Das "Bild"-Problem
Mal fehlen Bilder, mal schreibt die Bild Unsinn. Das "Bild"-Problem beherrscht die Medien heute. Und die Frage: Wer bekommt wie viel?
Zum Alltag des Journalismus zählt das "Bild"-Problem. Gemeint ist, dass Journalisten zwar wunderbare Texte haben, ihnen aber oft die Bilder dazu fehlen, um die Geschichte "anschaulich" zu machen. Im Fernsehen sieht man deshalb oft Politiker aus Limousinen steigen oder Leute sich auf Stühle setzen, weil man eine Kabinettssitzung sonst irgendwie schlecht bebildern konnte. Das andere "Bild"-Problem ist die Tatsache, dass die gleichnamige Boulevardzeitung ständig Stuss schreibt oder Menschen zitiert, die Stuss reden.
Das "Bild"-Problem des Tages gestern war ein gewisser Burkhardt Müller-Sönksen, der angeblich Medienexperte ist und zwar bei der Doppelnamenpartei FDP. Der Experte tönte, durch die Gebührenreform würden ARD und ZDF "voraussichtlich ein Plus von "1,2 Milliarden Euro bis 1,6 Milliarden Euro pro Jahr" verbuchen." Heute darf Müller-Sönksen auf Seite 1 der "Bild" nachlegen und eine Absenkung der Gebühr von 15 Euro fordern. Müller-Sönksen spricht von der Hinterbank und alle schreiben mit.
Dass eigentlich noch gar nicht entschieden ist, wie die Haushaltsabgabe konkret ausgestaltet wird und somit fraglich ist, ob überhaupt Mehreinnahmen in genannter Höhe zustande kommen, fällt leider unter den Tisch. Auch, dass es da ja noch so eine Truppe mit dem sperrigen Namen Kommission zur Ermittlung des Finanzbedarfs der Rundfunkanstalten (KEF) gibt, die ausrechnet, was ARD, ZDF und Deutschlandfunk so brauchen und wahrscheinlich nicht feststellen wird, dass die Sender 1,6 Milliarden Euro mehr benötigen für Qualitätssendungen wie "Verbotene Liebe" oder "Musikantenstadel", nur weil es ein neues Gebührenmodell gibt. Aber wenn die Gebühr tatsächlich bei 15 Euro pro Haushalt landet, verkauft Müller-Sönksen das via "Bild" wahrscheinlich noch als seinen ganz persönlichen Erfolg.
Nun, jedes Land bekommt ja angeblich die Politiker, die es verdient. Was die Intendanten so verdienen, ist ein ganz großes Thema momentan, unter anderem in der FR (Seite 35), die bei ihrem Text zum Thema Intendantengehälter offenbar auch ein Bild-Problem hatte (nur im Print). Der Text von Daniel Bouhs jedenfalls ist mit einer Frau bebildert, die offenbar die Lottozahlen vor sich stehen hat. Die völlig sinnbefreite Bildzeile lautet: "Die Zahlen ergeben selbst addiert nicht das Intendantengehalt." Wir freuen uns schon auf den FR-Artikel über Hartz-IV-Empfänger, der mit dem Buffet auf einem Kreuzfahrtschiff bebildert ist. Dazu die Bildzeile: "Das bekommen sie im Ghetto nicht zu essen".
Geradezu analytisch widmet sich Bernd Gäbler im TSP der Gehälterfrage und will jeden Anflug von Neid schon im Keime ersticken:
Vergleicht man den WDR oder andere große Senderanstalten mit anderen Medienhäusern, gegen die sich beide Sender im Wettbewerb behaupten sollen, dann ist dieses Gehalt nicht gigantisch. Wären Monika Piel oder Lutz Marmor, der Intendant des NDR, in vergleichbarer Position Manager von Bertelsmann oder beim Axel-Springer-Verlag – sie würden sicher mehr verdienen.
"Aber was ist das für ein Vergleich?" , fragt sich Gäbler direkt mal sebst und zählt die Unterschiede auf:
Öffentlich-rechtliche Sender haben das schöne Privileg, nicht pleitegehen zu können. Auch haften die Manager für nichts. Am Ende bürgt immer der Staat. Selbst wenn das Schlimmste passiert, ist für einen einmal gewählten Intendanten gehobener Wohlstand bis zum Lebensende garantiert.
Und deshalb findet Gäbler auch ein paar gute Gründe, warum Intendanten vielleicht doch nicht das verdienen, was sie verdienen.:
Gerade der WDR recycelt regional alles, was RTL beiseite gelegt hat: "Stars" wie bevorzugt Bernd Stelter; Service-Formate von Paarberatern über Hotel-Tester bis zur Schuldenberatung werden eifrig kopiert; viele Stunden Karneval lässt man sich von Gutachtern als „Kultur“ gutschreiben. Kreativität wird immer stärker ausgelagert in Zulieferfirmen. Nehmen wir noch ein Beispiel: die Journalistenausbildung der ARD ist anerkannt, aber ist es angemessen, wenn bei mehr als 20 000 Beschäftigten in allen ARD-Sendern jährlich gerade einmal knapp hundert Journalisten ausgebildet werden?
Artikel des Tages
Ein "Bild"-Problem der anderen Sorte behandelt dann doch wieder die FR und zwar nicht in ihrem "Aufmacher" sondern ihrem "Aufsetzer", der unter dem Artikel mit der Zahlenfee steht. Es geht um Günter Wallraff, dessen Film zu seiner verdeckten Recherche bei der "Bild" jahrelang im Giftschrank des WDR schlummerte und nun doch den Weg ins Fernsehen gefunden hat, Ausschnitte liefen bei "Zapp". Aber:
Gerade einmal zehn Sekunden sieht man Wallraff in der Redaktion, die anwesenden Bild-Mitarbeiter mit Augenbalken unkenntlich gemacht.
Zumindest die Sache mit dem Unkenntlichmachen in in Zeiten von Google Streetview ja wieder hochaktuell. Ilse Aigner zum Beispiel möchte bei Street View nicht erkannt werden, erfahren wir unter anderem beim Stern Online. Nicht nur unkenntlich, sondern direkt mal gelöscht hat übrigens gestern der Mediendienst Turi. Der verwies auf eine Meldung in der TAZ zunächst so:
Die staatsnahe französische AFP wird mit der staatlichen chinesischen Nachrichtenagentur Xinhua kooperieren. Sie verkaufen wechselseitig Fotos, auch Texte können genutzt werden. Pekinger Propaganda will AFP trotzdem nicht vertreiben.
Etwas später war das "staatsnah" dann getilgt. Hat da jemand von höchster Stelle interveniert? Nicolas Sarkozy persönlich gar oder, wir würden es Peter Turi gönnen, die hübsche Carla Bruni? Leider nein. Heute meldet Turi:
AFP ist keine "staatsnahe" Nachrichtenagentur, wie turi2 gestern geschrieben hatte. Darauf weist Andreas Krieger, Geschäftsführer von AFP in Deutschland, dringend hin. Der französische Staat sei zwar größter Kunde von AFP, die Redaktion arbeite aber unabhängig.
Daniel Bouhs schrieb dazu gestern:
Gut 110 Millionen Euro und damit 40 Prozent ihres aktuellen Budgets steuert der Élysée-Palast bei, tituliert als Abo für diverse Dienste. Beeinflussung? Gibt es nicht, beteuern die Beteiligten stets.
Quod errat demonstrandum!
+++Kaum ist Iris Berben 60 da scheibt die Süddeutsche (Seite 15) schon über "Die zweite Generation". Statt Berben, Berger, Elsner und Hoger sind nun Isabell Gerschke, Lisa Martinek und Stefanie Stappenbeck die Frauen, die den deutschen Fernsehkrimi beleben. "Ulrike Folkerts und Maria Furtwängler mögen noch die Quotenköniginnen des Tatorts sein, und die herbe Hannelore Hofer als Bella Block oder die immer etwas mürrisch wirkende Sabine Postel als Bremer Kommissarin mögen ihre Position behaupten, aber der Generationenwechsel ist unverkennbar und unausweichlich."+++ Ebenfalls in der Süddeutschen lesen wir eine Programmkritik zu dem hervorragenden Film "Warten auf Angelina".+++
+++"Es geschah im Tennisclub" lautet die Überschrift zu der Programmkritik zum aktuellen Polizeiruf 110, die wir in der FAZ (Seite 35) lesen. Genau dort spielt die in der SZ bereits gerühmte Isabell Gerschke nämlich mit. Die FAZ scheint ebenfalls angetan zu sein: "Der gelungene Halenser "Polizeiruf 110" von Thorsten Schmidt (Regie und Buchbearbeitung) lässt eine unaufgeregt-souveräne Kommissars-Troika (Isabell Gerschke, Wolfgang Winkler, Jaecki Schwarz) auf die um ihre erotische Attraktion beraupte Jugend-Troika los und macht aus den klassischen Zutaten "Geld" und "Liebe" ein überraschend scharfes Gericht, dem Detlev Buck mit einem Gastauftritt als Rechtsanwalt noch eine eigenwillige Geschmacksnote beimengt." Weitere Rezepte der FAZ finden Sie übrigens hier.+++Nicht deutlich wird übrigens in dem Artikel, ob der Polizeiruf auch im Fastenmonat Ramadan genießbar ist. Der Fastenmonat ist aktuell jedenfalls ein ganz großes Thema in Frankreich, wie die FAZ ebenfalls aus Seite 35 berichtet. Sogar Brigitte Bardot mischt sich ein und protestiert mal wieder gegen islamische Schlachtmethoden. Zum Nachhören auf Youtube.+++
+++Auch sueddeutsche.de befasst sich mit den Intendantengehältern und zitiert den Sprecher des RBB: "Allerdings gibt es auch nichts zu verheimlichen."Das natürlich sehen andere Leute ganz anders. Peter Boudgoust immerhin, will sein Gehalt auch noch offenlegen. Wahrscheinlich wird er das exklusiv beim Spiegel tun, was bei Peter Boudgoust, der sich offenbar bestens mit dem Kollegen Markus Brauck versteht, häufiger vorkommt.+++ Suddeutsche.de berichtet auch über eine Idee, mit der Johannes B. Kerner seine Sendung pimpen will. Schnitzeljagd quasi.Reporter Seven soll elektronische Spuren hinterlassen, wer ihn findet bekommt 10.000 Euro. Da kann man nur hoffen, dass die Zuschauer den Spaß nicht mit "Das Millionenspiel" verwechseln und den armen Sven über den Haufen schießen. Sven selbst sieht die Sache locker: Ich finde es übrigens schade, dass das Oktoberfest nicht in die Zeit fällt, in der ich unterwegs bin. Sonst hätte ich meine Lederhose eingepackt. +++
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Kommentare
Boudgoust
Errare humanum est. Boudgousthat ein Gehalt öffentlich gemacht - nicht exklusiv beim Spiegel, sondern etwa hier. Es sind 273.000 Euro pro Jahr.