"Rechtfertigung und Freiheit": Was würde Luther heute sagen?

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"Rechtfertigung und Freiheit": Was würde Luther heute sagen?
Luthers Rechtfertigungslehre hat die Kirche grundlegend verändert. Zum 500. Reformationsjubiläum im Jahr 2017 will die EKD sie in den aktuellen Fokus rücken. Was nach trockener Theologie klingt, habe immerhin Bedeutung für jeden Einzelnen und die Gesellschaft.

Zum 500. Jahrestag der Reformation will die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) die Bedeutung der zentralen Lehre Martin Luthers (1483-1546) ins Zentrum der Feierlichkeiten rücken. Es gehe darum, "für heute zu klären, was Reformation bedeutet", sagte der EKD-Ratsvorsitzende Nikolaus Schneider am Mittwoch in Berlin. Gemeinsam mit dem Kirchenhistoriker Christoph Markschies stellte er ein Papier vor, das als theologische Grundlage für das große Jubiläum dienen soll.

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Ausgangspunkt des Papiers ist Luthers Rechtfertigungslehre, die wesentlicher Grund für die Kirchenspaltung im 16. Jahrhundert war. Darin geht es um das Verhältnis zwischen Gott und dem Menschen. Nach Luthers theologischer Auffassung kann ein Mensch nur "allein durch den Glauben" erlöst werden. Er kann sich sein Seelenheil also nicht selbst verdienen, schon gar nicht erkaufen, wie es der von Luther angeprangerte Ablasshandel der römischen Kirche damals nahelegte.

Die Rechtfertigungslehre sei Grundlage des reformatorischen Freiheitsverständnisses, erläuterte Schneider. Indem die Person den Glauben geschenkt bekam, konnte sie frei nach dem handeln, was die Bibel nahelegte. Die Reformation habe mit dieser Botschaft die ganze Welt verändert, sagte Schneider und verwies dabei auf heute geltende Werte wie die Gewissensfreiheit und Rechtsstaatlichkeit, die auf diesen Ideen fußten. Dies gelte es 2017 deutlich zu machen.

Aus den Lehren Luthers leitet die von der EKD eingesetzte Kommission unter der Leitung von Markschies aktuelle Handlungsfelder ab. In dem Papier unter dem Titel "Rechtfertigung und Freiheit" schlägt sie unter anderem vor, sich mit Blick auf das Reformationsjubiläum Fragen der Ökumene, der Entchristlichung der Gesellschaft, der Geschlechtergerechtigkeit und des interreligiösen Dialogs zu widmen.

Ein Vorschlag - keine Vorgabe

Markschies sagte, der Text solle dazu beitragen, Gläubige wieder sprachfähig über die eigenen Überzeugungen zu machen. Der Text wurde in Buchform zunächst in einer Auflage in Höhe von 5.000 Stück gedruckt und soll unter anderem beim EKD-Zukunftsforum, das am Donnerstag in Wuppertal beginnt, verteilt werden.

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Schneider betonte, das Papier sei ein Vorschlag für die Vorbereitung zum Reformationsjubiläum, keine Vorgabe. Es sei auch nicht geplant, bei allen angesprochenen Fragen und Herausforderungen bis 2017 zu einem Ergebnis zu kommen, sagte Schneider. Vielmehr solle die Reformation als "Lerngeschichte" deutlich gemacht werden.

Das Papier der Kommission unterstreicht daneben, den 500. Geburtstag der Kirchenreformation feiern zu wollen. Das Anliegen, eine Reform der Kirche durchzusetzen, dürfe nicht aus dem Blick geraten. "Es wäre deshalb verfehlt, das Datum nur als Gedenken an die verlorene Einheit zu begehen", heißt es in dem Papier. Die katholische Kirche äußerte sich bisher verhalten zu der Idee, gemeinsam mit der evangelischen Kirche das Reformationsjubiläum zu feiern. Sie spricht von "Reformationsgedenken" statt "Jubiläum".