Aus der Beobachtung zweier Frauen in ihrem Alltag schafft der Film "Lola" das Porträt einer ganzen Stadt. Foto: RAPID EYE MOVIES
Evangelische Filmarb -
Film des Monats Juli der Jury der Evangelischen Filmarbeit: "Lola". Zwei Großmütter auf den zwei Seiten einer Straftat: Täter und Opfer sind ihre Enkel. Heldinnen des Alltags in Manila.
Lola Sepa und Lola Puring sind eigentlich in dem Alter, in dem man eine Rente und den Respekt der Nachgeborenen genießen sollte. Doch die beiden Frauen tragen noch immer die Verantwortung – für ihre bettelarmen Familien, die im Hexenkessel der fernöstlichen Metropole Manila gerade von einer Tragödie getroffen wurden. Lola Sepas Enkel ist einem Raubmord zum Opfer gefallen. Als mutmaßlichen Täter verhaftet man den Enkel von Lola Puring.
Vis-a-vis mit Visarius: Lola
Das Interview von Henrik Schmitz mit Karsten Visarius, Leiter des Filmkulturellen Zentrums im Gemeinschaftswerk der Evangelischen Publizistik, zu dem Film: "Lola".
Der anstehende Prozess ist eine fürchterliche Belastung für die Großmütter. Die eine versucht, ihr Recht durchzusetzen, und hat Mühe, überhaupt das Geld für die Beerdigung des Ermordeten zusammenzubringen. Die andere versorgt ihren Enkel noch im Gefängnis und bedient sich aller denkbaren Tricks, um einen Vergleich herbeizuführen – auch sie braucht Geld, viel mehr, als ihr bescheidener Gemüsehandel hergibt.
Porträt einer Stadt: heiß, regenfeucht und grell
Der Film begleitet die „Lolas“ – kein Name, sondern die Anrede „Oma“ – bei ihren Besorgungen und Behördengängen. Und aus der Beobachtung kleiner und kleinster Verrichtungen entsteht das Porträt einer ganzen Stadt: heiß und regenfeucht, grell und hektisch, eng und überbevölkert, unbarmherzig – und in seltenen Momenten sogar poetisch.
Der philippinische Regisseur Brillante Mendoza hat seit 2005 neun Filme gedreht und gilt als einer der talentiertesten Newcomer des internationalen Autorenkinos. In „Lola“ wirft er den Zuschauer sofort mitten ins Geschehen; seine bewegliche, aber nie ungeduldige Kamera zeichnet unbeirrbar und präzise den Alltag einer deregulierten, zerfallenden Gesellschaft auf, die buchstäblich von der Hand in den Mund, von einem Tag auf den andern lebt.
Die "Option für die Armen" in ein bewegendes Bild gesetzt
Die Einzelnen wären auf sich gestellt sind, wenn es keine „Lolas“ gäbe, die ganz praktisch versuchen, das Zusammenleben zwischen den Generationen und in den Familien zu ermöglichen. In einer intelligenten Weiterentwicklung neorealistischer Verfahren, unsentimental, aber mit Nachdruck, kommt Mendoza seinen stillen Heldinnen des Alltags sehr nahe. In „Lola“ rückt „das Leben der Anderen“ den Zuschauern geradezu auf den Leib. Hier wird die oft zitierte biblische „Option für die Armen“ in ein bewegendes Bild gesetzt.
Frankreich/Philippinen 2009. Regie: Brillante Mendoza. Buch: Linda Casimiro. Mit: Anita Linda, Rustica Carpio. 110 Min.
"Lola" ist Film des Monats Juli der Jury der Evangelischen Filmarbeit.
Evangelische Filmjury