Käßmann: Gebete haben 1989 die Mauer zu Fall gebracht

Die Reformationsbotschafterin der Evangelischen Kirche in Deutschland, Margot Käßmann, hat die besondere Bedeutung der Kirchen für die friedliche Revolution vor 25 Jahren in der DDR hervorgehoben.

Damals hätten "Gebete die Welt verändert", sagte Käßmann am Sonntagabend im ersten Eisenacher Luthergespräch. Die Berliner Mauer sei "nicht einfach so gefallen". Durch eine friedliche Revolution, "die ihren Ursprung im Gebet hatte, wurde sie zu Fall gebracht".

Als einen wichtigen Ausgangspunkt für den Herbst 1989 nannte die Theologin die Montagsgebete in der Leipziger Nikolaikirche. Nach dem Beginn im kleinen Kreis seien sie schließlich überfüllt gewesen, "weil hier in Freiheit ausgesprochen werden konnte, was Menschen bedrängt". Zuvor hatte Käßmann in ihrer Predigt zum Auftakt der diesjährigen Wartburg-Gottesdienste die friedliche Revolution in der DDR als Teil der "Lerngeschichte der Reformation" gewürdigt.

Widerstand und Kritik

Der Protestantismus habe nach der anfänglichen Bindung an Thron und Altar "gelernt, dass es auch gilt, widerständig zu sein", sagte Käßmann. Neben dem christlichen Widerstand im Nationalsozialismus zeige dies auch der Einsatz derjenigen, die "in der DDR die Türen weit aufgemacht haben für freie Rede, Auseinandersetzung und Kritik". Nach dem Vorbild vom Herbst 1989 und dem Ruf "Keine Gewalt!" gelte es im Blick auf die Situation in der Ukraine, "die Stimme des Friedens zu erheben".

Die Veranstaltungen am Sonntag erinnerten an die Ankunft Martin Luthers am 4. Mai 1521 auf der Wartburg bei Eisenach. Das Versteck bot dem Reformator als "Junker Jörg" Schutz vor Verfolgung durch kaiserliche Truppen, nachdem er zuvor auf dem Reichstag von Worms für vogelfrei erklärt worden war. Auf der Wartburg übersetzte Luther das Neue Testament der Bibel aus dem griechischen Urtext ins Deutsche.

Vor dem Gottesdienst eröffnete Käßmann auf der Wartburg eine Sonderausstellung mit Münzen zum Thema Reformation. Es sei "hoch spannend", auf den Münzen Luther und Katharina im Wandel der Zeiten zu sehen, sagte die Reformationsbotschafterin.