Fasten - Sollen Christen fasten und wenn ja warum? Das Fasten ist eine Form menschlicher Kultur, so alt wie die Menschheit selbst. Dabei wird für eine festgelegte Zeit teilweise oder völlig auf bestimmte Nahrungsmittel wie Fleisch, auf Genuss- und Suchtmittel wie Schokolade oder Alkohol oder auch auf Sexualität verzichtet. Die Motive sind unterschiedlich. So fasten heute viele Menschen, weil sie ihrer Gesundheit etwas Gutes tun wollen. Es gibt aber auch politische Motive. Dabei soll durch den Verzicht auf gesellschaftliche Probleme aufmerksam gemacht werden. Vor allem aber wurde und wird das Fasten als eine Glaubenshaltung verstanden.
Was ist der Sinn des Fastens aus der Sicht des Glaubens? Wozu soll es gut sein, eine bestimmte Zeit lang auf etwas zu verzichten? Wem nutzt das? Die Bibel nimmt das Fasten ganz schön kritisch unter die Lupe. So haben der Prophet Jesaja und Jesus eins klargestellt: Wir müssen uns nicht einbilden, dass wir Gott mit zähneknirschendem Schokolade-Verzicht einen Gefallen tun (Jesaja 58 und Matthäus 6). Und Martin Luther, der selbst sehr streng gefastet hat, gibt uns diesen Gedanken weiter: Es kann nicht Sinn des Fastens sein, Gott irgendwie bei Laune zu halten. Gott will von uns keine Gegenleistung dafür, dass er uns liebt.
Trotzdem hat Jesus gefastet und auch Luther hält es für sinnvoll, denn dahinter steckt ein tiefer religiöser Sinn. Fasten reinigt erst einmal den Körper. Aber dabei geschieht noch mehr. Der Verzicht auf selbstverständliche Genüsse lässt andere Dinge in den Vordergrund treten. Wer sich einmal nicht mit Chips vollstopft oder mit Musik zudröhnt, wird merken, dass er oder sie auf einmal für ganz andere Dinge ein Ohr hat. Ich fühle mich leichter und habe den Kopf frei für Dinge, die in Vergessenheit geraten sind. Ich habe Sinn und Zeit für andere Menschen. Aus der Perspektive des Glaubens bedeutet das vor allem: Wer alte Gewohnheiten aufgibt, kann sich auf neue Weise für Gott öffnen. Ein Fasten in diesem Sinne ist also keine Einschränkung, mit der ich mir oder Gott beweisen muss, wie tapfer ich verzichten kann. Denn Fasten nimmt mir nicht etwas, sondern schenkt mir etwas: Das Gefühl von Freiheit, die mich Gott und den Menschen nahe bringt.
Das Fasten spielt in allen Religionen eine Rolle. Das Judentum kennt mehrere Zeiten des Fastens. Der bedeutsamste Fastentag ist der Jom Kippur, der große Versöhnungstag, an dem der Priester für die Sünden des ganzen Volkes sühnt. Aus dem Islam ist uns vor allem der Fastenmonat Ramadan bekannt, während der Hinduismus die Enthaltsamkeit mit Meditationstechniken wie dem Yoga verbindet. Im Christentum sind die Advents- und die Passionszeit die zentralen Fastenzeiten. Die vierzig Fastentage im Frühjahr dienen der Vorbereitung auf das Osterfest. Diese Zeit erinnert an die die vierzig Tage, die Jesus in der Wüste enthaltsam verbrachte und an die vierzigjährige Wanderschaft des Volkes Israel nach dem Ausbruch aus der der ägyptischen Sklaverei. Vor allem aber soll das Fasten in der Passionszeit das Leiden Jesu Christi in bewusste Erinnerung rufen und kann im oben beschriebenen Sinne eine heilsame Unterbrechung unseres Alltags sein.
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