Flensburg: Denkmal für Deserteure aufgestellt

Nach 20 Jahren Wartezeit ist am Dienstag in Flensburg das Denkmal für Deserteure aufgestellt worden. Es wurde auf einem Platz gegenüber dem Rathaus in Anwesenheit von Schleswig-Holsteins Kulturministerin Anke Spoorendonk (SSW) enthüllt.

Das Denkmal war 1994 von der Flensburger Gruppe "Christen für die Abrüstung" in Auftrag gegeben worden. Knapp 20 Jahre stand das zwei Meter hohe und ein Meter breite Marmorrelief in einem Flensburger Hinterhof. Es zeigt einen Soldaten, der Helm und Tornister abgelegt und sein Gewehr zerbrochen hat.

Geschaffen wurde es vom marokkanischen Künstler Miloudi Assila. Erst im März 2012 hatte die Ratsversammlung nach jahrelanger Kontroverse unter dem Eindruck der Wanderausstellung über die NS-Militärjustiz mit großer Mehrheit beschlossen, das Denkmal aufzustellen. Nach Angaben von "Christen für die Abrüstung" gibt es in Deutschland inzwischen in einigen Städten Denkmäler für Deserteure der Wehrmacht. Dieses aber sei einmalig, weil es auch heutige Deserteure einbeziehe.

Insgesamt desertierten den Angaben zufolge rund 30.000 deutsche Soldaten während des Krieges, etwa 20.000 von ihnen wurden hingerichtet. Diese Urteile wurden 2002 vom Bundestag pauschal als Unrechtsurteile aufgehoben. Kulturministerin Spoorendonk wies darauf hin, dass bis zu diesem Zeitpunkt Deserteure des Zweiten Weltkriegs als Straftäter betrachtet wurden.