Die Geschichte der Anstaltskirche der JVA Bautzen

13.06.2010: ZDF-Gottesdienst Bautzen

Blick zum Altar der Anstaltskirche der JVA Bautzen, der 1992 renoviert wurde. Foto: JVA Bautzen

13.06.2010, 9.30-10. - Kirchengebäude ziehen uns magisch an. Sie sind Fixpunkte im Stadtbild und oft Wunderwerke der Baukunst ihrer Zeit. Kunst und Kultur vereinen sich in Ihnen mit der Architektur. An dieser Stelle erfahren Sie mehr über die Geschichte der Kirche.

Kirchenportal als Haupteingang

Die Kirche wurde – wie die gesamte Anstalt – 1904 geweiht. Bautzen war damals königlich-sächsische Strafanstalt und galt als eines der modernsten Gefängnisse.
Die Kirche befindet sich in der Mitte des kreuzförmig gebauten Hafthausbreiches im 1.Stock.
Das Kirchenportal ist auch heute noch der Haupteingang für die meisten Mitarbeiter, da es zum Nordflügel, dem heutigen Funktions- und Verwaltungsbereich führt.

Einzige intakte Anstaltskirche

Ursprünglich war die Kirche im Jugendstil ausgestattet und war zugleich Parochialkirche für die evangelische Beamtengemeinde, wurde aber schon immer für beide großen Konfessionen genutzt. Der Kirchenraum ist 25 Meter lang, 15 Meter breit und 16 Meter hoch – also sehr groß für eine Anstaltskirche und bietet fast 660 Sitzplätze, die treppenförmig angeordnet sind.
Heute ist sie die einzige intakte Kirche innerhalb der sächsischen Vollzugsanstalten.

Orgel leider ohne Innenleben

In der DDR-Zeit wurde sie hauptsächlich als Kinosaal genutzt und deshalb auch verändert: Einige Bankreihen wurden für den Einbau der Kinovorführtechnik entfernt, der hohe Kanzelaltar, das Taufbecken, die beiden Altaremporen, sowie die Jugendstilausstattung beseitigt. Auch die Buntverglasung der acht großen Rundbogenfenster sowie das „Innenleben“ (der Motor und die meisten Zinnpfeifen) der großen Schusterorgel sind verschwunden.
Trotzdem sind wir dankbar, dass der sakrale Charakter weitestgehend erhalten blieb.

Singen als Überlebenskraft

In der Zeit als die Anstalt sowjetisches Speziallager war erinnern sich manche an übervolle Gottesdienste, auch in den 50er Jahren. Damals gründete sich ein Gefangenenchor von politischen Häftlingen, für die das gemeinsame Singen geistlicher Chormusik zur Überlebenskraft in dieser Zeit wurde. Noch heute treffen sich die nun alt gewordenen Männer in dankbarer Erinnerung, dass Gott ihnen die Kraft geschenkt hat, diese schlimmen Jahren überstanden zu können.

Nach 1990 brach mit der friedlichen Revolution auch für den Strafvollzug eine neue Zeit an.
1992 wurde die Kirche in schöner Schlichtheit renoviert.

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