Pfarrer auf Facebook: eine Anleitung

iPads in der Kirche

Foto: iStockphoto/Chris Badzioch

Gemeinde online oder in der Kirche - es geht auch beides!

Das Evangelium verkünden, mit der Gemeinde in Kontakt kommen und bleiben, Seelsorge betreiben - all das können Pfarrer auch online. Oder? Wie sich Pfarrer und Religionslehrer auf Facebook verhalten sollten, wie ihr Profil aussehen sollte, was gepostet werden kann und was eher nicht und was zu beachten ist, hat eine kleine Umfrage auf Facebook ergeben.

"Und er sprach zu ihnen: Gehet hin in alle Welt und predigt das Evangelium aller Kreatur." (Markus 16,12-18) Die Wege, über die das Evangelium in der Welt verbreitet wird und werden kann, sind vielfältig. Einer der schon nicht mehr ganz so "neuen" Wege heißt "Internet". Facebook bietet sich für die Verkündigung an: Es ist beinahe weltweit verbreitet, die Nutzungsdichte in Deutschland ist hoch, und die Möglichkeiten der Kommunikation sind überwältigend. Eine kleine Umfrage – auch auf Facebook – unter Pfarrern und Religions-Lehrern hat einige Hinweise gebracht, wie diese Gruppe online und speziell auf Facebook agieren sollte.

Pfarrer auf Facebook – muss das sein?

Kein Pfarrer muss auf Facebook präsent sein – weder dienstlich noch privat. Doch stehe ein persönliches Profil in der "Tradition der öffentlichen Verkündigung und der einfachen Erreichbarkeit" des evangelischen Glaubens. So schreiben es Wolfgang Lünenbürger-Reidenbach, Ralf Peter Reimann (Pastor und Internetbeauftragter der evangelischen Kirche im Rheinland) und Alexander Ebel (Theologischer Referent im Landeskirchenrat Speyer) im Deutschen Pfarrerblatt ("Jenseits der Parochie").

Helfen können diese Fragen bei der Entscheidung: Soll ein Pfarrer nur auf den Wegen kommunizieren, die er vorzieht? Oder sollte er die Vorlieben der Gemeinde berücksichtigen? Anders gefragt: Predigen Sie nur von der Kanzel – oder machen Sie auch Hausbesuche für diejenigen, die es nicht in die Kirche schaffen?

So sieht es auch Christoph Breit von der Projektstelle "Social Media" der Evanglisch-Lutherischen Kirche in Bayern. "Es ist besser, da zu sein, wo ich die Menschen erreiche, statt Recht zu behalten und alleine zu bleiben."

Privat, dienstlich oder beides?

Als Pfarrer im Gemeindedienst sind klare Dienstzeiten schwerlich einzuhalten. Man bleibt auch Pfarrer, wenn man nach dem Gottesdienst den Talar abgestreift hat. Das setzt sich in sozialen Netzwerken wie Facebook fort. Privates und Dienstliches lässt sich auch hier nicht klar voneinander trennen.

Für Daniel Renz liegt genau in dieser Verschmelzung das Reizvolle in seinem Beruf als Pfarrer. Deshalb habe er sich bewusst dazu entschieden, nur ein Profil zu nutzen, betont aber auch: "Das muss natürlich nicht jeder und jedem so gehen." Zwei getrennte Profile anzulegen, erlaubt Facebook überdies offiziell nicht.

Auch Lünenbürger-Reidenbach, Reimann und Ebel schreiben, Facebook böte der Kirche die Chance, die "Einheit von Lebensführung und Beruf(ung)  zu unterstreichen" und somit die "personale Glaubwürdigkeit" zu steigern. Dies entspreche immerhin der evangelischen Auffassung vom Dienst in der Kirche.

Wie soll das Profil aussehen?

Eines ist ganz wichtig: Authentizität! Dazu zählen der echte Name und ein Profilbild mit Wiedererkennungswert. Gibt man "Pfarrer" als Beruf an, signalisiert man, dass das Profil auch beruflich genutzt wird. Man kann auch schreiben, dass man beruflich auf Facebook ist und für Fragen offen.

Was posten?

Sie sind online dieselbe Person wie in der "realen" Welt. Das heißt, seien Sie verbindlich und zuverlässig; dies gilt für jegliche Kommunikation – der Kanal, auf dem diese stattfindet, ist dabei zweitrangig. Wer sichtbar als Pfarrer auf Facebook vertreten ist, der "macht sich ansprechbar in Bezug auf Glauben und Kirche". Alle können so "niederschwellig Zeugnis von ihrem Glauben ablegen", meinen Lünenbürger-Reidenbach, Reimann und Ebel.

Dabei gilt wie in der "realen Welt": Was kann in die Welt posaunt werden, welche Geschichten sind nur für den kleinen Kreis gedacht? Welche Fotos kann das ganze Dorf sehen, was sollte im Freundeskreis bleiben, was ist nur für die Augen der Familie bestimmt? Dafür gibt es die Privatsphären-Einstellungen bei Facebook.

Tobias Schneider hat all seine Kontakte detailliert in Liste sortiert, die unterschiedliche Freigaben haben. So sehen seine Schüler standardmäßig keine Einträge. Wie das geht, erklärt Medien-Journalist Daniel Bröckerhoff anschaulich in seinem Blog: "Wie man auf Facebook privates und berufliches voneinander trennt"

Wie mit Freundschaftanfragen umgehen?

Soll man allen Gemeindemitgliedern eine Freunschaftsanfrage schicken? Muss man jede Anfrage auch annehmen? Lünenbürger-Reidenbach, Reimann und Ebel geben den allgemeinen Tipp: Der Umgang mit Kontakten sollte dem eigenen "Amt und Amtsverständnis entsprechen". Was bedeutet, zwar jede Anfrage eines Gemeindemitglieds anzunehmen, sich aber selbst nicht aufdrängen.

Bei Religionsschülern und Konfirmanden sollte man darauf achten, die Privatsphäre der Jugendlichen besonders zu schützen. Auf der sicheren Seite ist man, wenn man Kontaktanfragen erst nach der Konfirmation bestätigt.



So macht es auch Religionslehrer Marc Gerlach: "Ich verlinke mich erst nach dem Abi. Vorher finde ich es schwierig, das richtige Maß an Distanz und Nähe zu finden." Weil zwischen Lehrer und Schüler auch immer ein gewisses Maß Abhängigkeit herrscht, kann die Kontaktaufnahme nicht immer völlig freiwillig sein. Nach dem Abi seien "sie frei, selbst zu entscheiden. Wenn dann Kontakte erhalten bleiben, ist es eine schöne Sache."

Daniel Renz schickt seinen Konfirmanden und Schülern grundsätzlich keine Freundschaftssanfragen, nimmt aber alle an. Einen großen Vorteil sieht er bei Facebook in den Möglichkeiten der Kommunikation.

Kommunikation via Facebook?

Daniel Renz nutzt die Nachrichtenfunktion für organisatorische Dinge: "Das funktioniert dann wesentlich besser als E-Mails. SMS fände ich zu persönlich, zumal ich ja nicht die Handynummer von jedem habe." Gerrit-Willem Oberman empfiehlt vor allem geschlossenen Facebook-Gruppen für Konfirmanden und Konfirmierten. So habe er die Erfahrung gemacht, dass Nachrichten auf Facebook gelesen werden, Email meist nicht. Diese Erfahrung hat auch Torsten Krannich gemacht.

Auch Dirk Reschke nimmt Freundschaftsanfragen seiner Schüler an und hat positive Erfahrungen damit gemacht: "Gerade weil in unserem Kollegium mehrere Kollegen über Facebook auch mit Schülern vernetzt sind, haben wir teilweise sehr frühzeitig von Mobbing in den Netzwerken erfahren, was uns sicher erst viel später aufgefallen wäre, wenn wir dort nicht präsent gewesen wären."

Steffen Poos nutzt Facebook als Kommunikationsplattform für "Gottesdienstzeiten, Ausfall von Konfiunterricht, Rückfragen bei verteilten Aufgaben beim Gemeindefest". Ergeben sich seelsorgerische Gespräche sehe ich den Vorteil eines niederschwelligen Einstiegs, biete aber je nachdem persönliches Gespräch an.

Seelsorge online?

Ein schwieriges Thema ist die Seelsorge via Facebook, besonders unter den Gesichtspunkten der Datensicherheit und des Seelsorgegeheimnisses. Gerrit-Willem Oberman lehnt Facebook-Seelsorge daher ab, schließlich sei die Plattform "für vieles gut", dort Ausgetauschtes aber doch "öffentlich und bleibend". Wer ihn online um Seelsorge bitte, ruft er an oder besuche er.

Tobias Schneider hat sich zum Problem mit der Seelsorge auf Facebook eingehend Gedanken gemacht: "Eine der Grundvoraussetzungen von Seelsorge ist der Schutzraum, in dem eine Gespräch stattfindet. … Als beruflicher Seelsorger habe ich als Pfarrer eine besondere Verantwortung dafür, für solch ein Setting zu sorgen." Dass Facebook solch ein geschützter Raum sein, in dem das Seelsorgegeheimnis geschützt sei, bezweifelt er.

"Ich mache es aber trotzdem, aus gutem Grund. Und das hat etwas mit der anderen Seite zu tun, nämlich der Person, die Seelsorge wünscht. Denn diese Person wählt ja das Setting im Normalfall gezielt aus."  Vor allem Jugendliche nutzten digitale Kontaktmöglichkeiten und wählten "absichtlich diesen Weg, weil sie sich dadurch sicherer fühlen und einem Erwachsenen eher öffnen können, als in einem direkten Gespräch. Und meines Erachtens wiegt dieser Aspekt mehr als die Gefahr, dass das Gespräch gespeichert und nachgelesen werden kann."

Und wenn die Pfarrstelle wechselt?

Wie gehen Sie mit den Kontakten zur "alten" Gemeinde um? Genauso kann man auch mit den Facebook-Freunden verfahren. Weiterhin offen, präsent und ansprechbar bleiben für die Menschen, die Vertrauen zu ihnen gewonnen haben. Die "Online-Gemeinde" muss also nicht unbedingt völlig deckungsgleich sein mit der Gemeinde, die sonntags zum Gottesdienst kommt.

Was ist mit dem Dienstrecht?

"Dienstrechtlich wird man niemanden anweisen können, sich für dienstliche Zwecke ein Facebook-Konto zuzulegen. Es gibt berechtigte Einwände aus Datenschutzgründen gegen eine Nutzung von Facebook. Die Entscheidung, Facebook zu nutzen, muss eigenverantwortlich getroffen werden", machen Wolfgang Lünenbürger-Reidenbach, Ralf Peter Reimann und Alexander Ebel in ihrem Artikel "Jenseits der Parochie" deutlich.

Nur zähneknirschend nutzt Christopher Rinke Facebook. "Aber ich nutze es vor allem, WEIL die Leute hier sind. Aktiv einladen würde ich dazu nicht." Breit meint, dass nicht die NSA das Problem sei, "sondern mehr was die Leute" posten.