Die Gretchenfrage (2)

Nach dem Cliffhanger beim ersten Teil hier nun die Fortsetzung des Streitsgespräch zwischen Daniel und Josch um Glauben und Atheismus:

Josch: Ich sehe das viel rationaler als du. Ich bin mir bewusst, dass ich ein Mensch bin, der sein Leben in der eigenen Hand hat. Alle meine Entscheidungen, ob gut oder böse, richtig oder falsch, liegen fast ausschließlich in meinem Ermessen. Ich habe jederzeit die Freiheit, das zu tun, worauf ich Lust habe. Das kann auch falsch sein, aber dann muss ich auch mit den negativen Konsequenzen leben. Und in diesem Rahmen versuche ich, mich weiter zu entwickeln und ein Leben zu führen auf das ich stolz sein kann. Dass ich auch viel falsch mache, ist klar, ich bin ja nur ein Mensch, aber ich kann es zumindest versuchen.

Daniel: Da kann ich dir nur zustimmen - auch ich sehe mich als Menschen, der sein Leben in der eigenen Hand hat. Gott hat uns diesen freien Willen schließlich bewusst gegeben. Und das ist auch gut so - ich will doch kein Roboter sein ;)

Dementsprechend lässt es Gott auch zu, dass alle Menschen ihre eigenen Entscheidungen treffen. Auch die, ob sie an ihn glauben wollen oder nicht.

Und glaub mir: Auch Christen machen nach wie vor Fehler, das ist klar.

Josch: Dann sind wir uns in dem Punkt zumindest einig. Wir beide glauben daran, dass der Mensch frei handelt in seinem Leben. Nur dass ich nicht an Gott glaube. Nur an mich und an den Willen ein guter Mensch zu werden. Aber eine Frage habe ich schon, was bringt dir denn der Glaube an Gott??? Warum glaubst du nicht auch an dich und deine Fähigkeiten, dein Leben nach bestem Wissen und Gewissen zu gestalten?

Daniel: Ohh, ich glaube sehr wohl an mich und meine Fähigkeiten. Auch in der Hinsicht dürften wir uns einig sein. Nur danke ich Gott dafür, dass er sie mir gegeben hat und versuche wie du auch, so viel wie möglich daraus zu machen.

Was mir der Glaube an Gott bringt? Zunächst einmal natürlich die Gewissheit, nach dem Tod bei ihm zu sein. Klingt verrückt, ist aber so. Das ist eine Gewissheit, die man leider nicht weitergeben kann und die jeder selbst finden muss. Ansonsten hat Gott für mich mehrere Facetten. Teils ist er mein Vater (im Himmel), teils mein Freund, mein Helfer, Tröster, Unterstützer. Wenn ich ein Problem habe, kann ich immer zu ihm kommen, mich immer an ihn wenden. Da er immer Zeit für mich hat und mir zuhört, ist das ein großer Nutzen für mich.

Josch: Aber er ist doch keine konkrete Person, die dich mal in den Arm nehmen kann, die dich mal zum Lachen bringt, die mal für dich einkaufen geht, wenn du keine Zeit hast. Gut, du kannst jetzt sagen, dass er durch die Bibel mit dir spricht oder durchs Gebet. Aber die Bibel ist doch auch nur von Menschen geschrieben worden. Glaubst du nicht, dass Religion und Glaube eine überholte Tradition aus alten Zeiten sind? Aus Zeiten in denen sich die Menschen einfach viel noch nicht erklären konnten und deshalb anfingen, an höhere Mächte zu glauben?

Daniel: Für mich ist Gott eben doch eine konkrete Person. Gerade dass er als Menschengestalt auf die Erde kam, zeigt mir, wie sehr er uns nahe sein will. Das finde ich faszinierend.

Die Bibel selbst ist von Menschen aufgeschrieben, ja. Aber WAS die Menschen aufgeschrieben haben, ist insgesamt in meinen Augen nicht menschlich, sondern göttlich. Beispielsweise die vielen Prophezeiungen (größtenteils über Jesus Christus) im Alten Testament, die sich im Neuen Testament erfüllt haben, zeigen mir, dass da mehr dahinterstecken muss.

Wenn Religion und Glaube eine überholte Tradition aus alten Zeiten wäre, wieso glauben dann noch so viele Menschen? Selbst wenn ich wollte, könnte ich nicht nicht glauben - einfach, weil ich schon so oft erlebt habe, dass es Gott wirklich gibt. Diese Erfahrung wünsche ich auch allen Menschen. Ich weiß natürlich, dass es anfangs oftmals verrückt klingt… das haben mir schon viele gesagt. ;)

(Fortsetzung folgt.)

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