Freikirche - Samstagnacht auf der Reeperbahn, grelle Lichter, viele Menschen, Gelächter, die unterschiedlichsten Gerüche nach Essen, Getränken, Parfum, Schweiß und nach Urin und Hundekot. Da kommen sie einem in ihrer Uniform entgegen, jung, fröhlich, ausgelassen, mit strahlenden Gesichtern: die Heilsarmee. Augenblicklich ist einem klar, die passen nicht so richtig hierhin. Oder doch?
Sie nennt sich Armee, ist aber eine engagierte evangelische Freikirche. Ihre Botschaft gründet sich auf die Bibel, ihre Aufgabe ist es, das Evangelium von Jesus Christus zu predigen und menschliche Not ohne Ansehen der Person zu lindern. Ihre Arbeit ist motiviert von der Liebe zu Gott und den Menschen. Jetzt geht einem ein Licht auf, ja, sie gehören hierher, sie sind hier goldrichtig.
Ausruhen bei "Heils-Burgern" und Tee
An diesem Abend gibt es eine Menge Begegnungen und Gespräche, Frauen und Männer werden eingeladen in die Gemeinderäume der Heilsarmee um die Ecke. Dort ist beinahe Tag und Nacht geöffnet. Bei „Heils-Burgern“, einem Tee und einem evangelistischen Film ist Gelegenheit, ein bisschen zur Ruhe zu kommen und über sein eigenes Leben nachzudenken. Wer möchte, kann sich mal alles von der Seele reden. Dann gibt es noch eine Einladung zum Gottesdienst morgen früh. Jeder kann kommen, da wird kein Unterschied gemacht.
Der Gottesdienst wird von Offizieren (Hauptamtlichen mit einer Ausbildung in Praktischer Theologie) durchgeführt. Man merkt schnell, hier handelt es sich um eine evangelische Freikirche mit allen möglichen Amtshandlungen und einem vollen Wochenprogramm. Im Gottesdienst wird gesungen, gebetet, eine Lobpreisband lädt ein, Gott auf besondere Weise anzubeten.
Aufstehen und sein Leben Gott anvertrauen im Gebet
Zwischendrin steht jemand auf und berichtet, wie sein Leben verändert wurde, wie er es gewagt hat, sich Gott anzuvertrauen und ihm die Leitung seines Lebens überlassen hat. Er weiß von Zeiten in denen er auf der Straße lebte und keine Perspektive für sein Leben hatte. Dann ist er Leuten von der Heilsarmee begegnet, damit begann ein langer Weg der Veränderungen. Nun kommt die Predigt und wie fast immer ein Aufruf, sein Leben Gott anzuvertrauen. Das kann man ganz praktisch tun, in dem man aufsteht und an der Gebetsbank, die es in allen Heilsarmee-Sälen auf der ganzen Welt gibt, zu beten.
Die Heilsarmee, Kirche der Straße, Anlaufstelle für Randgruppen unserer Gesellschaft, Freikirche mit einem speziellen sozial-diakonischen Auftrag und ganz einfach ein Zusammenschluss von Menschen, die ihren Mitmenschen zur Seite stehen wollen, in großen und kleinen Nöten und auch Freuden. Deshalb gibt sich die Heilsarmee das Motto: MitMenschen unterwegs für Jesus.
Weiterführende Informationen über diese außergewöhnliche Freikirche ohne Sakramente finden sich auf der Internetseite www.heilsarmee.de.
