Diakonie - Rund 6,7 Millionen Menschen mit Behinderungen leben in Deutschland. Die Diakonie begleitet und unterstützt über 142.500 von ihnen auf ihrem Lebensweg.
Arbeit und Beschäftigung
Nach dem Gleichstellungsgesetz (Sozialgesetzbuch 9) haben Menschen mit Behinderungen das Recht am Arbeitsleben teilzunehmen. Nicht jeder findet jedoch eine Beschäftigung auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt, die seinen Fähigkeiten entspricht. Arbeitsplätze für anerkannte Schwerbehinderte bieten die Werkstätten für behinderte Menschen (WfbM) sowie Integrationsprojekte und Integrationsfachdienste. Mehr als 350 Werkstätten für behinderte Menschen mit ungefähr 48.500 Plätzen sowie zahlreiche Integrationsprojekte und -fachdienste stehen in diakonischer Trägerschaft.
Werkstätten für behinderte Menschen (WfbM)
Die WfbM erfüllen Produktionsaufträge und erbringen Dienstleistungen. Die Arbeitsplätze müssen daher einerseits an den Erfordernissen der Arbeitswelt und andererseits an den Bedürfnissen der behinderten Menschen ausgerichtet sein. Ziel der Werkstätten ist es, den behinderten Menschen arbeitsbezogene Kenntnisse zu vermitteln und ihre persönlichen Fähigkeiten weiter zu entwickeln. Für schwerstmehrfachbehinderte Menschen besteht die Möglichkeit, in eine der WfbM angegliederte Tagesförderstätten eingebunden zu werden.
Integrationsprojekte
Integrationsprojekte sind rechtlich und wirtschaftlich selbständige Unternehmen, unternehmensinterne Betriebe oder Integrationsabteilungen. Hier können schwerbehinderte Menschen eingebunden werden, deren Behinderung sich nachteilig für eine Tätigkeit auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt auswirkt. Auch schwerbehinderte Sonderschulabgänger, die Aussicht haben auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt beschäftigt zu werden, werden hier beschäftigt. Die Betriebe erhalten eine finanzielle Förderung aus Mitteln der Ausgleichabgabe.
Integrationsfachdienste
Integrationsfachdienste informieren, beraten und unterstützen schwerbehinderte Arbeitnehmer/innen und ihre Arbeitgeber, vermitteln geeignete Arbeitsplätze und sichern sie durch qualifizierte Betreuung.
Berufsausbildung
Damit Menschen mit Behinderungen ihr Leben möglichst selbstständig und selbstbestimmt gestalten können, ist es wichtig, dass sie eine Tätigkeit oder einen Beruf erlernen. Die Diakonie bietet bundesweit über 12.300 Plätze in Einrichtungen zur beruflichen Ausbildung und Förderung an.
Berufsbildungswerke
Nach dem Schulabschluss können junge Menschen mit Behinderungen in Berufsbildungswerken ausgebildet werden. Die Ausbildung dauert in der Regel zwei bis dreieinhalb Jahre und erfolgt nach individuellen Förderplänen.
Berufsförderungswerke
Erwachsene, die nicht mehr in der Lage sind, den erlernten Beruf oder die bisherige Tätigkeit auszuüben, können in Berufsförderungswerken fort- und weitergebildet oder umgeschult werden. Dabei werden ihre individuellen Belange berücksichtigt.
Früherkennung, Frühförderung und Beratung
Etwa drei Prozent aller Kinder haben schon bei ihrer Geburt eine Behinderung. Bei 800.000 Geburten in Deutschland pro Jahr sind dies 24.000 Kinder. Sitzen, stehen, krabbeln, sprechen - niemand weiß, ob sie es jemals lernen werden. Daher brauchen behinderte Säuglinge und Kinder eine optimale Förderung.
Die Diakonie kümmert sich in 39 spezialisierten Einrichtungen um eine Früherkennung von Behinderungen, fördert Säuglinge und Kinder und berät die Eltern. Sie geht dabei von einem ganzheitlichen Ansatz aus: Neben den therapeutisch notwendigen Maßnahmen wird besonders die psychische und soziale Entwicklung der Kinder berücksichtigt.
Die Diakonie bietet Eltern von behinderten Kindern Beratung und Hilfe an. Sie müssen sich mit der Behinderung ihres Kindes auseinandersetzen. Außerdem gibt es viele Fragen zu klären und Entscheidungen zu treffen. Bei der Suche nach Antworten hilft die Diakonie in ihren Beratungsstellen für Angehörige.
Zur Frühförderung zählt auch der vorschulische Bereich. In den Sonderkindergärten und integrativen Kindergärten der Diakonie werden behinderte Kinder gezielt gefördert: sie lernen, Selbstbewusstsein zu entwickeln und werden zur Selbstständigkeit angeleitet; sie erlernen soziale und emotionale, sensomotorische und kognitive Fähigkeiten.
Schule und Bildung
Behinderte Kinder können je nach Art, Umfang und Schwere der Behinderung in Integrationsklassen, in Regelschulen oder in Sonderschulen zur Schule gehen. Bei der Auswahl der geeigneten Schulform sind die Beratungsstellen der Diakonie behilflich. 102 Sonderschulen für Kinder und Jugendliche mit Behinderungen mit insgesamt 8.765 Plätzen stehen in diakonischer Trägerschaft. Integrationsklassen setzen sich üblicherweise aus 19 Regelschülern/innen und fünf Schülern/innen mit "sonderpädagogischem Förderbedarf" zusammen. Sonderschulen sind stärker auf spezielle Bedürfnisse behinderter Schülerinnen und Schüler ausgerichtet.
Bildungsangebote für erwachsene Menschen mit Behinderungen knüpfen an das an, was sie in der Schule erlernt haben. Es gilt der Grundsatz des lebenslangen Lernens. Darüber hinaus dient das Angebot der Selbstverwirklichung und Lebensbereicherung.
Wohnen
Zu einem selbstbestimmten und selbstständigen Leben behinderter Menschen gehören ein differenziertes Wohn- und Betreuungsangebot. Bundesweit gibt es rund 1.200 stationäre Einrichtungen und 143 ambulant betreute Wohnungen für Menschen mit Behinderungen oder psychischen Erkrankungen in diakonischer Trägerschaft.
Ambulant
In angemieteten Wohnungen leben Einzelpersonen, Paare oder Wohngemeinschaften. Je nach individuellem Bedarf erhalten die Bewohner ein- bis mehrmals wöchentlich Hilfeleistungen in unterschiedlichen Bereichen des Lebensalltags.
Teilstationär
Das teilstationäre Angebot eignet sich für Menschen mit Behinderungen, die keine Rund-um-die-Uhr-Betreuung benötigen, aber auch nicht ambulant begleitet werden. Die Betreuungsleistungen richten sich nach dem individuellen Bedarf und den Vorstellungen der Betroffenen. Wohnen und Arbeiten sind räumlich und inhaltlich getrennt.
Stationär
In stationären Einrichtungen werden die Menschen entsprechend ihres persönlichen Bedarfs rund um die Uhr begleitet. Die Hilfeformen richten sich nach Art, Umfang und Schwere der Behinderung und sollen die behinderten Menschen unterstützen, ihren Alltag nach ihren persönlichen Wünschen und Vorstellungen zu gestalten.




