Monatsandacht - Andacht zum Monatsspruch Juli 2010: "So bekehre dich nun zu deinem Gott, halte fest an Barmherzigkeit und Recht und hoffe stets auf deinen Gott!“ (Hosea 12,7 [L]) - von Axel Klein, Dozent in der Evangelisch-Lutherischen Landeskirche in Braunschweig -
Ich-bin-da, so ist Gottes Name, so jedenfalls stellt er sich Mose vor, als der ihn nach seinem Namen fragt. Und wir haben gerade gesungen, dass wir in seinem Namen zum Beispiel heilen wollen, was verletzt ist. Also, wenn es jemandem aus unserem Umfeld schlecht geht, Blumen hinbringen, Medizin besorgen, trösten, alles, was nötig ist, ganz selbstverständlich tun! Aber wie kann ich mit mir umgehen, wenn ich verletzt bin? Wie soll ich mit Menschen umgehen, die mich verletzt haben? Um zu verdeutlichen, um welche Verletzungen es sich handeln kann, will ich eine Geschichte erzählen:
Erik ist Fischer. Er liebt Luise und lebt mit ihr zusammen. Als Fischer muss er manchmal tagelang auf See sein und seine Frau ist dann allein, aber das ist in seinem Beruf normal. Er liebt Luise und sie liebt ihn, denkt er jedenfalls, bis er erfährt, dass sie ihn mit ’nem anderen Mann betrogen hat. Wenn ich Erik wäre, ich wäre verletzt, traurig und vielleicht sogar zornig. Und die Menschen in unserem Umfeld, wie werden die auf diese Neuigkeit reagieren? Sie könnten immerhin sagen: Was lässt du sie auch so viel alleine, selbst Schuld. Oder, wir haben es ja schon immer gewusst, sie ist ein Miststück. Und was bedeutet das alles, soll ich jetzt in eine andere Wohnung ziehen? Wird sie aus meinem Umfeld verschwinden? Wie geht es weiter? Denk dich für einen kurzen Moment in diese schmerzliche Situation und wie es dir bei Liebeskummer ginge.
Vielleicht hast du das gerade als Zumutung erlebt. Ich soll hier etwas denken, was undenkbar ist. Vielleicht aber auch: Ja, so hat sich das angefühlt, als meine Beziehung zu meiner Freundin / meinem Freund kaputt gegangen ist. Gerhard Schöne erzählt die Geschichte von dem Fischer Erik und seiner Frau Luise in einem Lied. Es heißt: Die Liebe des Fischers.
Wir erfahren nicht, wie es mit den beiden weitergeht, ob sie zusammen bleiben oder sich im Guten trennen. Das ist auch nicht wichtig. Wichtig scheint mir, dass Erik sich im Moment der schlechten Botschaft an sein Gefühl vor der schlechten Botschaft erinnert: Herz zerspring mir nicht, die wollen meine Frau töten.
Darum ist sein zweiter Gedanke: Sie soll leben. An der Verurteilung durch die Dorfbewohner kann er nichts ändern, aber er kann ihr helfen, am Leben zu bleiben. Er lässt sich nicht vorschreiben, mit welchem Gefühl er seiner Frau begegnet. Herz zerspring mir nicht, kann ja auch heißen, lass den Schrecken über diese Nachricht nicht zum Zorn werden, der mein Handeln bestimmt. Lass mein Herz ein liebendes Herz bleiben. Rechtsprechung, wie sie der Richter vollzieht, orientiert sich ausschließlich an Paragraphen und sieht nicht auf den Menschen. Ist also kalt und ohne Herz.
In der Monatslosung, die in Hosea 12, 7 geschrieben steht, heißt es: „So bekehre dich nun zu deinem Gott, halte fest an Barmherzigkeit und Recht und hoffe stets auf deinen Gott!“ Das meint: Gerade angesichts von Unrecht und missglückten Beziehungen ist es wichtig, sich nicht von Hass und Zorn leiten zu lassen, sondern sich an die stärkere Kraft der Liebe zu erinnern und an Barmherzigkeit und Recht festzuhalten. Denn, wenn mir ein Fehler unterläuft, wenn ich eine gute Beziehung zu jemandem verletze, hoffe ich auch auf Menschen, die ein Herz haben und mit mir gemeinsam traurig sind, dass es passiert ist. Ich hoffe, dass die Menschen mich nicht verurteilen und ausgrenzen, sondern ein Erbarmen mit mir haben. Und mit mir gemeinsam heilen, was verletzt ist.
Und der Friede Gottes, der höher ist als all unsere Vernunft, bewahre unsere Herzen in der Liebe, die alles umfängt.




