Gamescom 2010: Spielerische Nachlese
Es ist schon gigantisch, wenn die Massen sich den Toren der Gamescom nähern. Ich war nur zwei Tage da, am Pressetag am Mittwoch und am ersten Publikumstag am Donnerstag, aber schon am Donnerstag morgen stapelten sich die Massen vor den Eingangstoren, so dass man eine halbe Stunde vor dem offiziellen Einlass nur noch mit dem Presseausweis wedelnd durch die Masse kam.
Weil ich nicht so viel Zeit hatte, mich am Donnerstag durch die Massen zu wühlen, sind mir auch einige Messe-Highlights entgangen. Gut, für evangelisch.de habe ich Kinect und Move getestet, die pädagogische Seite von Videospielen betrachtet und ein Interview mit Bigpoint zum Thema Online-Games geführt. Aber natürlich stehen die Spiele im Mittelpunkt der Gamescom, und da wollte ich eigentlich noch eine Handvoll mehr sehen als mir schlussendlich gelungen ist.
Vorweg aber noch eines: Der 3DS war nicht auf der Gamescom vertreten. Während Nintendo sein Nachfolger-Handheld zum DS auf der E3 schon zeigte und mit Sicherheit auch auf der Tokyo Game Show im September zeigen wird, war ihnen Europa als Markt offenbar nicht wichtig genug. Schade! Denn hierzulande freuen sich die Menschen auch auf echte 3D-Grafik zum Mitnehmen…
Ein paar Spiele konnte ich mir dann aber doch anschauen beziehungsweise selbst anspielen. Hier meine Impressionen in Kurzform:
Angespielt:
Enslaved (Xbox 360) – Hat mich nach der ersten fünfminütigen Spielsession dazu bewogen, noch mal wiederzukommen und länger zu spielen (15-20 Minuten). So ein bisschen Street Fighter meets Assassin's Creed: Viel Freerunning, Kampf läuft über Button-Kombos und sieht ganz gut aus. Leider ist die Kamera-Perspektive immer mal wieder sehr seltsam, nämlich leicht angewinkelt, so dass man zum Geradeauslaufen den Stick leicht schräg schieben muss.
Vanquish (Xbox 360) – Gears of War auf Speed. Das Level, das ich spielen durfte, sieht auch auf der Xbox 360 sehr gut aus. Sehr coole Waffen-Morph-Effekte, unglaublich hektisches Gameplay, Explosionen, Zeitlupen, Powerslides – und reines Singleplayer-Spiel, was für Shooter eher ungewöhnlich ist. Wer Halo und Gears zu langsam findet, aber trotzdem nicht auf Multiplayer steht, findet hier eine Heimat.
Super Scribblenauts (DS) – Teil zwei des erfolgreichen Kreativ-Spiels. Auch der Nachfolger macht Spaß, nun auch mit Adjektiven! Das Problem: So richtig viel Freiheit lassen einem die Level, die ich spielen konnte, nicht. Man muss teilweise sehr genau erraten, was die Entwickler als Lösung wollten – dass man eine Strandparty mit einem Ghettoblaster, einer Musikkassette und Extra-Besuch nicht starten kann, glaube ich einfach nicht. Aber dafür bekommt man nun für erfolgreich gelöste Level Geld, mit denen man sich Hilfe-Tipps für andere Level kaufen kann. Da erfährt man dann zum Beispiel, dass die Leute auch surfen wollen. Na gut.
Halo: Reach (Xbox 360) – Der wohl größte Blockbuster des Jahres. Ich freue mich jedenfalls drauf! Das Halo-Universum bietet ganz viel Raum für große Geschichten und eine Mischung aus Geschichte und Gameplay, die ansonsten nur von Valve erreicht wird (Half-Life, Portal). Auf der Gamescom war öffentlich eine Firefight-Sitzung ausgestellt, und das macht einfach richtig viel Spaß: Vier Mann gegen immer neue Wellen von Gegnern. Halo: Reach kombiniert die besten Elemente aus Halo 3 und Halo: ODST und macht daraus ein Gesamtpaket, das nicht nur eine mitreißende Kampagne verspricht, sondern auch monatelangen Online-Spaß. Die neue Schmiedewelt, mit der man selbst Level bauen kann, kommt auch noch dazu. Ich sehe mich jetzt schon Wochenenden vor der Konsole verbringen.
The Legend of Zelda: Skyward Sword (Wii) – Ein bisschen mehr Innovation könnte Nintendo nicht schaden. Gut, Skyward Sword benutzt immerhin Wii Motion Plud und bekommt damit nahezu 1-zu-1-Umsetzungen der Handbewegungen hin. Die Fähigkeit, die Richtung eines Schwertschlages zu bestimmen, ist auch gut ins Spiel eingebaut. Und die Item-Auswahl ist auch deutlich vereinfacht. Ansonsten sieht es Twilight Princess doch irgendwie ähnlich, auch wenn der Zeichenstil der etwas anders ist. Ein gutes Spiel wird es trotzdem, klassisches Zelda halt.
R.U.S.E. (PS3) – Ruse ist ein Echtzeit-Strategie-Spiel, in dem man die Amerikaner im zweiten Weltkrieg gegen die Deutschen und Italiener anführen muss. Das Spiel gewinnt seinen Reiz daraus, jeden Bereich mit einer Kriegslist (die titelgebende "Ruse", englisch für "Täuschungsmanöver") versehen zu können. Ich habe es mit Sonys Bewegungssteuerung Move gespielt und auf dem PC getestet – die PC-Version ist viel flüssiger, sieht besser aus und steuert sich leichter. Aber Move kommt dem schon relativ nahe. Das Spiel selbst ist klassische Echtzeit-Strategie: Die richtige Einheit gegen die richtige Einheit schicken, Ziele einnehmen, fertig. Schön ist der Zoom, stufenlos vom Riesenüberblick bis zum Detaillevel.
Nur gesehen:
Call of Duty: Black Ops (alle Systeme) – Zu dem nächsten Spiel der beliebten Reihe sind inzwischen noch einige Previews mehr aufgetaucht, die klar machen: Bei Gewalt und Brutalität haben die Entwickler noch einen draufgelegt. Auf der Gamescom zeigten sie ein Level (auf einer Xbox 360), das zumindest eines zeigte: Die Ego-Perspektive nimmt Call of Duty ernst. Nur einmal, bei der Außenansicht eines Flugzeugs, hat das Spiel diese Sichtweise verlassen. Ansonsten ist man, egal ob als Radaroffizier im Flugzeug oder als Soldat im verschneiten russischen Wald, immer aus der Eigensicht dabei. Grafisch sieht's gut aus, vom für die meisten wichtigsten Teil – Multiplayer – habe ich auf der Gamescom nichts gesehen.
Crysis 2 (PC) – Von Cryteks nächstem Paukenschlag, der erst 2011 erscheint, war auf der Gamescom hingegen nur der Multiplayer zu sehen. Der war grafisch allerdings erste Sahne: Absolut flüssig, super-detailliert, toll beleuchtet. Was der eigene PC dafür allerdings können muss, steht in den Sternen – der Vorgänger, Crysis, ist schließlich immer noch der absolute Maßstab in Sachen Grafik.
Gran Turismo 5 (PS3) – Ich bin ja kein Freund von Rennspielen, aber als ich an der GT5-Präsentation vorbeiging, musste ich schon zweimal hingucken: Auf den ersten, flüchtigen Blick war der Porsche auf der Rennstrecke nicht von Filmaufnahmen zu unterscheiden. Während das mit dem Fotorealismus bei Ego-Shootern noch etwas auf sich warten lässt, müssen Hochglanz-Rennspiele wie GT5 sich nicht vor der Realität verstecken. Für Fans des Genres ein guter Grund, sich eine Playstation 3 zu kaufen, und sei es nur, um Freunden zu zeigen, wie großartig so was aussehen kann. Das Gameplay ist vermutlich ähnlich gut wie immer, da kann ich gerade nichts zu sagen. Ich war zu sehr abgelenkt von den Spiegelungen auf der Motorhaube von dem Porsche.
Nicht gesehen:
Das ganze Electronic-Arts-Portfolio konnte ich mir dann nicht mehr anschauen. Schade, denn da waren einige Titel dabei, die ich wirklich gern gesehen hätte. Aber so muss ich mich wie jeder andere auch auf den einschlägigen Gaming-Seiten informieren über Rage, Brink, Assassin's Creed: Brotherhood, Fallout: New Vegas und den großen Call-of-Duty-Konkurrenten Medal of Honor.
Der Herbst wird in der Tat eine spannende Zeit für Gamer. Für mich persönlich stehen Halo: Reach, Fallout: New Vegas und Assassin's Creed: Brotherhood ganz oben auf der Einkaufsliste. Enslaved und Vanquish sahen ebenfalls erstaunlich interessant aus - Enslaved ein bisschen mehr, aber da müssen die Reviews erstmal zeigen, ob das Gameplay ein ganzes Spiel tragen kann. Zelda: Skyward Sword lege ich mir dann irgendwann auch mal zu. Und bei Medal of Honor gegen Call of Duty stehe ich zur Zeit noch auf der Seite "keins von beiden". Höchstens mal für den Einzelspielermodus ausleihen sollte völlig reichen, schließlich wird mein Multiplayer-Vergnügen mit Assassin's Creed: Brotherhood und vor allem Halo: Reach völlig erfüllt sein.
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