Ich glaube an... - Das Glaubensbekenntnis gehört zum Gottesdienst wie das sprichwörtliche Amen in der Kirche. Es ist der gemeinsame Ausdruck des Glaubens aller Christen und ist seine liturgische Bekräftigung. Das Glaubensbekenntnis zählt alle wichtigen Grundlagen auf, auf denen der christliche Glaube seine Wurzeln schlägt.
Die Bekenntnisse des christlichen Glaubens gehen über das eigentliche Glaubensbekenntnis hinaus, das zu jedem Gottesdienst gehört wie das sprichwörtliche Amen in der Kirche. Neben diesem so genannten Apostolischen Glaubensbekenntnis gibt es unter anderem eine ältere, historische Version, die auf dem Konzil von Nizäa im Jahr 381 verabschiedet wurde. Aber es geht nicht nur um die formelle, gemeinsame Bestätigung des Glaubens. Zu den Bekenntnisschriften gehören auch die Katechismen. Das sind Lehrschriften, die die Grundlagen des Glaubens vermitteln sollen, unter anderem (für die evangelische Kirche besonders wichtig) verfasst von Martin Luther. Außerdem gibt es eine Reihe weiterer Texte, die für das Selbstverständnis der evangelischen Kirche entscheidend sind (siehe weiterführende Links).
Diese Dokumente sind die Grundlage des gemeinsamen evangelischen Glaubens in Deutschland und zeigen zugleich, wie sich die Rolle von Kirche und Glauben über die Zeit immer wieder angepasst hat, immer auf Grundlage der christlichen Botschaft.
Das apostolische Glaubensbekenntnis
Ich glaube an Gott, den Vater,
den Allmächtigen,
den Schöpfer des Himmels und der Erde.
Und an Jesus Christus,
seinen eingeborenen Sohn, unsern Herrn,
empfangen durch den Heiligen Geist,
geboren von der Jungfrau Maria,
gelitten unter Pontius Pilatus,
gekreuzigt, gestorben und begraben,
hinabgestiegen in das Reich des Todes,
am dritten Tage auferstanden von den Toten,
aufgefahren in den Himmel;
er sitzt zur Rechten Gottes,
des allmächtigen Vaters;
von dort wird er kommen,
zu richten die Lebenden und die Toten.
Ich glaube an den Heiligen Geist,
die heilige christliche Kirche,
Gemeinschaft der Heiligen,
Vergebung der Sünden,
Auferstehung der Toten
und das ewige Leben.
Amen.
Das Glaubensbekenntnis des Konzils von Nizäa-Konstantinopel aus dem Jahr 381
Wir glauben an den einen Gott,
den Vater,
den Allmächtigen,
der alles geschaffen hat,
Himmel und Erde,
die sichtbare und die unsichtbare Welt.
Und an den einen Herrn Jesus Christus,
Gottes eingeborenen Sohn,
aus dem Vater geboren vor aller Zeit:
Gott von Gott,
Licht vom Licht,
wahrer Gott vom wahren Gott,
gezeugt, nicht geschaffen,
eines Wesens mit dem Vater;
durch ihn ist alles geschaffen.
Für uns Menschen und zu unserm Heil ist er vom Himmel gekommen,
hat Fleisch angenommen durch den Heiligen Geist
von der Jungfrau Maria und ist Mensch geworden.
Er wurde für uns gekreuzigt unter Pontius Pilatus,
hat gelitten und ist begraben worden,
ist am dritten Tage auferstanden nach der Schrift
und aufgefahren in den Himmel.
Er sitzt zur Rechten des Vaters
und wird wiederkommen in Herrlichkeit,
zu richten die Lebenden und die Toten;
seiner Herrschaft wird kein Ende sein.
Wir glauben an den Heiligen Geist,
der Herr ist und lebendig macht,
der aus dem Vater und dem Sohn hervorgeht,
der mit dem Vater und dem Sohn angebetet und verherrlicht wird,
der gesprochen hat durch die Propheten,
und die eine, heilige, christliche und apostolische Kirche.
Wir bekennen die eine Taufe zur Vergebung der Sünden.
Wir erwarten die Auferstehung der Toten
und das Leben der kommenden Welt.
Anmerkung:
Das "und vom Sohn" (filioque) wurde später in das Glaubensbekenntnis eingefügt und in karolingischer Zeit im ganzen Frankreich gebräuchlich. Es entspricht westlicher, nicht ostkirchlicher Tradition.




Kommentare
RE: Glaubensbekenntnis auf apostolisch und nizäanisch
Es wäre doch schon ein Lernerfolg, wenn nicht - wie so oft - das Apostolicum im Gottesdienst eingeleitet wird mit den Worten "mit dem Bekenntnis, das die ganze Christenheit auf Erden verbindet" - sondern da, wo ein ökumenischer Akzent gesetzt werden soll, eben das Nizänum gesprochen wird. Ohne Filioque.
RE: Glaubensbekenntnis auf apostolisch und nizäanisch
Es deutet von ökumenischer Offenheit, dass auf das "filioque" hingewiesen wird, es deutet jedoch gleichzeitig von evangelischer Enge, dass Credo von 381 das Wort katholisch nicht verwendet, noch ein Kommentar zur evangelischen Übersetzung zu finden ist. Schade!
RE: RE: Glaubensbekenntnis auf apostolisch und nizäanisch
Als Katholik sehe ich das "ein wenig" zwiegespalten". Das Wort "Katholische" wird eben nicht von "allen" im "richtigen Sinne" übersetzt und hat damit etwas trennendes.
Und ja, es könnte auf Enge hinweisen, weil das Wort nicht verwandt wird (ich vermute, um nicht verwechselt zu werden) und auch wenn Katholische Geschwister, mit Hinweis auf die "Korrektheit der Übersetzung", sich das Katholisch wünschen (ich vermute, damit doch ein wenig verwechselt wird).
Ich mache jedenfalls daran, wie an den anderen theologischen Disputen Ökumene nicht fest.
Gruß
Franziskus
RE: RE: Glaubensbekenntnis auf apostolisch und nizäanisch
Ich denke, es ist nicht automatisch ein Zeichen evangelischer Enge, wenn das Wort "katholisch" nicht im Glaubensbekenntnis verwendet wird. Ein Kommentar zur evangelischen Übersetzung allerdings halte auch ich für hilfreich. Bestimmt wissen nur wenige die Bedeutung des im Urtext gebrauchten Wortes "katholisch" ...
RE: RE: RE: Glaubensbekenntnis auf apostolisch und nizäanisch
Das Wort "katholisch" kommt aus dem Griechischen und bedeutet so viel wie "allgemein, das Ganze betreffend" (καθολικος, katholikos). Im nizäno-konstantinopolitanischen Glaubensbekenntnis wird es in diesem Sinne verwendet. Es bezieht sich dort nicht auf die römisch-katholische Kirche, wie wir sie heute kennen. Insofern bekennen sich auch viele evangelische Christen im Glaubensbekenntnis zur "katholischen" Kirche, ohne damit aber die vom Papst geleitete römisch-katholische Weltkirche zu meinen.
Bernd Buchner - evangelisch.de
Glaubensbekenntnis auf apostolisch und nizäanisch
also: Einfach aus dem Wort "katholisch" das Wort "christlich" machen ist falsch, auch wenn ich Verständnis dafür habe, dass sich die evangelische Kirche von der römisch-katholischen Kirche abgrenzt, aber ich hoffe, dass auch die evangelische Kirche sich bemüht immer mehr die "eine, heilige, katholische und apostoische" Kirche zu werden, denn dies kann nur gemeinsam gelingen, wenn konfessionelle Enge auf allen Seiten überwunden wird, denn dann wird vielleicht für unsere Mitmenschen die eine "christliche" Kirche wahrnehmbar - eine Hoffnung! Dann kann sich eine Homepage mit dem Titel "evangelisch" nicht nur als Plattform der realverfassten evangelischen Kirche verstehen, sondern als Einladung zu einer "evangelischen" Community, die sich dem Evangelium verpflichtet weiß!
RE: Glaubensbekenntnis auf apostolisch und nizäanisch
Ich denke, dass es letztendlich egal ist, ob man "katholische" oder "christliche" Kirche sagt.
Solange sich die die Kirchen nicht gegenseitig irgendwelche Vorwürfe, sondern endlich gemeinsam arbeiten und Projekte anfassen, die die Verbindung zwischen der Katholischen und der Evangelischen stärken kann es doch eigentlich völlig gleichgültig sein, welches dieser Wörter man im Glaubensbekenntnis verwendet.
Es ist eigentlich sehr schön,dass sich Menschen auf dieser Seite hier mit diesem Thema so intensiv auseinandersetzen,aber das sollte man sich doch sparen.
Diese beiden großen Kirchen sollten,wie schon erwähnt, endlich zusammenkommen.
Ich finde, dass solche Events wie der "Ökumenische Kirchentag",der ja nächstes Jahr in München stattfindet ein großer Schritt in diese Richtung sind.
RE: Glaubensbekenntnis auf apostolisch und nizäanisch
In den evangelischen Bekenntnisschriften der Reformation steht in den lateinischen Texten "catholica(m)", in der deutschen Übersetzung "christlich", d.h., es stellt sich die Frage, wie "catholica(m)" am besten sinngemäß übersetzt wird.
Interessanterweise steht in den englischen Texten der amerikanischen reformatorischen Partnerkirchen (ELCA, UCC) "catholic" - d.h. katholisch im Sinne von allgemein ist die evangelische Kirche auch nach eigenem Selbbstverständnis.
Sprächen wir noch Latein oder haben wir gemeinsame Gottesdienste mit englischsprachigen Christen, so benutzt man auch in der evangelischen Kirche "catholica(m)" bzw. "catholic".
Also in diesem Sinne sind wir auf evangelisch.de auch gerne katholisch.