„Der erste Schritt zum Erfolg ist das Scheitern“
Bill Hybels, Gründer der Willow Creek-Gemeinde in Chicago, kündigte beim vergangenen Willow Creek-Leitungskongress in Karlsruhe den Redner Craig Groeschel in besonderer Weise an: "Seine Botschaft werdet ihr so schnell nicht vergessen." Und er sollte recht behalten. Was Craig Groeschel, Pastor der LifeChurch.tv-Gemeinde in Oklahoma (USA), sagte, ging den über 8.300 Teilnehmern sehr nahe.
Pastor Craig Groeschel sprach auf dem Willow Creek-Kongress über den Erfolg, der im Scheitern liegt. Die 8.300 Teilnehmer in Karlsruhe und Winterthur (Schweiz) ermutigte er, Scheitern nicht gleich als persönliches Versagen anzusehen: „Mein erster Dienst war ein großes Scheitern. 100 Menschen kamen zu meiner ersten Veranstaltung. Nächste Woche waren es nur noch vier. Ich sagte mir: ‚Gott, ich bin ein Versager‘. Doch nun sage ich dir: Versagen ist eine Situation, nicht eine Person. Nur weil du an etwas gescheitert bist, bist du nicht gleich ein Versager. Gott musste erst etwas in mir tun, bevor er etwas durch mich tun konnte.“
Für den Gründer von LifeChurch.tv sei Versagen keine Option, sondern eine Notwendigkeit. „Oft ist der erste Schritt zum Erfolg das Scheitern.“ Wer scheitere, dürfte sich nicht einfach selbst beschuldigen. Gott habe Groeschels Versagen gebraucht, damit er innerlich zerbrochen war und so Neues entstehen konnte. Durch Scheitern habe er sehr viel gelernt. Doch entscheidend sei, nach dem Scheitern wiederaufzustehen: „Lass das Scheitern dich nicht zurückhalten. Nur weil du gescheitert bist, bist du kein Versager. Vielleicht bereitet Gott dich gerade durch das Scheitern auf etwas vor.“
Groeschel sagte, er habe wie ein Pastor anstatt wie ein wahrer Christ gehandelt. „Ich lernte pastorale Sprache zu sprechen, auch wenn ich sie nicht immer so meinte. Ich habe immer nur dann die Bibel studiert, um die Predigt vorzubereiten, nie für mich selbst. Ich habe nur eine geistliche Show abgezogen“, so der Gemeindegründer. Ihm wurde klar: „Ich bin ein vollzeitlicher Pastor, aber ein teilzeitlicher Nachfolger von Jesus Christus.“ Mit den Jahren habe Groeschel fälschlicher Weise angefangen, auf die Ressourcen zu vertrauen: „Ich wollte eine tolle Technik, tolle Theaterstücke und tolle Predigten. Aber mein Herz hat sich von Gott abgewandt.“ Doch dann habe er Gott bekannt, dass er von ihm abgewichen sei. Wenn er nun seine Gemeinde leite, sei es keine Show, sondern „echte Liebe“.
Groeschel gründete 1996 seine Gemeinde in einer Doppelgarage. Damals habe er nichts von dem gehabt, das man vermeintlich brauche, um eine Gemeinde zu gründen. Doch aus diesem „Nichts“ seien heute 13 verschiedene Gemeindezentren entstanden, die über die ganze USA verteilt sind. Genauso wie er sich für seine Gemeinde hingebe, forderte der Pastor volle Hingabe von allen anwesenden Mitarbeitern, Leitern und Pastoren für deren Kirchengemeinde. Der Vater von sechs Kindern forderte zudem dazu auf, einen „messerscharfen Fokus“ zu haben. Denn: „Auch die amerikanischen Kirchen tun oftmals zu viel, aber nichts ausgezeichnet. Statt viele Dinge zu tun, die nur durchschnittlich werden, fordert Gott uns heraus, wenig Dinge exzellent zu tun.“
In seinem Vortrag fragte Groeschel die Teilnehmer: „Worin könnt ihr die Besten sein in der Welt? Wozu hat Gott euch auf einzigartige Weise begabt und berufen, einen Unterschied zu machen? Und wenn ihr das auf den Punkt gebracht hat, möchte ich euch dazu herausfordern, nicht alles davon zu tun.“ Es gehe um das geplante Aufgeben, nicht alles tun zu müssen. Groeschel weiter: „Um Menschen zu erreichen, die sonst niemand erreicht, musst du auch Dinge tun, die sonst niemand tut.“ Seine Kirchengemeinde habe das geschafft, indem sie sich auf wenige Dinge konzentriert habe, in denen sie stark seien. Und um Dinge zu tun, die sonst niemand tut, müsse man sich auch die nötige Freiheit dazu nehmen. Weiter forderte der Pastor dazu auf, nicht nur „und“, sondern auch „oder“ zu sagen. „Sagt nicht nur das und das, sondern das oder das“, sagte Groeschel.
Chancen statt Hindernisse sehen
„Kirchen und Organisationen sehen Chancen, wo andere nur Hindernisse sehen“, so der Pastor. Dabei hätten doch die Gemeinden alles, was man zum Leben brauche. Aus eigener Erfahrung sagte Groeschel: „Wenn wir eine wahre Leidenschaft haben, wird es dazu führen, dass wir die Hindernisse überwinden. Manchmal werden dadurch Dinge tatsächlich möglich, von denen ihr bisher dachtet, sie sind kaum möglich sind.“
Der Gründer von LifeChurch.tv gewann im Laufe der Jahre die Erkenntnis, dass Gott auch „durch das führt, was er uns vorenthält. Manchmal bekommst du etwas nicht von Gott, damit du Dinge siehst, die du sonst nicht sehen würdest.“ Viele seien versucht zu sagen, sie hätten kein großes Kirchengebäude oder es fehlten ihnen ehrenamtliche Mitarbeiter. Doch für Groeschel könne „die größte Begrenzung die größte Innovation freisetzen“.
Fotos: Copyright © 2010 Marc Gilgen
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Kommentare
sooo schlau
...wie einfach ein Pastor Menschen Mut machen kann, ganz ohne die Bibel auch nur in die Hand zu nehmen oder wenigsten zu zitieren.
Eine schöne kleine wertlose Lehre, ganz im Sinne von 2. Tim 4,3
"Mit den Jahren habe Groeschel fälschlicher Weise angefangen, auf die Ressourcen zu vertrauen:..." ob doch nichts verstanden und verändert wurde?
Der betroffene Leser.
Lieber Gast, danke für deinen
Lieber Gast, danke für deinen kritischen Kommentar. Zu dem von dir kommentierten Zitat: Ob daraufhin doch nichts geändert wurde, kann ich schlecht beurteilen. Dazu müsste ich ihn erst mal näher kennenlernen. Doch was ich sagen kann: Die Aussage an sich finde ich erst einmal richtig.
Zu deiner angegebenen Bibelstelle: Nur weil man die Bibel nicht wortwörtlich zitiert, muss es ja nicht gleich bibelfern oder gar wertlos sein, oder? Ich halte es da gerne mit Paulus: "prüft aber alles, das Gute haltet fest!" Und das tue ich auch weiterhin, gerne auch bei Craig Groeschel.
Was mich jedoch zugegeben auch etwas stutzig machte: In einer Predigt redete er die ganze Zeit von "it" und nicht mehr von Gott oder Jesus an sich und hat auch das Buch mit dem Titel "It: How Churches and Leaders Can Get It and Keep It" veröffentlicht, das ich mir aber nicht kaufen werde. ;)
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Muss ich scheitern??
„Oft ist der erste Schritt zum Erfolg das Scheitern.“ So Sätze verunsichern mich immer. Ich fühle mich irgendwie nicht wirklich gescheitert und zerbrochen. Klar habe ich erkannt, dass ich es nicht alleine kann und Jesus als meinen Retter brauche, aber ist das Scheitern... ?? Das Scheitern führt vielleicht dazu, dass man sich mehr auf Gott verlässt und das ist ja auch gut so. Aber kann ich das nicht auch ohne zu scheitern?
liebe Grüße von der fragenden maike.
Ich glaube, dass Groeschel
Ich glaube, dass Groeschel damit etwas anderes meint. Viele Christen denken, sie dürften nie versagen, keine Fehler machen, müssten perfekt sein. Aber das ist nicht so. Nur weil man einen Fehler macht, ist man kein Versager. Groeschel sagt sogar das Gegenteil: Wer Fehler macht, hat die Chance daraus zu lernen und daher stärker als zuvor aus der Krise hervorzugehen. In diesem Kontext ist der erste Schritt zum wahren Erfolg tatsächlich das Scheitern.
Oftmals denken wir, wenn wir einen Fehler machen, sind wir Versager. Wir fühlen uns schlecht, schämen uns oder fühlen uns gar schuldig. Groeschel sagte dazu: "In solchen Situationen müsst ihr wieder aufstehen." (Ich ergänze nach dem bekannten Zitat: "Und zwar immer einmal mehr als ihr hinfallt.") Und mit jeder vermeintlichen Niederlage kann auch unser Vertrauen und unsere Beziehung zu Jesus Christus wachsen und tiefer werden als zuvor. Somit kann auch darin Erfolg liegen - auf den zweiten Blick.
Erfolg heißt somit nicht, nicht zu scheitern. Erfolg heißt nicht, "perfekt" zu sein, leistungsorientiert zu denken und in allem der oder die Beste zu sein. Erfolg heißt nicht, immer zu gewinnen und alles zu wissen. Ein großer Erfolg ist es vielmehr, wenn man selbst weiß, wer man ist, seine Grenzen kennt und Schwächen und Stärken wahrnimmt. Das geht aber nur mit Niederlagen. Die gehören zum Leben einfach dazu. Gerade diese Erfahrungen prägen uns oftmals am meisten bzw. gerade in schwierigen Situationen lernen wir oftmals am meisten.
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