir, es gibt eine Menge Aktivitäts-Süchtige in der Gemeinschaft der Gläubigen, die froh wären, wenn das kreisende Karussell ihres Lebens irgendwie gestoppt würde.

Fragen Sie James Sullivan. Sein Spitzname ist »Frosch«. Zu der Zeit, als er »geküsst« wurde, war es beinahe zu spät. Beinahe! 

Aus: Charles R. Swindoll, "Riesen und Dornen. Vom Kampf und Sieg über sich selbst", CLV (www.clv.de)

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Kommentare

Verfasst von Gast am 4. März 2010 - 12:44.
Kommentar auf: Der (un)geküsste Frosch

Sehr schöner Artikel (wobei

Sehr schöner Artikel (wobei der kopiert ist, oder?). Komme dadurch zum...

Sehr schöner Artikel (wobei der kopiert ist, oder?). Komme dadurch zum Nachdenken...

Ich denke zwar (zu Recht?) nicht, dass ich zuviel mache zur Zeit - aber ich muss schon immer ein bisschen darauf aufpassen, dass dies nicht passiert.

Verfasst von Daniel777 am 10. März 2010 - 21:47.

Ja, der Artikel ist nicht von

Ja, der Artikel ist nicht von mir. Steht aber auch direkt unten drunter: "...

Ja, der Artikel ist nicht von mir. Steht aber auch direkt unten drunter: "Aus: Charles R. Swindoll, "Riesen und Dornen. Vom Kampf und Sieg über sich selbst"" Freut mich jedenfalls, dass du dadurch zum Nachdenken kamst. :)

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