Die Gretchenfrage (3)
“Wenn Religion und Glaube eine überholte Tradition aus alten Zeiten wäre, wieso glauben dann noch so viele Menschen?” Mit dieser Frage hatte Daniel die zweite Folge des Streitgesprächs um Glaubensfragen beendet. Wie Josch antwortet, lest ihr hier.
Josch: Weil es einfach eine sehr starke Tradition ist bzw. war. So ein Massenphänomen verschwindet nicht so schnell. Außerdem werden viele Menschen einfach nicht viel haben und was bleibt ihnen da? Der Glaube. Nachvollziehbar, aber wohl eher aus der Not geboren.
Daniel: Hmm, ich habe mich aus keiner Not dafür entschieden, an Gott zu glauben. Es mag sein, dass dein Argument für manche zutrifft, aber nicht bei mir. Es wäre zu einfach, Gott oder Glauben nur auf “aus Not geboren” zu reduzieren. (Dann gäbe es vermutlich auch schon längst einen anderen Superstar und Jesus Christus wäre schon lange “out” -> gerade, weil Jesus alles andere als eine Superstar-Persönlichkeit war. Er starb am Holzkreuz. Das erscheint für viele nicht sehr göttlich, behauptete er doch von sich, Gottes Sohn zu sein.)
Josch: Was hältst du denn von der Institution Kirche???
Daniel: Kirche an sich finde ich sehr wichtig, aber um ehrlich zu sein, halte ich etwas anderes für viel Entscheidender: den Glauben an Gott. Und das ist etwas. das unabhängig ist von Institutionen. Ich wünsche mir, dass jeder diesen Glauben findet.
Josch: Glaubst du, dass eine Institution die hohen moralischen Wertvorstellungen im Sinne der eigentlichen Idee “Glaube” gut transportieren kann?
Daniel: Das hängt von der jeweiligen Kirche ab. ;)
Josch: Aber die Kirche maßt sich ja schon an, quasi Gottes Vertretung auf Erden zu sein. Oder täusche ich mich da?
Daniel: Du meinst die katholische Kirche mit ihrer Institution rund um den Papst? Wie dem auch sei - ich selbst plädiere für den Glauben, nicht die Religion. Religionen sind immer von Menschen selbst gemacht. Aber letztendlich geht es um den Glauben - und da kann ich wie gesagt nur empfehlen, es einmal auszuprobieren.
Josch: Aber wie erklärst du dann, dass der Papst für sich in Anspruch nimmt, das höchste christliche Amt auf Erden zu haben? Und da schaut man schon mal genauer hin, wie der sich in solchen moralischen Fragen verhält.
Daniel: Wenn der Papst das so glaubt… es hält mich nicht davon ab, trotzdem meine eigene persönliche Beziehung zu Gott zu haben. Unabhängig vom Papst. ;) Nicht falsch verstehen: Kirche kann hilfreich dabei sein, seinen eigenen Glauben zu finden. Aber sie ist eben nicht “heilsentscheidend”. Am Ende stehen wir alleine vor Gott.
Josch: Also siehst du dich da eher losgelöst von der Institution und zelebrierst deine ganz eigene Religion
Daniel: Meine eigene Religion? Sicher nicht. Aber letztendlich ist doch der persönliche Glauben und nicht die Religionszugehörigkeit entscheidend. Natürlich meine ich damit den Glauben an Gott, wie er in der Bibel beschrieben wurde. Wie der so drauf ist und wie wir eine Beziehung mit ihm aufbauen und pflegen können, kann jeder von uns in der Bibel nachlesen – eine klare Empfehlung an dieser Stelle.
Josch: Also siehst du in der Bibel eher einen Leitfaden, an dem sich jeder nach eigenem Gutdünken orientieren kann?
Daniel: “Nach eigenem Gutdünken” klingt gefährlich. Z.B. finde ich es durchaus berechtigt und notwendig, dass es Theologen gibt, die sich intensiv mit der Bibel und deren Bedeutung auseinander setzen. Aber ich sehe sie eben nicht als letzte Instanz oder absolute Wahrheit an. Denn mein Glauben lebt doch von meiner persönlichen Beziehung zu Gott und nicht von anderen.
Josch: Das finde ich wiederum sehr erfrischend zu hören. Eine Sache, die mir beim Thema Religion nämlich sehr schwer auf den Magen schlägt, ist die Tatsache, dass die Kirche in der Vergangenheit häufig die absolute Wahrheit für sich beanspruchte und keine andere Meinung neben der ihren billigte. Und eigentlich kann ja jeder glauben was er will.
Daniel: Ja, die Kirche hat in der Vergangenheit viele Fehler gemacht. Wie gesagt: Perfekt ist keiner - nur Einer. ;) Aber ich denke und hoffe, dass sie bereits aus einigen Fehlern gelernt hat, denn das gehört nun mal zum Leben dazu, richtig?
Josch: Auf welchen Wegen wir unser Glück finden, ist ja jedem selbst überlassen. Ob es mit dem Glaube sei oder ohne ihn…
Daniel: … ich kann jedoch nur empfehlen, es mit Jesus Christus auszuprobieren. Könnte sich echt lohnen! :)
Mitglieder-Login

