27.06.2010, 9.30-10. - Kirchengebäude ziehen uns magisch an. Sie sind Fixpunkte im Stadtbild und oft Wunderwerke der Baukunst ihrer Zeit. Kunst und Kultur vereinen sich in Ihnen mit der Architektur. An dieser Stelle erfahren Sie mehr über die Geschichte der Kirche.
Die Klosterkirche St. Georg und Maria wurde um 1150 n.Chr in nur 11 Jahren erreichtet und seither kaum verändert. Im Jahr 2003 wurde sie daher als Beispiel stilrein erhaltener Romanik und Zeugnis der Klosterkultur im Weserraum zum "Kulturgut von nationaler Bedeutung".
Die Klosterkirche Lippoldsberg ist der erste Sakralbau in Nord- und Mitteldeutschland, der vollständig eingewölbt ist, und gilt in dieser Hinsicht als beispielgebend für zahlreiche Nachfolgeprojekte. Vor allem aber besticht der hochmittelalterliche Raum durch seine Schlichtheit, die auf den klösterlichen Reformgeist des 12. Jahrhunderts zurückzuführen ist. Weder Bilder noch bunte Farben nehmen das Auge des Besuchers gefangen, allein das harmonische Maß der Architektur und das lebendige Spiel von Licht und Schatten sprechen auf ihre stille Weise. Mit dieser strengen Zurückhaltung in Bezug auf figürliche Darstellungen bricht nur der spätromanische Taufstein, der mit seinem durchaus bedeutsamen Bildprogramm im Chorraum zu bewundern ist.
Chronik der Klosterkirche Lippoldsberg
• zw. 1051 -1056 Erzbischof Lippold gründet Lippoldsberg, indem er eine erste hölzerne Kirche errichten lässt
• 1082 Erzbischof Siegfried erbaut eine steinerne Kapelle ( mutmaßliche Fundamentsreste wurden 1966 in der nördlichen Seitenapsis gefunden)
• 1089 Erzbischof Ruthard gründet das Frauenkloster oder Frauenstift
um 1093 Bau einer ersten Klosteranlage (1966 finden sich Fundamentsreste unter der Eingangshalle)
• 1100/01 Die Nonnen leisten den "Nonneneid" und es erfolgt die Umwandlung in ein Benediktinerinnenkloster der Hirsauer Reform
• 1110 – 1130 Niedergang des Klosters
• 1138 Gunther wird Probst : Reform und Beginn des Neubaus von Kloster und Kirche
• 1151 Fertigstellung des Klosterbaus und der Niederschrift des Lippoldsberger "chronicons"
• 1303 – 1312 Nach einem Brand erfolgt die teilweise Erneuerung oder wohl eher der gotische Umbau der Kirche und die erstmalige Kirchenausmalung. Der Südwestturm wird erneuert und in der Folgezeit das gotische Fenster in der Westfassade und das gotische Sakramentshäuschen angebracht
• 1310 Überfall des Klosters und Viehraub durch die Grafen Simon und Konrad von Dassel
• 1325 Errichtung eines Grabgewölbes für Graf Simon von Dassel gestorben am 1. Mai 1325; Geschlecht damit ausgestorben (Fundamentreste in der südl. Nebenapsis 1964 gefunden)
• 1331 Hostienfund in Gottsbüren und der Beginn der Wallfahrtsbewegung dorthin
• 1439 Beitritt des Klosters zur Bursfelder Kongregation
• 1462 Am 24. August erfolgt die Besetzung des Dorfes und des Klosters durch hessische Truppen
• 1507 Errichtung eines Gästehauses nahe des Turms
• 1532 Am 30. August findet eine Verhandlung in der großen "Dronse" (dem Kapitelsaal ?) des Klosters statt
• 1538 Am 11. März : Einführung des evangelischen Bekenntnisses in Hessen
• 1538 In der Folge werden keine Neuaufnahmen mehr ins Kloster gestattet. Auf weitere Zwangsmaßnahmen wird jedoch verzichtet
• 1550 Amtseinführung des ersten, evangelischen Pfarrers Arnold Boldemann oder Böllemann
• 1563 Der Klosterbesitz wird inventarisiert und es verbleiben nur noch zwei Nonnen im Konvent. Im selben Jahr wird die Propstei des Klosters abgerissen und die Steine zum Bau eines Siechenhauses an der Weser verwendet
• 1569 Die letzte Äbtissin und Nonne im Kloster Lutrudis v. Boyneburg stirbt, damit erlöscht der Konvent
• 1592 Unter Moritz von Hessen wird das reformierte Bekenntnis in Niederhessen eingeführt
• 1646 Bei einem Überfall kaiserlicher Truppen auf das Kloster wird die Wendeltreppe im Turm beschädigt
• 1652 Bau eines ersten Pfarrhauses
• 1661 Nach Sturmschäden am Kirchendach wird es erneuert
• 1667 "Ist der baufällige Kirchturm, welcher 255 Jahre stand abgebrochen und ein neuer Thurm erbauet" worden
• 1671 "Ist das eingefallene Kirchengewölbe - und zwar das 2. Gewölbe vor dem Nonnenchor - neugemachet und den anderen gleich gewölbet" worden
• 1688 Wird "ein neues Pfarrhaus aus Stein gemauert"
• 1691 Die Kirche wird im barocken Stil ausgemalt
• 1713 Landgraf Carl lässt den Westteil des Klostergebäudes in ein Jagdschloss umbauen
• 1722 Der Glockenturm wird um nach Plänen des Majors Friedrich Conradi aus Karlshafen um 14 Fuß erhöht, neugebaut und mit der heutigen Barockhaube versehen
• 1788 Bei einem schweren Gewitter werden Turm, Uhr und Orgel durch Blitzschlag beschädigt
• 1824 Bei Restaurationsarbeiten wird die Kirche neu ausgemalt (die Decke bläulich, die Seiten rötlich) und der Lettner, die Trennmauer zwischen Vierung und südlichen Querhaus, entfernt. Die Kanzel befindet sich ab diesem Zeitpunkt rechts hinter dem Altar
• 1826 Die in der Reformationszeit eingebauten Holzemporen in der Klosterkirche werden abgerissen
• 1842 Neuerrichtung des an das Querhaus anschließenden Ostflügels des Klosters weiter östlich, nachdem der ursprüngliche Bau bei einem Brand zerstört wurde
• 1861 Entfernung der ursprünglichen Südwesttür mit romanischen Löwenkopf aus Bronze
• 1862 Am 16.Oktober wird der spätromanische Taufstein der Klosterkirche als Brunnenkumpf auf dem Pfarrhof wiederentdeckt
• 1875-78 In diesen Jahren wird die Kirche in standgesetzt und im Innenraum mit neuen Malereien versehen, eine neue Kanzel und neues Gestühl eingebaut
• 1886 Die Firma Radler in Hildesheim gießt die jetzige, mittlere Glocke mit der Inschrift "O Land, Land höre des Herren Wort"
• 1903/04 Nach der Entfernung eines Misthaufens erfolgt die Trockenlegung der Nordseite des Kirchenbaus
• 1912/13 Nun wird die Staatsdomäne, die Rechtsnachfolgerin der Klosterdomäne, aufgelöst und 200 ha zur Aufteilung an die Gemeinde verkauft. Lippoldsberg umfasst zu diesem Zeitpunkt 930 Seelen
• 1913 Der Kirchturm wird neu mit Schieferplatten gedeckt, mit Kupferfahne, Löwe und Zahl versehen und die Stocksche Chronik in den Turmknauf eingelegt
• 1924 Aufhängung der in Apolda gegossenen "Gefallenenglocke"
• 1940 Ablieferung der Glocke zu Rüstungszwecken
• 1950 Aufhängung der großen Glocke mit der Inschrift: "Der Schwestern zweie sind zerschlagen..."
• 1957 -58 Umfassende Renovierungsarbeiten beginnen in der Klosterkirche: neuer Altar, neue Kanzel und neues Apsisfenster werden aufgestellt und eingebaut. Die Orgel wird vergrößert, und eine elektrische Bankheizung eingebaut. In der südlichen Seitenapsis entsteht eine Sakristei, während in der nördlichen das Gefallenengedenkbuch einen Platz findet. Die Wiedereinweihung der Kirche wird Ostern 1958 begangen
• 1958 Zur Vervollständigung des Geläuts wird eine dritte kleine Glocke angeschafft
• 1960 Das Klosterhaus wird umgebaut und dabei der westliche Kreuzgangflügel rekonstruiert
• 1964 Bei Bodenarbeiten werden die Fundamentsreste des Grabgewölbes von Graf Simon von Dassel entdeckt
• 1966/67 Einbau einer Warmluftheizung
• 1975 Es erfolgt der Einbau eines Verschlages in der Sakristei, der 2002 wieder entfernt wird
• 1984 – 1986 Die Orgel wird renoviert
• 1985 – 1986 In diesen Jahren finden Bauuntersuchungen wegen der Setzungsrisse in den Querhauswänden statt
• 1987 Einbau einer Luftbefeuchtungsanlage
• 1989 – 1991 In einem zweiten Bauabschnitt werden statische Sicherungsarbeiten vorgenommen, die Setzungsrisse verfugt und neue Regenrinnen und Fallrohre installiert. Die Außentüren werden instandgesetzt und eine Außenbeleuchtungsanlage in Betrieb genommen
• 1994 Es wird eine neue Dachsanierung notwendig
• 1998 Das Dachgewölbe wird von Schutt befreit und der Radleuchter über dem Altar aufgehängt
• 1999 Sanierungsarbeiten an den Mauerkronen und dem Dachstuhl werden vorgenommen
• 2000 Zur Jahrtausendwende wird die "Milleniumstür" östlich des Turms geöffnet, so dass ab jetzt auch eine Umrundung der Klosterkirche möglich wird
• 2002 In der südlichen Seitenapsis wird die Sakristei saniert und dann später wieder für den Publikumsverkehr zugänglich gemacht
• 2003 Der Turmeingang von außen wird durch eine Verlegung der Stromkästen wieder zugänglich
• 2003 Das "Buch des Lebens" mit den seit 1945 verstorbenen Gemeindegliedern wird aktualisiert und in der nördlichen Seitenapsis ausgelegt

