Spektakulärer Abgang: Benedikts "Himmelfahrt"

Foto: epd-bild/Romano Siciliani

Zwar fährt er nicht im Feuerwagen wie der Prophet Elia, sondern mit einem Hubschrauber - doch die Richtung ist dieselbe: Gen Himmel wird Papst Benedikt XVI. an seinem letzten Arbeitstag entschweben.

Der letzte Arbeitstag von Papst Benedikt XVI. folgt einer religiös hoch aufgeladenen Symbolik: Der 85-Jährige entschwebt zwar nicht in den Himmel, wird aber gleichsam "entrückt" - an einen Ort, an dem er vor der Öffentlichkeit verborgen leben will.

Es ist eine Dramaturgie voller Mystik: Wenn Papst Benedikt XVI. am Nachmittag des 28. Februar zum Ende seiner Amtszeit mit einem Hubschrauber in den römischen Luftraum entschwebt, folgt das einem uralten religiösen Muster. Wie die biblische Gestalt Elias wird er - noch zu Lebzeiten - an einen für normale Menschen unerreichbaren Ort versetzt. Zwar fährt er nicht im Feuerwagen gen Himmel wie der Prophet Elias im Alten Testament. Dafür fliegt Benedikt zunächst in die Sommerresidenz in Castel Gandolfo, bevor er endgültig in ein Kloster geht, um vor der Welt verborgen zu leben.

Die Entrückung des Henoch

Weiteres Vorbild für einen spektakulären Abgang ist Henoch, einer der Urväter Israels: "Und weil er mit Gott wandelte, nahm ihn Gott hinweg, und er ward nicht mehr gesehen", heißt es im fünften Kapitel des ersten Buch Mose. Im Neuen Testament steht: "Durch den Glauben wurde Henoch entrückt, damit er den Tod nicht sehe, und wurde nicht mehr gefunden, weil Gott ihn entrückt hatte." Davor sei ihm bezeugt worden, "dass er Gott gefallen habe", steht im elften Kapitel des Hebräer-Briefs.

Auch die Weltgeschichte kennt historische Gestalten, die im Verborgenen leben und auf deren Wiederkehr gehofft wird: So entstand im ausgehenden Mittelalter die Sage von dem in einem Berg schlafenden Kaiser Barbarossa. Eine ähnliche Legende gibt es von dem keltischen König Artus. "Entrückung" ist in der Religionsgeschichte ein durch göttliche Mächte bewirkter Wechsel an einen entlegenen Ort. Als Alternative zum Tod werde sie Menschen mit einer besonderen Gottesbeziehung zuteil, erklärt der Mainzer Religionswissenschaftler Dieter Zeller.

"Vor der Welt verborgen", aber alle wissen, wo

Nun wird Benedikt freilich nicht von Gott entrückt, sondern hat freiwillig abgedankt - als erster Papst der Neuzeit. Doch mit Äußerungen nach seiner Rücktrittsankündigung am 11. Februar verbreitete er schon im Voraus eine melancholische Stimmung. Er wolle sich nach dem Ende seiner Amtszeit vollständig aus der Öffentlichkeit zurückziehen. Er werde "vor der Welt verborgen" leben, erklärte er bei einem Treffen mit dem römischen Klerus im Vatikan.

Dennoch - anders als bei Elias oder Henoch - weiß man, wo Benedikt wohnen wird: im ehemaligen Kloster Mater Ecclesia auf dem Vatikanhügel hinter der Apsis des Petersdoms. Die Umbauarbeiten für den Alterssitz haben begonnen. Dort hatten noch bis vergangenes Jahr Klausurnonnen gebetet. Für ihn wohl der recht Ort. Hatte Benedikt doch 2011 auf seinem letzten Deutschlandbesuch in Freiburg erklärt, damit die Kirche ihren Auftrag erfüllen könne, müsse sie immer wieder auf "Distanz zu ihrer Umgebung" gehen, sie habe sich gewissermaßen zu "entweltlichen".

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