Die kleinen Schritte

von Selavy

Wieder einmal muss ich lernen, dass zumindest in meinem Fall Entwicklung nur in kleinen Schritten stattfindet, wenn ich auch denke, dass mir für die kleinen Schritte die Zeit fehlt.

Leider habe ich mir mit meinem Fastenprojekt in der jetzigen Situation zu viel vorgenommen:

  • zwar kann ich wie jedes Jahr leicht auf Alkohol verzeichten, obwohl ich gerne ein Gläschen oder auch zwei vom guten Wein oder ein paar Gläschen Brut trinke, ABER ich habe es nicht geschafft, mein "Bildschirmfastenprogramm" durchzuhalten, vielleicht auch deshalb, weil der Rückzug vor den Fernsehapparat oder den PC oft die einzige Möglichkeit ist, mich vor den vielen Aufgaben, die grade auf mich einstürzen, zu erholen.
  • auch meinen Versuch, sparsam einzukaufen, halte ich nur mit "Einbrüchen" durch, wenn diese auch viel seltener stattfinden als die Bildschirmattacken, woebi beide natürlich demselben Zweck dienen - mich aus meinem wirklich stressigen Alltag herauszuholden und mir zu einem wohligen Gefühl zu verhelfen.  Trotzdem hat dieses Konsumfasten, das sich bei mir auf orale Genüsse und PCs, Bücher und Zeitschriften bezieht,  einen ganz angenehmen Vorteil - ich esse gesünder und nehme ab.
  • Kurz vor einem Umzug in eine viel kleinere Wohnung ist der tägliche, kleine Verzicht auf mindesten 3 Gegenstände (meistens sind es viel mehr, aber auch hier möchte ich ein eigentlich als Erleichterung gedachtes Programm nicht zum zusätzlichen Stressor machen) etwas, was ich täglich tun kann und was unterm Strich, wenn nicht zu streng betrieben, sogar ganz vergnüglich ist.

Entwicklung findet bei mir nur langsam und in kleinen Schritten statt. Das weiß ich sehr wohl, habe aber immer wieder den ganz dringenden Wunsch, eine große Veränderung einzuläuten, die dann doch recht schnell im Sande verläuft, weil ich mich völlig überfordere.

Diese Einsicht führe ich mir grade wieder vor Gesicht, auch beim Fasten.

Ich werde also weiterhin den Alkohol lassen und bewusst sparsam einkaufen - alle anderen Änderungen dürfen, müssen aber nicht sein.

Statt Stress mehr Erholung, mehr bewusste Erholung und Entspannung, mir Ruhe und Nichtstun richtig gönnen - das wäre sicher sehr sinnvoll, soll aber nicht zu einem zusätzlichen Stressprogramm ausarten.

Mein Fastenkalender führt mich in dieser Woche an den guten eigenen Rhythmus heran, den es zu entwickeln gilt, Rituale, die mich halten und mir ermöglichen, eine gute Balance zwischen Anstrengung und Entspannung zu finden. Er empfiehlt - aus benediktinischer Sicht - Morgen- und Abendrituale, feste Zeiten für die Areit und das Gebet, für Mahlzeiten und Ruhe, für Entspannung und Aktivität und das allesnur, um mein Wohlergehen zu fördern.

Ich lese: "Gott ("sie" denke ich) braucht natürlich meine Rituale nicht. Ich lebe mit diesen Ritualen auch nicht, um irgendeine Pflicht zu erfüllen oder irgendjemand zu befriedigen, sondern weil ich mich in ihnen daheim fühle, weil ich Lust habe, meinem Leben eine Form zu geben und es selbst zu leben, anstatt gelebt zu werden."

Auch dieses Thema passt gut in meine Leben.

Etwas eine überschaubare, aber doch recht stattliche Zeit lang zu üben, damit Veränderung stattfindet, mir Zeit dafür zu nehmen und Rituale zu entwickeln, die mir festen Halt und Sicherheit geben, diese Aufgabe (und Sehnsucht) steht mal wieder im Mittelpunkt.

Falls mein PC mir wohlgesonnen ist und ich meine Beiträge wieder in diesem Blog speichern kann, werde ich den sanften Umgang mit mir, die gute Fürsorge beobachten und wieder hier mehr notieren.

PS: Was ich noch gerne lassen würde, sind die Opfergedanken, die ich oft hege, die Wut auf eine Kollegin, mit der keine Kommunikation möglich ist, bei der ich nur auf Abwehr treffe.

Ein kleines Thema also diese Woche: Lieber keine Kommunikation als eine so misslungene, keine Erwartung mehr an sie, keine Enttäuschung, kein Kampf gegen Abweisung, um Anerkennung, darum, wahrgenommen zu werden. Einfach loslassen.

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