Krieg und Frieden - ein Thema für die evangelische Kirche

Friedenstaube

photocase / dtaeubert

Friedensdenkschrift - An der Debatte im Vorfeld der Afghanistan-Konferenz haben sich Vertreter der evangelischen Kirche rege beteiligt. Das ist nichts Neues, sondern guter evangelischer Brauch. Ebenso wie die teils scharf kritisierten Äußerungen der Ratsvorsitzenden der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Bischöfin Margot Käßmann, stehen die Aussagen in einer langen Tradition: Geschwiegen hat die evangelische Kirche nie, wenn es in den zurückliegenden Jahrzehnten um Krieg und Frieden ging. Im Ringen um die Friedensfrage hat sie immer wieder Position bezogen.

Zuletzt hat die EKD 2007 mit der Friedensdenkschrift "Aus Gottes Frieden leben - für gerechten Frieden sorgen" auf die seit dem Ende des Ost-West-Konflikts grundlegend veränderte weltpolitische Situation reagiert. Darin plädiert die Evangelische Kirche für nachhaltige Friedenssicherung, die gewaltfreier Konfliktregelung eindeutigen Vorrang gibt und militärisches Eingreifen lediglich als äußerstes Mittel sieht.

Statt an der Lehre vom gerechten Krieg, die im Kern besagt, dass Kriege unter bestimmten Bedingungen gerechtfertigt sein können, orientiert sich die evangelische Kirche am Leitbild des gerechten Friedens - ebenso wie weite Teile der ökumenischen Bewegung und die katholischen Bischöfe.

Friedenspolitik verlangt Prävention

"Wer den Frieden will, muss den Frieden vorbereiten. Wer aus dem Frieden Gottes lebt, tritt für den Frieden in der Welt ein." Diese beiden Leitsätze markieren die veränderte friedensethische Position des deutschen Protestantismus. Danach erfordert wirksame Friedenspolitik den Abbau von Gewalt, die Fortentwicklung der internationalen Rechtsordnung und eine gerechte Weltwirtschaft.

"Durchgängig wird in der Denkschrift die Notwendigkeit der Prävention hervorgehoben; gewaltfreien Methoden der Konfliktbearbeitung wird der Vorrang zuerkannt; den zivilen Friedens- und Entwicklungsdiensten wird für die Wiederherstellung, Bewahrung und Förderung eines nachhaltigen Friedens eine wichtige Rolle zugeschrieben", hatte der damalige EKD-Ratsvorsitzende und Käßmann-Vorgänger Wolfgang Huber zur Vorstellung der Denkschrift erklärt.

Längst nicht alle Grundsätze sind überholt, die das Vorläuferdokument von 1981 und seither veröffentlichte Texte prägten. Zwar stand die Denkschrift von 1981 unter dem Eindruck des Kalten Kriegs und des atomaren Wettrüstens. Aber der christliche Auftrag, den Frieden zu wahren, zu fördern und zu erneuern, wie es in der Denkschrift aus den 1980er Jahren heißt, ist geblieben. Unverändert gilt auch, dass Frieden und nicht Krieg Ziel christlicher Ethik ist.

Nukleare Drohung kein legitimes Mittel mehr

Bereits nach dem Kosovo-Konflikt 1999 bekräftigte die EKD in der Schrift "Friedensethik in der Bewährung" - eine aktualisierte Zwischenbilanz von 2001 - den friedensethischen Konsens mit einem Plädoyer für die Minimierung militärischer Gewalt. Dieser friedensethische Text erschien wenige Wochen nach den Terroranschlägen vom 11. September, die die Welt erschütterten.

Mit dem Afghanistankrieg, der Vorgeschichte und dem Verlauf des Irakkrieges, dem Zerfall von Staaten, der etwa in Afrika mit Privatisierung von Gewalt einhergeht, neuen innerstaatlichen Konflikten und einer zunehmenden Zahl humanitärer Interventionen sahen sich die friedensethischen Positionen abermals Anfragen ausgesetzt. Darauf wollte die von der Kammer für Öffentliche Verantwortung, dem klassischen Beratungsgremium der EKD, formulierte Denkschrift 2007 tragfähige Antworten bieten.

Eine Bastion wurde in dem EKD-Text zur Friedensethik geräumt. Die evangelische Kirche verabschiedete sich von einer Formel aus den "Heidelberger Thesen" von 1959, die in der Zeit des Kalten Krieges und des atomaren Wettrüstens einen Kompromiss zwischen den verschiedenen friedensethischen Positionen darstellten. Wurde damals die Beteiligung von Christen an der Abschreckung und damit der Einsatz von Atomwaffen für noch legitimierbar gehalten, heißt es nun: "Aus der Sicht evangelischer Friedensethik kann die Drohung mit nuklearer Gewalt heute nicht mehr als Mittel legitimer Selbstverteidigung betrachtet werden."

Mehr Infos im Netz: Friedensdenkschrift von 2007 im Volltext (pdf)

epd

Kommentare

Verfasst von Gast am 14. Januar 2010 - 16:46.

RE: Krieg und Frieden - ein Thema für die evangelische Kirche

Wir lernten in der Schule, daß von deutschem Boden nie wieder Krieg ausgehen...

Wir lernten in der Schule, daß von deutschem Boden nie wieder Krieg ausgehen darf.
Inzwischen ist Deutschland zum weltweit drittgrößten Waffenexporteur geworden. Im Jahre 2007 lieferte die Bundesrepublik Waffen in die Welt im Werte von 3,3 Milliarden US-Dollar (SIPRI).
Die Firma Heckler-und-Koch entwickelte unter anderem ein Leichtgewehr Kindersoldaten,welches leicht transportierbar ist (MG4).
Nach meinem Verständnis fördert unser Land mit derartigen Produktionen den Krieg in anderen Ländern.
Finden Sie das angesichts der Krisen in der Welt in Ordnung?
Was kann die Politik dagegen machen?

Ich habe gerade gelesen, daß statistisch alle 14 Minuten ein Mensch auf dieser Erde durch einen Kugel aus dem Lauf einer Heckler-und-Koch Waffe getötet wird (Publik-ForumNr.20,23.Oktober 2009,Seite 10).
Warum wird über derartige Hintergründe kaum in unseren etablierten Medien gesprochen?
http://www.onlinekunst.de/november/Celan_Todesfuge.htm
Freundliche Grüße von Helga Müller aus Thüringen

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