EU-Abgeordnete: Betrügen und Betteln nicht Teil der Roma-Kultur

Lügen, Betrügen und Betteln sei nicht Teil der Roma-Kultur, sondern Folge ihrer elenden Situation, sagt die EU-Abgeordnete Lívia Járóka, die selbst der Minderheit angehört.

Die EU-Politikerin und Angehörige der Minderheit der Roma, Lívia Járóka (39), hat die Roma aufgefordert, sich Problemen wie Menschenhandel, Ausbeutung und Prostitution zu stellen. Es sei kein Vorurteil, dass Roma bei Betteleien auch betrügen würden, sagte die ungarische EU-Abgeordnete dem "stern" (Ausgabe 16. April). Lügen, Betrügen und Betteln sei aber nicht Teil der Roma-Kultur, sondern Folge ihrer elenden Situation. Vor diesem Hintergrund sei die deutsche Debatte um Zigeunerschnitzel "völlig verrückt". Die parteilose Ungarin sitzt seit 2004 für die rechtskonservative Partei Fidesz im EU-Parlament.

Sie besuche oft unerkannt Roma-Siedlungen in Osteuropa und könne die Abneigung in vielen Ländern gegen Roma gut verstehen, sagte die Menschenrechtsaktivistin. "So wie einige der Menschen dort aussehen, so wie sie riechen, wie sie reden, das macht auch mir Angst." Von den rund zehn Millionen Roma seien 70 Prozent Analphabeten. Sie würden oft in unvorstellbar erbärmlichen Verhältnissen leben. "Bei vielen geht es ums Überleben."

Viele Deutsche wüssten gar nicht, ob ein Mann oder ein Frau der Roma-Minderheit angehöre, sagte Járóka. "Es steht nicht im Pass, es wird nirgends erfasst." Viele würden verschweigen, dass sie Roma sind. Es gebe auch im EU-Parlament Abgeordnete, die Roma seien. "Aber sie würden es niemals öffentlich sagen."

Die Roma müssten lernen, wieder Verantwortung für sich selbst zu übernehmen, forderte die EU-Politikerin. Viele seien lethargisch geworden und ließen sich gehen. Weil sie nicht auf ihre Gesundheit und Ernährung achteten, würden Roma im Durchschnitt zehn Jahre früher sterben als andere Europäer. Die Regierungen der Heimatländer lehnten EU-Integrationsprogramme für Roma ab, weil sie befürchten, dass sie dies Wählerstimmen kosten würde. Die 26 Milliarden Euro, die die EU in den vergangenen sechs Jahren für Integrationsprogramme bereitgestellt hat, sei größtenteils in der Bürokratie oder in Roma-Hilfsorganisationen versickert.