Monatsandacht - Andacht zum Monatsspruch Juni 2010: "Gott spricht: Suchet mich, so werdet ihr leben.“ (Amos 5,4 [L]) - von Dr. Thomas Schalla, Landesjugendpfarrer in der Evangelischen Landeskirche in Baden -
Wer glaubt, der muss auch danach leben – so könnte man das Amosbuch zusammenfassen. Im Alltag entscheidet sich, ob mein Glaube ernst gemeint oder nur eine Fassade ist. Die Mächtigen in Israel hatten das Recht gebeugt und sich dann in den Gottesdiensten ihr Gewissen beruhigen lassen. Die Frage des Amos, wie wir miteinander leben, wie wir mit den Schwachen in unserer Gesellschaft und in unserer Nähe umgehen, hat als biblische Perspektive auf unser Leben noch immer nichts an Aktualität verloren. Ob unserem Glauben auch Taten folgen, wird besonders von Jugendlichen kritisch beobachtet. Denn für die einen macht sich an der Suche nach einer gerechten Welt auch die Frage nach der eigenen beruflichen Zukunft fest, für die anderen bleibt sie als ethischer Wert prägend für die eigene Weltsicht. Christ sein heißt in dieser Perspektive auch, für eine gerechte Welt einzutreten. Das können auch Menschen verstehen, die dem christlichen Glauben kritisch gegenüber stehen. Die Suche nach Gerechtigkeit verbindet Menschen, und aus gemeinsamem Handeln können am Ende sogar gemeinsame Gottesdienste entstehen.
Gott auf der Spur zu sein bedeutet, dem Leben auf der Spur zu sein. Zum Leben gehören viele unterschiedliche Facetten: Freude und Trauer, Freundschaft und Liebe, Kritik und das Ringen um einen gemeinsamen Weg, Begegnung und Trennung. Allein sind wir dabei nicht. Die Aufforderung Gottes, ihn zu suchen, steht im Plural „Suchet mich“. Die Suche nach Gott kann nicht ohne andere Menschen gelingen und auch nicht achtlos am Anderen vorbei oder gegen andere. Wenn viele sich auf die Suche nach Gott machen, bei dir und bei mir, beim Nächsten und Übernächsten, dann finden nicht nur wir Leben, sondern auch die anderen.
Der Prophet Amos hatte keine multinationalen Konzerne vor Augen, sondern konkrete Menschen. Die Unübersichtlichkeit moderner Gesellschaften führt leicht zum Gefühl, als Einzelner ohnmächtig zu sein. Das Amosbuch ist dagegen eine starke Ermutigung, das Seine im eigenen Umfeld auch zu tun und selbst Verantwortung zu übernehmen. Ob wir es am Ende besser machen als das Volk Israel in der Zeit des Amos, können wir pauschal wohl nicht beantworten. Aber es gilt uns der gleiche Auftrag wie dem Volk Israel, unser Zusammenleben so zu gestalten, dass „das Recht wie Wasser ströme und die Gerechtigkeit wie ein nie versiegender Bach“ (Amos 5, 24). Das gelingt nach der Einsicht des Propheten aber nur dann, wenn wir uns auch unter die Verheißung Gottes stellen: „Suchet mich, so werdet ihr leben“ (Amos 5, 4).
Wir können trotzdem scheitern. Darum hat Jesus im Neuen Testament Buße und Umkehr gepredigt und versprochen, dass Gott uns immer wieder von neuem eine Chance einräumt, im Glauben unser Leben zu bessern und die Welt zu verändern.




