Halleluja und Hasenfest: Wie Ostern wurde, was es ist

Zweige mit bunten Eiern

Foto: secretgarden/photocase

Farbige Eier sind erstmals im alten Ägypten bezeugt.

Frühlingsanfang? Germanisches Fruchtbarkeitsfest? Sonnenfeier? Wer heutzutage nach der Bedeutung von Ostern fragt, erhält viele Antworten. Mindestens jeder fünfte Deutsche weiß nicht, dass es die Auferstehung Jesu von den Toten ist, die ihm ein verlängertes Wochenende beschert und den Kindern schulfrei. So wie der Glaube im Zeitalter fortschreitender Säkularisierung verdunstet, versickert das Wissen um die kirchlichen Feiertage. Das freut die alten und neuen Atheisten – zur Werbung in eigener Sache greifen sie allerdings gern auf die christlichen Symbole zurück.

Nach dem Zeugnis des Neuen Testaments wurde Jesus am Karfreitag von den Römern als Aufrührer gekreuzigt, am dritten Tag stand er von den Toten auf. Die ersten Christen begingen die Erinnerung an Jesu letztes Abendmahl und Sterben als Pessachfest, bei dem die Juden des Auszugs aus Ägypten gedachten. Pessach ist die "Nacht des Vorübergehens": In einem Strafgericht tötete Gott alle Erstgeborenen im Land der Pharaonen – an den Häusern der Israeliten ging er vorbei. Sie hatten die Türen mit dem Blut eines Lammes gekennzeichnet, das sie in jener Nacht schlachten und feierlich essen sollten.

Jesus verstand sich als das neue Pessachlamm Gottes, das die Sünden der Menschen auf sich nahm und geopfert wurde. In den meisten Sprachen ist deshalb das Wort "Ostern" das gleiche wie das für das Pessachfest: "Paques" heißt es etwa französisch, "Pasqua" im Italienischen oder "Pasen" in Holland. Die Slawen sprechen von der "großen Nacht". Im Deutschen und Britischen wird dagegen der altgermanische Begriff "Ostern/Easter" verwendet. Dieser geht nicht, wie man lange glaubte, auf die vermeintliche germanische Frühlingsgöttin Ostara zurück, sondern auf die Himmelsrichtung Osten.

Der Sieg über den Winter

Damit wird aus einer heidnischen Namensgebung wieder eine christliche. Denn der Osten, Ort der aufgehenden Sonne, ist Symbol für den auferstandenen Christus. Nach dem Markusevangelium entdeckten die Frauen das leere Grab Jesu "früh am Morgen, als eben die Sonne aufging". Das Wort Osten leitete sich von Eos ab, der griechischen Göttin der Morgenröte, aus der im Lateinischen Aurora wurde. Der germanische Ostara-Irrtum entstand übrigens ebenfalls in der Kirche, er geht auf den angelsächischen Benediktinermönch Beda Venerabilis zurück, der im 8. Jahrhundert wirkte.

Die Sonne galt nicht nur den alten Hochkulturen als Spenderin von Licht und Leben, sondern auch den Germanen. Einige ihrer Frühlingsbräuche flossen in die christliche Festkultur ein, darunter das traditionelle Osterfeuer oder das Osterrad. Mit dem Feuer, für das in den altrömischen Tempeln die Vestalinnen zuständig waren, feierten die Menschen seit jeher den Sieg über den Winter. Die Christen deuteten das Erwachen der Natur im Frühling auf die Auferstehung Jesu um, der als Licht der Welt die Finsternis erhellt. In der Osterkerze führten sie zudem griechische und römische Traditionen weiter.

In der Osterliturgie spielt nicht nur das Feuer, sondern auch das Wasser eine wichtige Rolle. Nach dem alten Volksbrauch muss das Osterwasser in der Nacht vom Karsamstag auf den Ostersonntag zwischen Mitternacht und Sonnenaufgang aus einem Bach geschöpft und schweigend nach Hause getragen werden. Es soll ein ganzes Jahr lang Augenleiden, Ausschlag und andere Krankheiten heilen, für ewige Jugend und Schönheit sorgen. Mit dem geweihten Wasser der Osternacht werden in der katholischen Kirche auch die Kinder getauft. Die Taufkerze entzündet der Priester an der Osterkerze.

Der Hase schläft mit offenen Augen

Die angebliche Ostara der Germanen wurde früher auch mit dem Osterei und dem Osterhasen in Verbindung gebracht. Doch auch diese vermeintlich rein kulturellen Symbole, die im deutschen Sprachraum vermehrt seit dem 17. Jahrhundert auftauchen, haben eher christliche Wurzeln. Das Ei ist von alters her Sinnbild von Leben und Auferstehung. Bereits die frühen Christen gaben ihren Toten ein Ei mit ins Grab. Farbige Eier sind erstmals im alten Ägypten bezeugt – die Christen in Europa nahmen den Brauch später auf und bemalten sie erstmals im 13. Jahrhundert.

Und der Hase? Er wird bereits vom Kirchenvater Ambrosius, im Jahr 339 in Trier geboren, als Auferstehungssymbol erwähnt. In der byzantinischen Tiersymbolik verkörperte der Hase Christus, der im Tod das Leben gebracht habe: Da er zwar lange Ohren, aber keine Augenlider hat, schläft er mit "offenen Augen". Nach einer anderen Tradition steht der Hase für den schwachen Menschen, der Zuflucht im Felsen Christus sucht. Erstmals erwähnt wurde der Osterhase Ende des 17. Jahrhunderts in einem Werk von Georg Franck von Frankenau – der Heidelberger Arzt warnt darin vor übermäßigem Eierkonsum.

Entstanden ist der Brauch, den Osterhasen die Eier bringen zu lassen, wohl im Elsass, in der Pfalz und am Oberrhein. Doch die Konkurrenz war anfangs groß: In anderen Regionen blieben Fuchs, Storch, Hahn oder gar der Kuckuck noch lange für die Lieferung der runden Ostergaben zuständig. Inzwischen hat sich Meister Langohr weltweit durchgesetzt, selbst die Atheisten inszenieren mittlerweile das sogenannte "Hasenfest" mit Aktionen zum Kirchenaustritt. Sie übersehen dabei, dass Christen nicht an den Osterhasen glauben, sondern an den auferstandenen Jesus.

Dieser Artikel wurde erstmal im April 2015 auf evangelisch.de veröffentlicht.