Tacheles: Neugier, Zweifel und Integration

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Die Soziologin Necla Kelek bei Tacheles: "Der Koran schreibt vor, die religiösen Texte und die Gesetze Allahs zu lesen, aber das hat doch mit Bildung nichts zu tun!"

Tacheles - Junge Muslime und die Bildung: Woran scheitert die Integration? Eine der Streitfragen bei Tacheles am 18. Februar in der Marktkirche Hannover und am 28. Februar um 13 und 22.30 Uhr auf Phoenix.

Herr Gülay, Sie sind als Kind von Einwanderern hierzulande geboren, sprechen perfekt deutsch – und sind kriminell geworden. Was ist bei Ihnen schief gelaufen?

Cem Gülay: Meine Traumwelt einer liebenswürdigen und toleranten Gesellschaft ist Mitte der 80er Jahren zerbrochen, als es zu einer planlosen Masseneinwanderung nach Deutschland kam, und damit zunehmend junge Männer ins Land kamen, die aggressiv auf alles Deutsche waren. Daraufhin fingen die Menschen in meinem Umkreis an, über Türken herzuziehen. Ich gehörte nicht mehr dazu. Man hat mich beschimpft als Kanacke, und ich habe die Schule nur noch gerade so geschafft. Als ich dann in der Oberstufe zum Schülersprecher gewählt wurde, hat mir der Schulleiter gesagt, man könne sich keinen türkischstämmigen Schülersprecher leisten, er befürchte, dass dann nicht mehr genug Eltern ihre Kinder anmelden würden.

Friedrich Weber: Gülays Geschichte ist von daher ungewöhnlich, als er immerhin das Gymnasium besucht hat. Nur 10 Prozent der türkischen Einwanderer machen Abitur gegenüber 27 Prozent der Deutschen.

Necla Kelek: Sie beschreiben, wie sich mit der Zuwanderung gerade von jungen Männern aus islamisch geprägten Regionen die Atmosphäre hierzulande geändert hat. Und zugleich fing eine Heiratsmigration an, dass man für junge Männer eine Braut aus ihrem eigenen Dorf gesucht hat, um die spätere Rückkehr in die Heimatregion zu erleichtern. Damit begann die Abgrenzung der hier lebenden Muslime gegenüber der deutschen Mehrheitsgesellschaft.

Hamideh Mohagheghi: Wenn nahegelegt wird, dass die Religion ein Hinderungsgrund sein sollte, sich zu bilden, sollten wir vorsichtig sein. Wenn Einwanderer im Bildungssystem scheitern, kann das soziale, wirtschaftliche und auch religiöse Gründe haben. Dieses Scheitern pauschal dem Islam anzulasten, bringt uns nicht weiter.

Kelek:
Einspruch! Die Religion spielt eine gewichtige Rolle im Alltag, wie Werte vermittelt werden. Viele Einwanderer sind gläubige Menschen, und vielfach eben gläubige Muslime. Es geht nicht darum, Schuld zuzuweisen, aber Erklärungen zu finden. Und alle interkulturellen Konzepte sind gescheitert, weil sich die Eingewanderten immer mehr in ihre islamische Kultur zurückgezogen haben.

Weber: Natürlich ist die Familie von entscheidender Bedeutung dafür, dass Kinder in den ersten Lebensjahren die Sprache erwerben und sich in der Welt zurechtfinden. In den islamisch geprägten Familien spielt der Glaube eine wichtige Rolle, und es ist eine Pflicht der Mehrheitsgesellschaft, dafür zu sorgen, dass unsere muslimischen Mitbürgerinnen und Mitbürger ihre Religion leben können. Und da sind wir bei den Unterschieden. Das Christentum ist keine Schriftreligion wie der Islam, sondern bezieht sich auf eine Offenbarung, die immer wieder anders verstanden wird. Muslime betrachten den Koran dagegen als unveränderbar, Gott als allmächtig, was in die Hierarchie der Familien hineinschwenkt. Am Ende haben wir den starken jungen Mann, der sich nichts sagen lässt.

Kelek: Wenn Sie, Frau Mohagheghi, sagen, der Islam verlange, sich zu bilden, warum sind dann gerade so viele muslimischen Einwanderer arbeitslos? Der Koran schreibt vor, die religiösen Texte und die Gesetze Allahs zu lesen, aber das hat doch mit Bildung nichts zu tun!

Mohagheghi: Mit Halbwissen über islamisches Wissen und islamische Theologie kommen wir nicht weiter. Wenn wir im Westen die wunderbare Demokratie und Aufklärung sehen, ist das zu großen Teilen dem Islam zu verdanken. Dass sich viele Muslime zurückgelehnt und sich nicht mehr genug weiterentwickelt haben, ist ein anderer Aspekt. Wir müssen unterscheiden, was der Koran vorgibt, und wie der Islam gelebt wird.

Lesen Sie die komplette Dokumentation unter www.tacheles.tv

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