Religion für Einsteiger - "Wahre Liebe wartet" - unter dieser Parole kämpfen christliche Teenager und Twens in Amerika und Europa gegen die eigene Lust auf Sex vor der Ehe. Sie geloben feierlich: „Durch die Gnade Gottes verpflichte ich mich ab heute vor Gott, vor mir selbst, meiner Familie, meinen Freunden und meinem zukünftigen Ehepartner, bis zum Tag meiner Heirat sexuell rein zu bleiben!"
Manche tun's öffentlich, heften unterschriebene Karten mit diesem Text an Pinnwände. Andere dieser Zeitgeist-Verweigerer haben nur einen Adressaten für ihre Aktion: sich selbst, sie stecken die Karte in die Schublade, vertrauen ihren Schwur höchstens dem Tagebuch an. Einige kirchliche Jugendorganisationen unterstützen die Kartenaktion.
Junge Liebe ohne Sex - warum? Die Jugendlichen verweisen auf die Bibel. Aber die gibt an Begründungen für strenge Enthaltsamkeit wenig her. Sex im heutigen Sinne war für die Altvorderen kein Thema. Der Kult um die lustvolle, selbstbestimmte körperliche Begegnung zweier erwachsener Menschen interessierte die biblischen Erzähler nur am Rande. Nämlich dann, wenn jemand aus Lust die für das Zusammenleben der Sippe wichtigen Regeln verletzte.
Entschädigung für eine entjungferte Braut
So heißt es im zweiten Buch Mose sinngemäß: Wenn jemand eine Jungfrau, die noch nicht verlobt ist, verführt und mit ihr Geschlechtsverkehr hat, so soll er den Brautpreis zahlen und sie heiraten. Falls der Vater der Frau ihn aber als Schwiegersohn ablehnt, hat er den Brautpreis abzuliefern und die Sache ist erledigt.
Es ging im alten Israel also nicht um Gefühle und Anstand und „Moral", sondern um eine wirtschaftliche Angelegenheit. Die entjungferte Braut hatte auf dem Heiratsmarkt keine Chancen mehr. Dafür musste die Familie finanziell entschädigt werden.
Unsere moderne Ehe kennt das Alte Testament nicht. Zwar heißt es im sechsten Gebot in der deutschen Übersetzung: „Du sollst nicht ehebrechen." Aber wo in der Bibel heute „Ehe" steht, geht es in der Sache vor allem um „Familie" oder „Haus". Und an der Spitze des Hauses stand der Mann. Töchter und Ehefrauen waren sein Eigentum. Als lebenslange, verlässliche Beziehung gewinnt die Ehe erst im Neuen Testament Gestalt. Am stärksten wirkt bis heute das im Matthäusevangelium überlieferte Wort Jesu gegen die Ehescheidung: „Was nun Gott zusammengefügt hat, das soll der Mensch nicht scheiden" (19,6).
Für Luther ist die Ehe ein "weltlich Ding"
Der Apostel Paulus vergleicht die Ehe im Brief an die Epheser mit der Beziehung zwischen Christus und der Gemeinde (5,32). Damit erhielt sie den hohen Stellenwert, der sie für die römisch-katholische Kirche zum Sakrament macht. Dem Reformator Martin Luther erschien die Ehe als „weltlich Ding". Zugleich bleibt sie auch für Protestanten klares Leitbild für partnerschaftliche Beziehungen.
Für das gängige Bild von sündigem Sex und Fleischeslust hat vor allem der antike Kirchenlehrer Augustin (354-430) gesorgt. Augustin meinte, dass die „Ursünde" von Adam und Eva durch den Geschlechtsakt von Generation auf Generation vererbt werde. Daraus entwickelte sich die Auffassung, dass körperliche Lust keinen Wert habe. Sie könne allenfalls in der Ehe als Mittel zum Zwecke der Fortpflanzung geduldet werden.
Für die zentrale Veränderung im Umgang mit Sex sorgte die Pille in den sechziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts. In der damit einhergehenden „sexuellen Revolution" konnte sich die Lust zweier Menschen vom Gedanken der Fortpflanzung vollständig lösen. Dass sexuelle Freiheit nie risikolos ist, wurde der westlichen Welt unter dem Schock von Aids seit Mitte der 80er Jahre auf neue Weise bewusst.
Waren die Erfahrungen mit Aids zentraler Auslöser für die Kampagne „Wahre Liebe wartet"? Schon möglich. Die von jungen Gläubigen der konservativen Southern Baptist Church in den USA gegründete Bewegung versteht sich jedoch in erster Linie als Aktion der moralischen Erneuerung aus einem christlichen Impuls heraus.
Sexuelle Freiheit zwischen Lust und Last
Und auch wenn sich in der Bibel nur schwer Belege für ein striktes Nein zu vorehelichem Sex heute finden lassen, verdient die Aktion Respekt. Denn Jugendpsychiater haben festgestellt: Die in der Konsumgesellschaft propagierte grenzenlose sexuelle Freiheit ist für viele Jugendliche mehr Last als Lust und setzt sie unter großen Druck.
Christen bleiben gerade angesichts dieser Freiheit dem verantwortungsbewussten und aufrichtigen Umgang mit der Gottesgabe der Lust verpflichtet. Und vor allem gilt: Niemand darf andere zu Objekten seiner Triebe machen, darf sie ihrer Würde berauben, sie demütigen und zu sexuellen Handlungen zwingen oder sie körperlicher und psychischer Gefahr aussetzen.
Sex als freiwillige, respektvolle Begegnung zweier Menschen - das ist für Christinnen und Christen eine unaufgebbare Konsequenz der Vorstellung, dass wir Gottes Ebenbilder sind (1. Mose 1,27).
Religion für Einsteiger ist eine Serie im evangelischen Monats-Magazin chrismon, in der Theologen einfache Fragen zur Religion einfach beantworten. Die gesamte Serie gibt es natürlich im gedruckten Magazin, aber auch auf der Internetseite von chrismon.





Kommentare
Ist Sex vor der Ehe erlaubt?
In alttestamentarischen Zeiten galt als Heiratsalter für Jungen 13 Jahre, für Mädchen 12 Jahre. Es gab also zwischen Pubertät und Heirat überhaupt keinen Zeitabstand. Infolgedessen war die Frage, ob Sex vor der Ehe eine Sünde sei, gar kein Problem. Das hat sich in unserer Zeit grundlegend geändert. Geheiratet wird überwiegend im dritten oder vierten Lebensjahrzehnt, so dass ca. eineinhalb Jahrzehnte zwischen Pubertät und Heirat liegen. Wie sollen die jungen Menschen 15 Jahre lang ihre Sexualität ausleben? Da gibt es nur zwei Möglichkeiten: Entweder Enthaltsamkeit bis zur Eheschließung (das praktizieren fundamentale Christen) oder Sammeln von sexuellen Erfahrungen in dieser Zeit. Die römisch-katholische Kirche verlangt Ersteres, muss jedoch zur Kenntnis nehmen, dass die große Mehrheit ihrer Schäfchen nicht auf vorehelichen Sex verzichten will.
"Und auch wenn sich in der
"Und auch wenn sich in der Bibel nur schwer Belege für ein striktes Nein zu vorehelichem Sex heute finden lassen, verdient die Aktion Respekt."
Das ist völlig falsch! Wenn der Autor sich einmal die Mühe gibt, nach "Unzucht" allein im NT zu suchen, dann wird er schnell erkennen, dass mit Unzucht jeder sexuelle Kontakt außer der Ehe genannt ist. Ich wiederhole: JEDER! Dies Aussage ist komplett irrig und fehlgeleitet.
"Die Feiglinge aber und die Ungläubigen und mit Greueln Befleckten und Mörder und Unzüchtigen und Zauberer und Götzendiener und alle Lügner — ihr Teil wird in dem See sein, der von Feuer und Schwefel brennt; das ist der zweite Tod." (Offenbarung 21,8)
Die Bibel sagt hier und an vielen (!) anderen Stellen deutlich und ganz klar, dass uneinsichtige "Unzüchtige" die ewige Verdammnis erben werden, wenn sie nicht büßen und von der Unzucht lassen. Wie kann man also auf den Schluss kommen, die Bibel hätte dazu keine klaren Worte? Im Endeffekt ist dies wahrscheinlich wieder eine Konsequenz der historisch-kritischen Theologie, welche das Wort Gottes verwässert und eine platte Morallehre aus Menschensicht zurecht zimmert und anstatt auf Gott auf den eigenen Menschenverstand und auf Menschenwort vertraut ("Sex als freiwillige, respektvolle Begegnung zweier Menschen" - das ist kein Christentum, das ist weltlicher Humanismus; das könnte in jeder zweitklassigen Illustrierten so beschrieben stehen). Es ist schwer verwerflich, Gottes Willen zu verdrehen, und das gebe ich dem Autor an sein Gewissen: "Denn wir sind nicht wie so viele, die das Wort Gottes verfälschen, sondern aus Lauterkeit, von Gott aus reden wir vor dem Angesicht Gottes in Christus." (2. Kor. 2,17)
Was ein quatsch
Schön das du die Bibelstellen rausgesucht hast. Jedoch ist das so wie du es beschreibst auch wieder alles nur Auslegungssache und ich finde nicht dass man dem Author dafür verurteilen sollte. Wenn sex so eine Sünde ist, dann frage ich mich warum mir Gott das nicht zu verstehen gibt, denn ich bin in einer glücklichen Beziehung, bin selber Christ und sehr aktiv in der Gemeinde und unterstütze sogar ehrenamtlich unseren Jugendkreis... Ich finde das man unseren Glauben nicht zu stark in das Thema Liebe, Sex und Zärtlichkeit einbringen sollte und man abunzu auch einfach mal Mensch sein darf.. Jeder erwachsene Mensch sollte das ab einen gewissen Punkt selber entscheiden und danach auch keinen Sünden-stempel auf die Stirn verpasst bekommen .... Und ich weis dass viele Christen mittlerweile die Sache ähnlich sehen wie ich, weil eine Ehe zeichnet sich nicht nur darauf aus, dass man sich liebt und gut versteht, da gibt es noch viele andere Sachen, die für das ewige Bündnis gegeben sein müssen. Ich denke das sieht Gott genau so. Ich finde es eher verwerflich, das wenn manche Ehen zur Brüche gehen, weil man mal vorher gewisse Zärtlichkeiten vorher nie ausprobiert hat. Vom Händchenhalten ensteht keine richtige Liebe, sondern Gefühle enstehen auch unter anderem durch Zärtlichkeiten.. (damit meine ich jetzt nicht nur Sex) Was glaubst du würde Gott besser finden? Eine kaputte Ehe nach ner kurzen Zeit aufgrund von purer naivität und realitätsfremdheit oder dann lieber die Probe vor dem ewigen Bündnis?? Wir leben in 2012 ;-)
Auch wenn das leider nicht
Auch wenn das leider nicht mehr die aktuellste Diskussion ist, bin ich doch gerade auf der Suche nach "Antworten" bzw. Meinungen zu dieser Frage.
Und ja, es ist in der Tat eine außerordentlich schwere Frage. Wobei ich finde, dass in der Dikussion sehr wichtige Punkte angesprochen werden. Zum Beispiel die Frage, wer denn "die Jugend" auf Sexualität vorbereitet. Leider sind dies zumeist die Medien und die Ergebnisse sind oft nicht die gewünschten.
Verbote bewirken auch in meinen Augen eher das Gegenteil von dem was sie intendieren; eine sinnvolle intensive Auseinandersetzung und Vorbereitung mit dem/auf das Thema sind da wahrscheinlich deutlich angebrachter!
Niemand darf andere zu Objekten seiner Triebe machen
Wenn ich mir die modischen Auswirkungen der letzten Jahre anschaue, dann muß ich ganz klar sagen: Hier wird jeder zum Objekt der Triebe des Gegenübers, wenn er diese Mode mitmacht. Niemals haben sich junge Menschen so sexy gekleidet, wie in den letzten Jahre. Damit werden nicht nur Gleichaltrige angesprochen, sondern auch wesentlich ältere gesunde Menschen dürften sich diesen sexuellen Signalen schwer entziehen können.
Ich finde nichts Verwerfliches an einer Schmusebeziehung zwischen jungen Menschen. Wenn es dabei zum Geschlechtsverkehr kommt, wäre es mit Sicherheit von Vorteil, wenn die Jugendlichen über Verhütung und Aidsprävention Bescheid wüssten. Das bietet im übrigen jeder Frauenarzt an!
Aufgestautes Triebverhalten kann mit Sicherheit Verhehrendes anrichten! Schlimm wird es, wenn - insbesondere Jungen- die Jugendlichen von ihrem begehrten Gegenüber abgelehnt und von daher bei den Gleichaltrigen nicht für voll genommen werden! Das bedarf unbedingter Aufarbeitung!
Ich denke, wer die Chance hat, in jungen Jahren eine Liebesbeziehung mit Körperkontakt( egal wie weit) zu führen, wird später ein wesentlich zuverlässiger Ehepartner, auch deutlich ausgeglichener! Das heißt nicht, dass er seine Jugendliebe heiraten sollte! Wenn es denn doch dazu kommen sollte, halte ich das für äußerst zauberhaft!
Hi Ännchen, deinem Beitrag
Hi Ännchen,
deinem Beitrag kann man eigentlich nur zustimmen, mit einer Ausnahme. Meiner Ansicht nach haben sich die Menschen Ende der 80er, Anfang der 90er Jahre viel sexier gekleidet als heute. Es gab durchsichtige Blusen und nix drunter, Männer hatten noch Shorts, teilweise trugen Frauen nur BHs unter einer Jeans- oder Lederjacke. Im Freibad war "Oben ohne" noch etwas ganz normales - heute kaum mehr anzutreffen. Die Jungs/Männer trugen im Freibad noch knappe Badehosen und keine alles verdeckenden Bermudas so wie heute. Nein, ich kann dir in dem Punkt nicht zustimmen. Die Jugend heute kommt mir recht verklemmt vor.
Saludos,
El Duendecillo
Gerade der Bh-lose Busen
Gerade der Bh-lose Busen sollte doch ein deutliches Signal für die Emanzipation der Frau sein.
Ich bin Generation oversized und trage das auch heute noch. Es hat den Vorteil, das nichts einengt und man gefahrlos 2-5 kg zunehmen kann, ohne aus den Textilien zu platzen.
Ebenso kann man auch 2-5 kg abnehmen, ohne gleich schlampig auszusehen. Meine Generation trug Parka, Öljacke, weite Sweats, T-shirts und Indienblusen. Die Jeans bedeckten den Hintern und gingen mindest bis zum Bauchnabel! Das war rebellisch, aber nicht sexistisch. Wir waren nicht tätowiert, gepierct und an den Füßen trugen wir boots oder Entenschuhe, keine stilettos! Im Sommer gingen wir meist barfuß! Im Winter trugen wir Rollkragen- oder Norwegerpullis, Arbeiterlatzhosen oder auch Indienröcke. Sexy war das nur bedingt. Wir trugen auch noch Bikinioberteile. Oben ohne durfte man nicht ins Schwimmbad!
Zu: "Ist Sex vor der Ehe eigentlich erlaubt?"
Wenn Kinder auf ihrem Weg ins selbständige Leben vorbereitet werden, lernen sie sich anzuziehen, auf die Toilette zu gehen, sich das Brot selbst zu schmieren, die Schuhe selbst zu binden, ihre Kleidung zu wählen.....
später lernen sie mit Geld umzugehen, wenn sie Taschengeld bekommen, sie lernen rechnen, lesen, schreiben,
dann lernen sie, wie man selbst einen Beruf ausübt, wie man sich selbst versorgt.....
und wann und wie lernen wir Menschen mit der eigenen Sexualität umzugehen?
Und wer bietet da gute Begleitung oder Hilfe, wer ist da ein kompetenter Berater ???
Diese Frage habe ich mal mit dem Eingangstext auf einer Jugendfreizeit gestellt, das Thema hieß: "Kann denn Liebe Sünde sein?"
Der intimste Bereich ist leider auch der am meisten Tabuisierte auch und gerade in kirchlichen Kreisen.
Leider wird wohl immer noch in diesen extremen Forderungen "Bloss kein Sex vor der Ehe!" gelebt.
Ich denke: Sexualität und der Umgang damit gehört gelernt. Und zwar auch vor der Eheschließung.Dabei muss es ja nicht immer bis zum Koitus kommen. Aber die Erfahrungen und das "Üben" (zum Beispiel beim Essen zu bereiten oder beim Sport oder beim Referat halten ) machen uns schließlich auch sicher und "kompetenter". Wenn ein Mensch erst in der Ehe feststellen kann, dass keiner oder nur einer sexuelle Erfahrungen sammeln konnte, wird das wahrscheinlich ziemlich öde und unlustig enden. Obwohl es vielleicht auch spannend sein kann, wenn man viel zu entdecken hat, ja. Die Frage ist nur, wie haben die Partner bisher gelernt darüber auch offen zu sprechen bei so viel "Tabu!" und die dadurch erzeugten Ängste.
Sexualität und sexuelle Gefühle gehören von Anfang an zum Leben, wie das Lachen und das Weinen auch.
Gerade in Jugendjahren (die genau dafür da sind etwas "auszuprobieren" sich kennen zu lernen sich vorzubereiten - immer im Blick auf den hier schon oft kommentierten gegenseitigen Respekt und in einem Raum der Freiwilligkeit und im liebevollen Umgang) sexuelle Erfahrungen sammeln.....was soll daran bitte falsch oder sündhaft sein.?
Wir sollten uns alle lieber mal damit beschäftigen, wie wir unseren Nachkommen einen gesunden Umgang mit der Sexualtiät lehren können. Und dafür müssen wir wahrscheinlich erst mal tief graben um unsere Wunden und Tabus heilsam zu versorgen....dann können wir unsere Erfahrungen jedenfalls gesünder eben anders weitergeben.
Verbote sind meistenns nur ein "Schuss nach hinten" ....in die falsche Richtung....das wird dann vermutlich ein Eigentor......
Letztlich gilt es dem eigenen Gefühl zu vertrauen und gleichzeitig den Partner dabei mit seinen Gefühlen ernst nehmen.
Dazu muss man aber gelernt haben mit Gefühlen umzugehen, sie zu benennen und sie zu respektieren!
Da schließt sich der Kreis dann wieder.
Mit segensreichen & hoffnungsfrohen Grüßen
Anke Mörsch
Interessanter Kommentar!
Da bin ich beim Stöbern im Kompass (ein Gerät, dass Orientierung erleichtern soll) auf Deinen Kommentar gestoßen, der, wenn auch kürzer, m.E. inhaltlich wohltuend über den eigentlichen Artikel hinausgeht.
Zunächst mal zu dem Artikel selbst. Bedauerlicherweise geht der Autor, Reinhard Mawick, auf die Thematik der Überschrift gar nicht ein. Er wägt weder ab noch spitzt er zu. Der "Aufmacher" scheint lediglich dazu zu dienen, eine bestimmte "Bewegung" ins Blickfeld zu rücken. Und auch hier fehlt eine differenzierte Information, was von dieser "Bewegung" denn nun vertreten wird! Nicht einmal ein Link (Verweis) auf entsprechende Seiten, um sich selbst Hintergrundinfos zu beschaffen, ist vorhanden!?
Zu Deinem Kommentar, D´Anke!
).
Wenn Du schreibst,
"Sexualität und der Umgang damit gehört gelernt. Und zwar auch vor der Eheschließung."
"Sexualität und sexuelle Gefühle gehören von Anfang an zum Leben, wie das Lachen und das Weinen auch."
"Wir sollten uns alle lieber mal damit beschäftigen, wie wir unseren Nachkommen einen gesunden Umgang mit der Sexualtiät lehren können."
dann stimme ich Dir gern zu. Ich vermute auch, dass Du sehr wohl weißt und vertrittst, dass Sexualität "Bandbreite" hat und sich nicht nur auf "Beischlafen" beschränkt. Aber genau das vermisse ich in Deiner Kommentierung. Jedenfalls in einer klareren Stellungnahme, welche "Übungsfelder" Du für "angemessen" hälst! Du deutest zwar an, "Dabei muss es ja nicht immer bis zum Koitus kommen" aber das ist mir persönlich etwas zu wenig (was Dich nicht stören muss....
Ich gehe mal davon aus, dass "Kirche" sich um dies Thema "kümmern" sollte und dies auch tut! Du z.B. auf einer Jugendfreizeit (ich nehme einfach mal an, dass es eine kirchliche war..). "Kritiker" der Kirchlichen "Sexualmoral" scheinen oft nicht wirklich über "Verlautbarungen" informiert zu sein und leiten dann einfach mal frühere Stellungnahmen in eine "eigene Wahrheit" ab.
Du hast also geschrieben, dass es nicht immer gleich bis zum Koitus gehen müsse! Gut!
In der Öffentlichkeit erscheint es mir so, dass Sexualität und Beischlaf gleichgestzt gesehen werden. Über all die "anderen Bestandteile" von Sexualität, die genau dann beginnt, wenn aus Sympathie ein deutliches "sich hingezogen fühlen" wird, wenn ein Gefühl von Intimität, in Blicken und Gesten entsteht, wird nicht geschrieben/geredet!
Und ganau dort beginnen für mich die Trainingsfelder. In Paartherapien habe ich oft feststellen können, dass es kein Mangel an sexuellen Erfahrungen (in Form von körperlichen "Techniken") war, die zu Irritationen oder Konflikten in Partnerschaft und Ehe führten, sondern eher, dass die Atmosphäre fehlte, in die eine körperliche Verbindung eingebettet sein muss, damit Beischlafen nicht zur Sexualgymnastik degeneriert! Das Kamasutra vermittelt keine Fähigkeit zur Nähe, zum sich fallenlassen/aufgeben und zum "den anderen aufnehmen" (letzteres bezieht sich nicht nur auf die Frau!).
Daher geht mir Dein Satz, "Letztlich gilt es dem eigenen Gefühl zu vertrauen und gleichzeitig den Partner dabei mit seinen Gefühlen ernst nehmen.", auch nicht weit genug! Für mich geht es darum, auch in den Gefühlen des Gegenübers "zu sein". Wer dies "langsam und vorsichtig", oder besser "für beide achtsam" zuläßt (nicht trainiert....), der eröffnet für sich Sexualität als einen Bestandteil von liebender Beziehung. Bestandteil, nicht Grundlage!
Ich hoffe, Du empfindest meinen Kommentar nun nicht als Kritik Deiner Worte, sondern als Versuch einer Ergänzung!
Gottes Segen für Dich und insbesondere für Deine Arbeit mit jungen Menschen!
Der nun einzige
Gast
(Nachdem evengelisch.de sich zur Abkappselung entschieden hat...)
RE: Ist Sex vor der Ehe eigentlich erlaubt?
Es ist aus meiner Sicht etwas schade, dass hier die Chance verpasst wurde, aus evangelischer Freiheit einen gelassenen Umgang mit Sexualität zu finden. Es ist schade, dass die wunderbaren Seiten der Sexualität so kurz kommen, die gefährlichen Seiten so in den Vordergrund geschoben werden. Die Liebe, die Lust, die Körperlichkeit, all das Schöne, Verbindende, Menschliche, das Spielerische, Abenteuerliche, all das hat keinen Platz. Ein armer Artikel, der seine Mutlosigkeit und seinen emotionalen Stumpfsinn hinter gewundenem Streben nach politischer Korrektheit und halbherziger Klügelei zu verstecken sucht.
Sex gehört einfach in die
Sex gehört einfach in die Ehe, dort kann man gemeinsam mit seinem Ehepartner die schönen Seiten der Sexualität auskosten. Natürlich ist Sexualtität was schönes, aber wohl nur im Rahmen der Ehe.
RE: RE: Ist Sex vor der Ehe eigentlich erlaubt?
Ich pflichte dem Eindruck "Ein armer Artikel" und "gewundenes Streben nach politischer Korrektheit" ganz und gar bei und möchte Letzteres ein wenig erläutern. Die EKD betreibt zur Zeit aus politischen Interessen einen Schmusekurs mit dem evangelikalen Lager und macht dabei fundamentalistische Positionen hoffähig. Diese ganze Bibelkramerei nach Ge- oder Verboten insbesondere zum Thema Sexualität wird weder der Bibel gerecht noch einem ernsthaften ethischen Diskurs. Dieselbe dumpfe Gesetzlichkeit, die hier Enthaltsamkeitskampagnen fährt, propagiert z. B. auch, dass Homosexualität "dem Herrn ein Gräuel" ist, so steht's im Alten Testament schließlich geschrieben und nach diesem 3000 Jahre alten Nomadenrecht müssten wir dann auch gleich mit dem Steinigen anfangen. Man wagt einfach nicht eine offensive theologische Diskussion, die diese Engführer und Angstmacher als das anspricht, was sie sind: unevangelisch.
Meine Güte!
Mensch Leute, lernt endlich den Unterschied zwischen AT und NT! Und hört auf euch an euch selbst zu messen, sondern schaut mal was wirklich im Wort Gottes steht. - Und lasst das "Ich denke..." sondern bringt doch vielleicht mal das "...es steht geschrieben dass..." damit währt ihr gewiss in guter Gesellschaft mit Luther, der der EKD ja so viel bedeutet.
Vielleicht auch schon mal darüber nachgedacht dass Gott einen gewissen Wert auf Treue legt und dass Sexualität somit etwas tiefgehender betrachtet werden sollte? - Der ist nicht von mir, aber dieser Artikel ist mal recht gut ausgearbeitet: http://2beers.eu/sex.html
Ach ja, und bevor ihr das Wort "Fundamentalisten" benutzt, schaut ersteinmal wo die Bedeutung herstammt und dass man das im Bezug auf Christen doch >ein wenig< anders werten muss als im Bezug auf Muslime...
Also, nicht bös gemeint, aber es regt mich auf wie mit diesem Thema heute umgegangen wird (gerade in christlichen Kreisen).
VG
RE: RE: RE: Ist Sex vor der Ehe eigentlich erlaubt?
Danke für Ihre ermutigenden Erläuterungen. Die genaueren politischen Hintergründe dieser Halbherzigkeit waren mir nicht bewusst. Das hatte ich nicht zu fürchten gewagt. Wie kann man die evangelische Freiheit stärken - bleibt die Frage.
RE: Ist Sex vor der Ehe eigentlich erlaubt?
Hallo, was geht hier ab?
Und was ist mit den ganzen Themen im Neuen Testament, wo es um "Porneia" (übersetzt mit Unzucht) geht?
Dazu mehr hier: http://www.nikodemus.net/354?page=-2
Da ist doch die verbindliche (lebenslange) Lebensgemeinschaft wie sie auch Jesus schlicht normal findet, Ehe genannt, vorausgesetzt, bzw. alles was außerhalb einer solchen Lebensgemeinschaft gemacht wird, verletzt eben den Respekt vor einem menschlichen Wesen, das sich in Treue binden will.
Differenzierter wird hier schon argumentiert. Die dort angesprochenen Themen sollten mindestens bedacht werden!: http://christsein.bechhaus.de/hintergrund/sexvorderehe.html
Also das Ganze ist doch soooooo schlicht nicht wie oben dargestellt… Meine Meinung.
RE: RE: Ist Sex vor der Ehe eigentlich erlaubt?
In Zusammenhang mit den Kommentaren weiter oben, ist es amüsant, dass Dein erster Link einer auf eine fundamentalistische oder meinetwegen auch evangelikale Website ist.
RE: Ist Sex vor der Ehe eigentlich erlaubt?
Eine wirkliche Antwort bleibt der Artikel aber schuldig, einzig "Respekt" für die Aktion der Amerikaner wird ausgesprochen.
RE: RE: Ist Sex vor der Ehe eigentlich erlaubt?
Ich finde der Text zieht klare position,
und zwar ganz am ende.
Sex als freiwillige, respektvolle Begegnung zweier Menschen - das ist für Christinnen und Christen eine unaufgebbare Konsequenz der Vorstellung, dass wir Gottes Ebenbilder sind
Und solange Sex als freiwillige, respektvolle Begegnung zweier Menschen verstanden wird hat der Autor nichts dagegen. Egal ob vor oder nach der Ehe und gegen das betten hüpfen hat er was.
So verstehe ich es.
RE: RE: RE: Ist Sex vor der Ehe eigentlich erlaubt?
Ob "Bettenhüpfen" unbedingt immer eine "freiwillige, respektvolle Begegnung zweier Menschen " ist, ist sehr die Frage. Sexualität eignet sich, sobald sie aus dem Bereich des Jugendschutzes heraustritt, wenig für normative Sätze. Verantwortlich sein, strikt auf Freiwilligkeit und Respekt achten, das wollte der Autor . . .(meint der Autor)
RE: RE: RE: RE: Ist Sex vor der Ehe eigentlich erlaubt?
Und das halte ich für eine wirklich gute Antwort!