Kirche gestalten - Im Oktober 2009 wurde Dr. Elke Eisenschmidt als jüngstes Mitglied in den Rat der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) gewählt, eins der wichtigsten Entscheidungsgremien unserer Kirche. aej-Referent Dr. Veit Laser sprach für youngspiriX mit der früheren Jugenddelegierten der Arbeitsgemeinschaft der Evangelischen Jugend in Deutschland e.V. (aej) in der EKD-Synode über die Aufgaben der Kirche und die Zukunft der Ökumene.
youngspiriX: Deine Wahl in den Rat der EKD wurde als Beispiel gelungener Partizipation begrüßt und gefeiert. Wie sieht das in der Alltagswirklichkeit aus?
Dr. Elke Eisenschmidt: Sehr gut. Ich erlebe den Rat als ein Team, das ein konstruktives Miteinander bestimmt. Für mich ist entscheidend, dass ich mich als jüngstes Mitglied nicht nur ernst genommen fühle, sondern vor allem meine Kompetenzen gefragt und geschätzt sind.
youngspiriX: Wie erlebst Du das Verhältnis und die Zusammenarbeit von Lai(inn)en und Nicht-Lai(inn)en?
Dr. Elke Eisenschmidt: Grundsätzlich betrachtet: gelungen und sehr produktiv! Dass sich die Zusammenarbeit nicht immer einfach gestaltet, ist klar und kein EKD-spezifisches Problem. So etwas gibt es überall, wo Menschen mit langjähriger Erfahrung und Neu einsteiger( innen), ehrenamtlich und hauptberuflich Arbeitende gemeinsam etwas auf den Weg bringen wollen. Da ist es manchmal anstrengend, den großen Vorlauf an Erfahrungen nach zuholen, über den andere Ratsmitglieder verfügen. Aber ich erlebe eine große Offenheit für die vielen Fragen, die ich habe. Und ich muss sie stellen, um zu wissen, was ich mitentscheide.
youngspiriX: Als Entscheidungsträger(innen) steht Ihr vor großen Aufgaben, wenn es um die Zukunft der Kirche wie der Gesellschaft geht. Worin siehst Du die zentralen Herausforderungen?
Dr. Elke Eisenschmidt: Ich glaube, dass das Gespräch zwischen den Religionen immer mehr an Bedeutung gewinnt. Unsere Gesellschaft ist plural und vom Zusammenleben verschiedener Kulturen geprägt. Das geht gar nicht ohne den gemeinsamen Dialog. Es gibt schon viele gute Ansätze. Aber der Dialog zum Beispiel mit dem Islam ist manchmal schwierig, weil uns die entsprechenden Gesprächspartner(innen) fehlen. Notwendig ist für mich aber auch der Austausch mit Menschen anderer Weltanschauungen und Atheist(inn)en. Die Kirche selbst wird einerseits immer säkularer und will sich andererseits profiliert einbringen. Das geht nicht ohne das Gespräch mit Andersdenkenden. Die zweite große Herausforderung stellt sich angesichts der sozialen Schieflage in unserem Land. Ich finde, es ist ein Skandal, dass die notwendigen Sparlasten jetzt auf dem Rücken der sozial Schwachen ausgetragen werden. Da muss etwas passieren. Da muss die Kirche ihren Mund aufmachen, damit sich unsere Gesellschaft in Richtung Gerechtigkeit bewegt. Und nicht zuletzt stellt sich damit auch die Frage, wie wir unsere Kirche in Zukunft gestalten angesichts der Schrumpfungsprozesse. Seien es die zurückgehenden Kirchensteuermittel oder die Mitgliederzahlen. Wir kommen nicht daran vorbei: Die Kirche wird sich von bestimmten Dingen verabschieden und dennoch ihrem Anspruch gerecht werden müssen, Kirche für alle zu sein. Das braucht die gemeinsame Anstrengung aller. Am wenigsten brauchen wir jetzt gegen seitige Schuldzuweisungen. Wir alle, unten wie oben, Lai(inn)en und Theolog(inn)en, Profis und Ehrenamtliche, alle müssen wir an einem Strang ziehen.
youngspiriX: Und ausgerechnet da tritt Margot Käßmann zurück. Würdest Du wie viele andere von einer Führungskrise in der Krise sprechen?
Dr. Elke Eisenschmidt: Auf keinen Fall. Ein so großer Tanker wie die EKD kann nicht wegen einer einzelnen Person ins Wanken geraten. Ich schätze Margot Käßmann sehr. Aber es wäre völlig unevangelisch, die Zukunft der Kirche an einzelnen Personen festzumachen. Ich glaube, das eigentliche Problem ist die mediale Wahrnehmung.
youngspiriX: Und das hat sich ja auch beim 2. Ökumenischen Kirchentag in München gezeigt. Wie hast Du den ÖKT erlebt? Auf welchem Kurs siehst Du die Ökumene?
Dr. Elke Eisenschmidt: Auf jeden Fall wetterfest (lacht). Nein, im Ernst, ich habe sehr anspruchsvolle Veranstaltungen im Wissenschaftsforum erlebt mit fachlich hohem Niveau. Unglaublich war das Interesse an Fragen der Globalisierung und der Finanzkrise. Im Blick auf den Ökumenekurs ist mein Eindruck natürlich ein Ausschnitt neben vielen anderen und der ist gar nicht so schlecht. Es gab keine falsche Harmonie, eher ein Fragen, wie es in Kirche und Gesellschaft weitergehen kann. All das, ohne fertige Antworten haben zu müssen. Ich glaube, es gibt viel zu tun für eine gelebte Ökumene. Und da können wir von der Basis lernen. Dort sind viele Fragen, die "oben" debattiert werden, schlichtweg kein Problem.
Dr. Elke Eisenschmidt im Video-Porträt
"Der Jugend ein Stück Kirche zurückerobern" - Elke Eisenschmidt in den Rat der EKD gewählt
Dr. Veit Laser ist aej-Referent für entwicklungsbezogene Bildung. Die aej betreibt auch das Portal youngspiriX.














Kommentare
Reim dich, oder ich freß dich!
Ohne zu feixen, aber mit satter Genugtuung stelle ich beim Lesen dieses Artikels fest, dass die deutsche Sprache uns bei dem Begriff "Geistliche" (Plural) keine spezifisch feminine Form bietet. Ich führe das natürlich auch darauf zurück, dass der Geist eben jene Einheit (nicht Gleichheit) zwischen Mann und Frau verwirklicht, die wir alle in Jesus Christus anstreben. Dr. Veit Laser untertunnelt diese Realität mit dem Begriff "Nichtlai(inn)en". Das gönne ich ihm und allen verkrampften Gender-Partisanen. Mögen sie noch so viele Maulwurfshügel auf den Spielwiesen unserer Sprache aufwerfen, letzten Endes wird es doch dem Gedeihen der Pflanzung Gottes dienen. Manche Irrwege werden erst dadurch offenbar, dass sie beschritten werden.