04.10.2009, 9.30-10. - Den Namen Gethsemanekirche bestimmte Kaiser Wilhelm II. Er steht für den Garten Gethsemane am Ölberg in Jerusalem. Nach dem Abendmahl ging Christus, der sein nahes Ende voraussah, zum Garten Gethsemane, um zu beten. Ihn begleiteten nur Petrus, Johannes und Jakobus d. Ä. Während Christus im Gebet mit seiner Todesnot rang, übermannte die ihn begleitenden Jünger immer wieder der Schlaf. Jesu Wort »Wachet und betet« (Matth. 26, 41) bekam 1989 in den Fürbittandachten und Mahnwachen eine neue Aktualität. Sie waren Bestandteil des Kirchensiegels der Gethsemanekirchengemeinde, erlebten im Golfkrieg neue Aktualität und sind uns heute, angesichts der immer noch wütenden Kriege auf unserer Erde, wichtig.
Nur durch Stahlarmierungen – entlehnt der Industriearchitektur des ausgehenden 19. Jh. – konnten diese
Weite überspannt werden. Die Kanzel der als protestantische Predigtkirche errichteten Kirche war
ursprünglich in der Vierung aufgestellt. Sie wurde jedoch bald aus der den Altar verdeckenden Achse
herausgenommen und zur Seite gerückt.1927 wurde die Kirche zum ersten Mal renoviert und die einstige
Sauer-Orgel durch eine neue der Firma Schuke ersetzt. Die Kirche blieb von schweren Kriegsschäden
verschont. 1961 wurde der Innenraum neu gestaltet, der Altar aus der Apsis vorgezogen, die beiden
Querschiffe vom Hauptschiff getrennt, wodurch separate Räume entstanden. Die Ausmalung der Kirche
erfolgte seitdem in weißer Farbe, von der sich die glasierten Terrakottaverkleidungen der Pfeiler und
Emporen wirkungsvoll abheben. Seit 1965 schmücken sechs neue Stahl-Messing-Leuchter und ein Kreuz aus Stahlplatten, angefertigt von dem Berliner Kunstschmidt Fritz Kühn, den schlichten Altar.
Von den bunten Glasfenstern ist nach dem Krieg wenig übriggeblieben. Man hat die Reste in die drei
mittleren Fensteröffnungen der Apsis gesetzt:»die Segnung der Kinder« (links),»der Apostel Paulus«
(rechts) und die Zusammensetzung einer Johannes- und einer Christus- (?) Darstellung (Mitte). 1973
wurde die elektro-pneumatische Orgel der Firma Schuke durch ein modernes Werk mit 25 Registern der
Dresdner Firma Jehmlich ersetzt. Die ursprüngliche Kanzel wurde während der Umbauten Anfang der
60iger Jahre durch eine moderne ersetzt und mittig plaziert. Damit wurde wieder die Sicht auf den
Altarraum beeinträchtigt, und sie war bei kirchenmusikalischen Aufführungen, Familiengottesdiensten
oder Feiern im Wege. 1979 wurde sie abgetragen und durch ein transportables Holzpult ersetzt.
Im Altarraum steht die Holzplastik „Christus in Gethsemane kniend“. Sie wurde in den zwanziger Jahren
von dem Bildhauer Wilhelm Groß (1883 – 1974) als Mahnmal für die Opfer des 1. Weltkrieges geschaffen.
Sie zeigt Christus bis zum Äußersten angespannt. Christus kniet und bittet nach der biblischen
Überlieferung Gott, dass der Kelch des Leidens an ihm vorübergehen möge. Er fleht um Leben. Andere
Kriegerdenkmale dieser Zeit zeigen einen heroischen Christus, dahinfließende Jungfrauen, einen
Stahlhelm o.ä. Diese Darstellung ohne Pathos zeigt einen Christus, der um Leben fleht – um das Leben
verführter und erschossener Jugendlicher und junger Männer, die im Krieg geblieben sind. Die
Gethsemane-Gemeinde hat sich mit dieser Figur nur allmählich anfreunden können. So existiert eine Karte von Käthe Kollwitz, die diese Arbeit der Gemeinde ans Herz legt. 1934 wurde die Christusfigur als
»entartete Kunst« aus dem Kirchenraum entfernt, aber nicht zerstört und konnte nach dem Kriege wieder
aufgestellt werden.
Bis 1965 stand vor dem Eingang der Kirche eine Kopie der bekannten Statue »Segnender Christus« des
dänischen Bildhauers Bertel Thorvaldsen. Sie wurde entfernt, da sie durch Witterungseinflüsse stark
beschädigt war. Die heute hier stehende Christusfigur gehörte zum Bauensemble der Versöhnungskirche
in der Bernauer Straße. Das Bauland musste an den Staat abgegeben werden (Als Gegenleistung erhielt
die Evangelische Kirche Bauland für einen Kirchenneubau). Die Kirche wurde 1985 gesprengt, da sie einer
perfekten Überwachung der Grenzanlage im Wege stand.

