Geld, Gier und Gerechtigkeit - welche Werte tragen uns?

tacheles totale g.jpg

Tacheles in der Marktkirche Hannover Foto: Jens Schulze

Tacheles - Die weltweite Finanzkrise ist noch längst nicht ausgestanden. Geld, Gier und Gerechtigkeit – welche Werte tragen uns? Wie können die Kräfte des Marktes gezähmt werden? Taugt die Bibel für den wirtschaftlichen Alltag? Oder eher der Koran? Darüber diskutierten in der bis auf den letzten Platz gefüllten hannoverschen Marktkirche Bischof Dr. Wolfgang Huber, Ratsvorsitzender der Evangelischen Kirche in Deutschland, der niedersächsische Ministerpräsident Christian Wulff, der Vorstandsvorsitzende der Bank Sarasin, Frank Niehage, der Direktor des Instituts für islamisches Bankwesen in Frankfurt am Main, Zaid el-Mogaddedi, und die ARD- Börsenkorrespondentin Anja Kohl.

Die weltweite Finanzkrise ist noch längst nicht ausgestanden. Geld, Gier und Gerechtigkeit – welche Werte tragen uns? Wie können die Kräfte des Marktes gezähmt werden? Taugt die Bibel für den wirtschaftlichen Alltag? Oder eher der Koran? Darüber diskutierten in der bis auf den letzten Platz gefüllten hannoverschen Marktkirche am 8. Oktober 2009 Bischof Dr. Wolfgang Huber, Ratsvorsitzender der Evangelischen Kirche in Deutschland, der niedersächsische Ministerpräsident Christian Wulff, der Vorstandsvorsitzende der Bank Sarasin, Frank Niehage, der Direktor des Instituts für islamisches Bankwesen in Frankfurt am Main, Zaid el-Mogaddedi, und die ARD- Börsenkorrespondentin Anja Kohl.

Nachdem wir in der Finanzkrise in den Abgrund geblickt haben und die Akteure in den großen Geldhäusern viel gescholten wurden – sind die Banker heute geläutert?

Anja Kohl: Einige schon, viele nicht. Gier gehört zur Natur des Menschen, wir können sie nicht abschaffen. Aber wir sollten versuchen, die Gier in konstruktive Bahnen zu lenken. Wir brauchen ein System, das versucht, Gier so zu steuern, dass sie nicht schädlich wird, sondern der Gesellschaft nützt.

Die Bank Sarasin hat eher konservativ investiert und ist gut durch die Krise gekommen. Dennoch – werden Sie als Banker persönlich angefeindet?

Frank Niehage: Die Wahrnehmung der Banker hat sich seit der Finanzkrise geändert. Aber ich verwahre mich dagegen, dass alle Banker über einen Kamm geschoren werden. 80, 90 Prozent aller Bankbeschäftigten in Deutschland machen eine anständige Arbeit und haben nichts mit der Krise zu tun, die in den USA entstanden ist. Die werden alle in einen Topf geschmissen.

Man könnte schon annehmen, die Banker sind mittlerweile eine verfolgte Randgruppe, vor die sich die Kirche schützend stellen müsste.

Wolfgang Huber: Nein, da muss man genauer hinschauen. Jeder hat noch Vertrauen zu den eigenen Banken, bei denen er sein eigenes Geld hat. In dieser Welt handeln wir mit Geld, und dafür brauchen wir Banken – und zwar solche, die an Grundsätze gebunden sind, deren Handeln klaren rechtlichen Regeln folgt und deren Beschäftigte ein Gefühl für Verantwortung haben und ihrem eigenen Gewissen folgen.

Man hat oft die Ohnmacht der Politik gegenüber den internationalen Geldströmen beklagt. Jetzt waren Politiker als Retter der Wirtschaft, des Bankensystems gefragt. Freut Sie das?

Christian Wulff: Einen Moment war es gewiss so, dass die Menschen spürten, dass der Staat in der Lage ist, einen Rettungsschirm aufzuspannen, wenn es denn nötig ist. Wir haben über dem Abgrund gebaumelt aber sind nicht abgestürzt. Daran hat die Politik entschieden mitgewirkt.

Kohl: Auch am Problem, bei den Landesbanken.
Wulff: Wir haben entscheidend mitgeholfen, mit der Krise fertig zu werden, das stärkt vielleicht die Wertschätzung für den Staat und die Politikerinnen und Politiker. Jetzt allerdings steigt die Sorge, dass man zu alten Verhaltensweisen zurückkehrt. Erst wollten alle, dass mehr geregelt wird, und sagen die ersten, es wird zu viel geregelt, obwohl das noch gar nicht geschehen ist. Da müssen wir gewaltig aufpassen.

Die gesamte Dokumentation können Sie auf www.tacheles.tv nachlesen.
 

© 2009 - 2012 evangelisch.de  |  Tel: 069 58 098 - 189  |  Fax: 069 58 098 - 418  |  Kontakt  |  Impressum  |  Presse  |  Datenschutz  |  AGB