Sabbat halten – Wellness für Leib und Seele

Mann auf einer Bank am Meer

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Feiertag - Entlastung erfahren, der Hektik entfliehen, innerlich wie äußerlich zur Ruhe kommen – das sind auch die Bedürfnisse des heutigen Menschen. Und gerade hier setzt die Bibel, das Glaubens- und Lebensbuch der Christen, an. Bereits auf den ersten Seiten beschreibt sie eine Welt, in der die Arbeit dem Leben dient, nicht das Leben der Arbeit.

Von Karl-Heinz Walter

Der Mensch ist kein Lasttier, kein Sklave arbeitsscheuer Götter, sondern vielmehr Verwalter und Gestalter dieser Welt. Höhepunkt und Krönung des Lebens ist deshalb nicht die Arbeitswoche, sondern der „Sabbat“, der wöchentliche Feiertag. An ihm ruht die Arbeit, endet die Last, hört die Mühsal auf. Sabbat – das bedeutet Freiheit und Lebensgenuss, Lust und Freude, Wellness für Leib und Seele. Mehr noch, es ist auch der Tag, an dem Gott besonders nah bei den Menschen ist, der Schöpfer bei seinen Geschöpfen. Der Sabbat ist „der Tempel Gottes in der Zeit“ (Abraham Heschel), Zeichen seiner heilvollen Gegenwart.

Auch für Jesus war dieser Tag „für den Menschen da“ (Markus 2,27). Schließlich sah er seine eigentliche Lebensaufgabe darin, andere zum wahren Leben zu führen. „Ich aber bin gekommen, um ihnen das Leben zu geben, Leben im Überfluss.“ (Johannes 10,10) Die „Ruhe“, die Jesus versprach, bestand zum einen im Loslassen der Bürde, unter der wir leiden, zum anderen im Ergreifen des besseren Lebens, im Erleben der Lebensfülle.

Lebensrhythmus zwischen Stress und Muße

Wer unentwegt schuftet, muss damit rechnen, urplötzlich in eine Zwangspause geschickt zu werden, denn Herzinfarkte kündigen sich nur selten an. Wer dagegen keine Arbeit hat, dem fällt irgendwann die Decke auf den Kopf. Was wir alle benötigen, ist ein gesundes Gleichgewicht zwischen Arbeit und Freizeit, Anspannung und Entspannung, Stress und Muße. Glaube kann helfen, den richtigen Lebensrhythmus zu finden: Einatmen … Ausatmen … Einatmen …

Wer den von Gott gesetzten Ruhetag als wöchentlichen Höhepunkt erlebt, fördert das Wohlergehen von Körper, Seele und Geist. Glaube hat eine lebensverlängernde und lebensvertiefende Wirkung! Für die meisten Menschen – auch für viele Christen – hat der Ruhetag seinen ursprünglichen Sinn längst verloren; die Kirchen hingegen bemühen sich um den gesetzlichen Schutz und die kulturelle Bewahrung der Sonntagsruhe. Doch die Gesellschaft hat daran offenbar wenig Interesse. Zwischen den unaufhörlich kreisenden Mühlsteinen der Arbeit und der Freizeit – den beiden großen Stressoren unserer Zeit – bleibt kein Raum für die Begegnung mit Gott.

Alle sieben Jahre dürfen auch die Äcker ruhen

Dass der Sabbat nicht nur der individuellen Frömmigkeit und der eigenen Lebensfreude dient, sondern darüber hinaus eine gesellschaftliche, soziale wie ökologische Dimension besitzt, wird (außer im Sabbatgebot des Dekalogs) am jüdischen Sabbat- bzw. Erlassjahr deutlich. Alle sieben Jahre nämlich sollten auch die Äcker Sabbat feiern dürfen. Aussaat und Ernte sollten deshalb unterbleiben und die Tagelöhner in die Freiheit entlassen werden. Nach sieben mal sieben Jahren (also im 50. Jahr) sollte verpfändeter Grundbesitz an die Eigentümer zurückgegeben werden. Dieses Gesetz diente der Überwindung wirtschaftlicher und sozialer Abhängigkeit und damit der Wiederherstellung der Gleichheit unter allen Volksangehörigen (3. Mose 25). Der Sabbat sollte so das Grundrecht auf Freiheit und Eigentum schützen – eine in der Geschichte der Menschheit bislang unerreichte Idealform sozialer Gerechtigkeit!

Von Anfang an haben Siebenten-Tags-Adventisten betont „Wir glauben nicht, dass im Sabbat das Heil liegt, genauso wenig wie wir glauben, dass es in den anderen neun Geboten zu finden ist. Erlösung kommt allein durch Jesus Christus, unseren Herrn.“ Damit wird deutlich: Nicht wir halten den Sabbat, sondern der Sabbat hält uns! Als ein Geschenk des liebenden Gottes ist er ein sichtbares Zeichen seiner gnädigen Zuwendung zu uns Menschen.

Zitate zum Thema

„… man dient Gott auch durch Nichtstun, ja durch keine Sache mehr als durch Nichtstun. Deshalb nämlich hat er gewollt, dass vor anderen Dingen der Sabbat so streng gehalten werde. Siehe zu, dass Du dies nicht verachtest. Es ist Gottes Wort, was ich schreibe.“ (Martin Luther an Philipp Melanchton, 1530)

„Den Sabbat heiligen, d.h. ganz frei werden vom Streben nach Glück und vom Willen zur Leistung und ganz in der Gegenwart Gottes da sein.“ (Jürgen Moltmann)

„Nicht der Mensch, wohl aber Gottes Ruhm am siebten Tage ist die Krone der Schöpfung.“ (Karl Barth)

„Der Sabbat ist das Fest des Aufhörens und Loslassens, das Fest des Entkrampfens und Entspannens, das Fest des Innehaltens und Verweilens, das Fest des Aufschauens und Wahrnehmens.“ (Wolfgang Dietrich)

„Der Sabbat ist um des Menschen willen gemacht...!“ (Jesus Christus, Markus 2,27) 


Karl-Heinz Walter ist Mitglied der Freikirche der Siebenten-Tags-Adventisten. Adventisten halten den Samstag (siebter Tag der Woche) als Ruhetag. Adventistische Gottesdienste finden weltweit am Samstag statt. Weitere Informationen finden Sie unter www.sabbatinfo.de.
 

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