18.04.2010, 9.30-10. - Kirchengebäude ziehen uns magisch an. Sie sind Fixpunkte im Stadtbild und oft Wunderwerke der Baukunst ihrer Zeit. Kunst und Kultur vereinen sich in Ihnen mit der Architektur. An dieser Stelle erfahren Sie mehr über die Geschichte der Kirche.
Die Evangelische Christuskirche in Salzburg ist eine der ersten "richtigen" evangelischen Kirchen in Österreich.
Erst 1861 war den Protestanten in Österreich der Bau von Kirchen mit Türmen und Kirchenfenstern gestattet worden. Im Jahr 1863, zeitgleich mit der Gründung der evangelischen Gemeinde, erfolgte auch die Grundsteinlegung der Christuskirche, im Jahr 1867 war sie fertig gestellt.
Unterstützung aus Deutschland
Die damals etwa 400 Evangelischen in Salzburg hätten den Bau einer solchen Kirche nicht finanzieren können. Der Bau erfolgte mit großer Anteilnahme und Hilfe aus Deutschland. Einzelpersonen wie König Wilhelm I von Preußen, König Georg V von Hannover, Königin Maria von Bayern, Großherzogin Sophie von Weimar oder der sächsische Historienmaler Friedrich Martersteig, der eine Kunstlotterie zugunsten des Kirchbaus organisierte, trugen zum Bau bei. Auch der Gustav-Adolf-Verein, der Evangelische in Minderheitssituationen unterstützt, half.
Eisenacher Regulativ
Die Christuskirche ist ein Bauwerk im Stil des Historismus, das neugotische und neuromanische Stilelemente vereinigt.
In ihrer Grundkonzeption folgt sie den Vorschriften des "Eisenacher Regulativs", einer damals aktuellen Bauordnung für den Evangelischen Kirchenbau in Deutschland.
Ihr Äußeres und Inneres ist im Wesentlichen im Originalzustand bis heute erhalten, lediglich die originale Innenbemalung ist nicht mehr vorhanden und die zentralen Glasfenster der Apsis wurden im zweiten Weltkrieg zerstört.
Die neuen Glasfenster waren abermals eine Stiftung, diesmal des amerikanischen Colonel R.C. Lutz, in der Nachkriegszeit Stadtkommandant von Salzburg. Sie wurden vom Salzburger Künstler Albert Birkle 1952 fertiggestellt.
Das mittlere Fenster zeigt Christus als den guten Hirten, das linke den Apostel Petrus vor dem himmlischen Jerusalem und das rechte den Evangelisten Johannes mit dem Adler. Die kleinen rechteckigen Fensterfelder unten rechts und links erinnern an die historische Vertreibung der Evangelischen aus dem Land Salzburg im Jahr 1732.
Architektonisch erwähnenswert ist die schöne neugotische "Hammerbalkendecke" im Stil englischer Gotik, die der Kirche eine ausgezeichnete Akustik verleiht.
Die evangelische Pfarrgemeinde Salzburg war die erste evangelische Gemeinde der heutigen Superintendenz Salzburg-Tirol und die Pfarrgemeinde Salzburg Christuskirche ist bis heute die größte evangelische Gemeinde im westlichen Österreich.

