Religion für Einstei - Nicht nur muslimisch, sondern auch christlich geprägte Staaten tun sich mit Todesurteilen und Exekutionen unrühmlich hervor. Das biblische Tötungsverbot hat sich noch keineswegs durchgesetzt.
Es war der erste Tag des muslimischen Opferfestes. Am 30. Dezember 2006, morgens um sechs Uhr, starb Saddam Hussein durch den Strang. Bekleidet mit einem weißen Hemd und einem schwarzen Mantel, an den Händen gefesselt, trat der 69-Jährige sehenden Auges vor den Galgen. Der irakische Ex-Diktator war umgeben von maskierten Männern. Die legten ihm zuerst ein schwarzes Tuch um den Hals, dann die Schlinge. „Er starb sofort", sagte später ein irakischer Regierungsvertreter. „Er zitterte nicht. Er wirkte ruhig und gefasst."
Die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) und der Vatikan kritisierten Todesurteil und Exekution. Der Vatikan verurteilte, dass „ein Verbrechen mit einem anderen Verbrechen bestraft" werde. Der EKD-Ratsvorsitzende, Bischof Wolfgang Huber, betonte, „die Todesstrafe sei keine angemessene Form staatlichen Strafhandelns". Zum Rechtsstaat gehöre der Verzicht auf die Todesstrafe. Deutliche Kritik kam auch von Amnesty International wie auch vom Europarat, der die Exekution als „grausam und barbarisch" bezeichnete.
Tatsache ist: Auch christlich geprägte Staaten verhängen Todesurteile und lassen exekutieren. Schließlich waren es amerikanische Sicherheitskräfte, die Saddam Hussein kurz vor der Exekution an die irakischen Behörden übergaben, wohl wissend, was ihn erwartete. Und es war der amerikanische Präsident George W. Bush, der sich bisweilen als geläuterten Christen bezeichnet, der die Exekution als Meilenstein auf dem Weg zu einem demokratischen Irak bezeichnete.
Das fünfte Gebot
Das aus den Zehn Geboten der Bibel bekannte Tötungsverbot hat sich also keineswegs durchgesetzt, auch nicht unter Christen. Im Jahr 2005 entfielen 94 Prozent aller Hinrichtungen weltweit auf vier Staaten: China, Iran, Saudi-Arabien und USA. Es wurden mindestens 2148 Menschen in 22 Staaten hingerichtet. An der Spitze stand zwar China mit mindestens 1770 Exekutionen. Doch in amerikanischen Todestrakten sitzen 3400 Menschen und warten auf die Hinrichtung. 1999 war dort ein Jahr mit besonders vielen Exekutionen: fast 100.
Anders als die Kirchen Europas sind jene in Amerika in ihrer Einstellung zur Todesstrafe gespalten. Während zum Beispiel die meisten evangelikalen Christen rechtskonservativ sind und mehrheitlich für die Todesstrafe eintreten, haben die römisch-katholische und die Evangelisch-Lutherische Kirche in Amerika (ELKA) die Todesstrafe geächtet. Bemerkenswert aber auch: Der katholische Weltkatechismus von 1992 rückt erst seit seiner Neuauflage von 2003 deutlicher von der Todesstrafe ab. Diese war übrigens erst im Jahr 1969 im Vatikanstaat per Gesetz abgeschafft, 2001 auch aus dessen Verfassung gestrichen worden. Das war schon lange überfällig, war doch das letzte Todesurteil im Kirchenstaat im Jahr 1870 vollstreckt worden.
Keine Chance für Reue und Neubeginn
Die überwiegende Mehrheit der christlichen Kirchen benennt heute gleich mehrere Gründe, warum Todesurteil und Exekution nicht zu rechtfertigen sind. Unmittelbar einleuchtend ist dieses Argument: Eine Exekution kann nicht revidiert werden. Urteile können aber Fehlurteile sein, wie das seinerzeit viel diskutierte Urteil im Verfahren gegen Anthony Porter aus dem amerikanischen Bundesstaat Illinois, bei dem die Aufdeckung falscher „Beweise" und skrupelloser Prozessabsprachen dazu führte, dass er nach 16 Jahren Haft im März 1999 als Unschuldiger aus der Todeszelle entlassen werden musste.
Eine Exekution verschließt dem Delinquenten außerdem jede Möglichkeit, Reue zu üben, den angerichteten Schaden wiedergutzumachen und sein Leben neu zu beginnen. Das christliche Menschenbild geht immer von der Möglichkeit aus, dass sich Menschen positiv verändern. Schließlich: In Judentum und Christentum gilt jeder Mensch als Abbild Gottes. Jeder Einzelne hat einen unersetzlichen Wert. Das ist auch der Grund, weshalb die katholischen Bischöfe Amerikas die Todesstrafe als eine Gotteslästerung verstehen: eine Beleidigung dessen, der die Menschen geschaffen hat.
Normalerweise gedenken Muslime am Opferfest der Rettung eines Menschenlebens. Es geht um die aus der Bibel bekannte Geschichte Abrahams. Er war dabei, seinen Sohn auf dem Altar zu opfern. Aufgrund von Gottes Einspruch ließ er ihn leben. Ein solches Verhalten gegenüber Saddam wäre wahrlich eine große Geste gewesen.
Religion für Einsteiger ist eine Serie im evangelischen Monats-Magazin chrismon, in der Theologen einfache Fragen zur Religion einfach beantworten. Die gesamte Serie gibt es natürlich im gedruckten Magazin, aber auch auf der Internetseite von chrismon.





Kommentare
todsesstrafe
ich bin christin-meine meinung ist gott gibt leben und e r ist der einzige der leben nehmen d a r f...ich schreibe seid mehr als 10 jahren einem lebenlänglich verurteilten in der usa-mein brieffreund war bis vor einigen monaten in der todeszelle--indieser zeit gingen wir durch dick und dünn.....es müssten sich mehr menschen auf der ganzen welt um inhaftierte kümmern......diese werden oft von ihren familien fallen gelassen...... .....wir christen sind verpflichtet anderen menschen zuhefen -ein aufruf an alle christen der welt denkt immer daran was j e s u s tun würde.----in jesus verbunden eine christin
RE: Was halten Christen von der Todesstrafe?
Zunächst möchte ich bemerken, dass ich gegen die Todesstrafe bin. Ich finde dass ist einer der Ethik-Punkte wo ich dafür oder dagegen sein kann. Ich habe mich vor Jahren auch schon intensiv damit beschäftigt, ich kann bei schweren Verbrechen den Ruf nach dieser Art von Vergeltung gut verstehen. Es gibt gute Gründe dafür und bessere Gründe gegen die Todesstrafe. Vor allem wie das in Amerika gehandhabt wird, ist das stellenweise problematisch.
2000 Jahre war der Vollzug der Todesstrafe gängiges Gedankengut in der Kirche, mit der zunehmenden Demokratisierung in Europa nach dem zweiten Weltkrieg ist man aber immer mehr davon abgekommen, und das war eine erfreuliche Entwicklung.
Gruß HB
HB
RE: Was halten Christen von der Todesstrafe?
Ich muss sagen, dass ich bei diesem Thema zwiegespalten bin. Zum Einen weiss ich sehr wohl um die Gefahr von Fehlurteilen, ich weiss um die Folgen der Todesstrafe. Dieses Risiko führt dazu, dass ich im Prinzip die Todesstrafe ablehne.
ABER:
Wie ist das in Fällen, in denen die Schuld eindeutig ist? Ich berühre hier z.B. die Frage des Tyrannenmordes, die Todesurteile der Nürnberger Prozesse und vergleichbare Vorgänge. Es gibt Fälle, wo ich - so unchristlich es klingen mag - die Todesstrafe befürworte oder befürwortet hätte. Pol Pot, die Verbrecher des Dritten Reiches, Idi Amin, Josef Stalin - hier wäre jede andere Strafe ein Verbrechen gegen die Opfer.
Dasselbe gilt für mich in manchen anderen Fällen: Ein Drogenbaron wie z.B. Pablo Emilio Escobar, der durch seine Verbrechen Millionen von Menschen ins Elend getrieben hat, ist für mich ein Massenmörder - und im Gefängnis konnte er seine Verbrechen ohne Probleme fortführen.
Nein, für mich gibt es auf diese Frage keine einfache Antwort. Ein einfaches "Nein!" ist genauso platt wie ein einfaches "Ja!" und genauso wenig christlich.
RE: RE: Was halten Christen von der Todesstrafe?
Ich lehne die Todesstrafe aus drei Gründen ab:
1. Ich bin der Meinung, daß der Mensch unter keinen Umständen das Recht hat, einen anderen Menschen zu töten.
2. Das Risiko, einen unschuldigen Menschen zu töten, kann man keinesfalls eingehen. Die Erfahrungen in den USA sprechen hier Bände.
3. Ganz praktisch gesehen: In einer interessanten TV-Doku zu diesem Thema wurden Todeskandidaten befragt. Sie sagten, daß sie froh sind, daß sie bald ihr verpfuschtes Leben hinter sich haben. Sie bestätigten, daß sie durch eine lebenslange Haft eher abgeschreckt worden wären. Das zeigt, daß die Todesstrafe kaum eine Abschreckungswirkung entfaltet. Ich bin deshalb eher dafür, daß bei Kapitalverbrechen ab der 2. Tat wirklich lebenslang verhängt wird, damit meine ich Haft bis zum Tod.