Weihnachten mit Kindern: Der Zauber ist wieder da

Weihnachten mit Kind

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Wenn kleine Kinder im Haus sind, fühlt sich Weihnachten ganz anders an als in der kinderlosen Zeit davor. Plötzlich ist Leben in der Bude, lange Zeit vermisste Gestalten wie das Christkind und der Nikolaus tauchen wieder auf, und es gibt auf einmal so viel zu organisieren. Besuch bei einer jungen Familie im Advent: Anna und Michael haben zwei Kinder, Theo (zweineinhalb) und Carla (zwei Monate).

"Bald ist Weihnachten, dann kommt der Stern." So viel hat Theo schon verstanden. Stolz erklärt er seinen Adventskalender: Es ist ein Bilderbuch mit 24 Abziehbildchen, die nach und nach zu einer Krippenszene am Fenster zusammengeklebt werden. In ein paar Tagen kann er die "Kamelmänner" ankleben, so nennt Theo die drei Weisen aus dem Morgenland, er wird sie noch genauer kennenlernen. Seine Mutter Anna hat nämlich ein altes Pixi-Buch gefunden, in dem die biblische Weihnachtsgeschichte ganz einfach erklärt wird - einfach genug für Theo.

Der selbstgebastelte Adventskalender sieht aus wie eine kleine gemütliche Wohnsiedlung. Foto: Anne Kampf

Noch mehr interessiert sich der Junge allerdings für den anderen Adventskalender, den Anna selbst gebastelt hat: 24 bunt eingeschlagene Schraubgläser stehen auf der langen Fensterbank im Esszimmer, sie sehen aus wie gemütliche Häuschen, und jedes enthält ein kleines Geschenk. "Du glaubt gar nicht, was das für ein Stress ist morgens mit zwei Adventskalendern!", stöhnt Anna.

"Stress" ist ein Wort, das sie und ihr Mann Michael oft benutzen an diesem Adventssamstag. Denn erstens gibt es außer Theo noch die kleine Carla, die erst zwei Monate alt ist. Sie quäkt leise aus ihrem Stubenwagen und muss gestillt werden, danach geht Anna mit ihr im Wohnzimmer auf und ab. Von Weihnachten bekommt Carla noch nicht viel mit. Obwohl ihr großer Bruder alles daran setzt, dass Carla was zu hören bekommt: Völlig unvermittelt fängt Theo an zu singen: "In der Weihnachtsbäckerei….". Nein, die CD möchten die Eltern jetzt nicht hören...

Viel zu viel Schokolade

Theo saugt alles in sich auf, was mit Weihnachten zu tun hat. Er erinnert sich sogar an letztes Jahr und erzählt von dem großen Baum und dem Nussknacker, die beide runtergefallen sind. Anna lacht und übersetzt: "Der Baum hat so stark genadelt, dass wir ihn einfach aus dem Fenster geworfen haben. Wir haben gar nicht daran gedacht, dass das für Theo traumatisch sein könnte - für ihn war der Baum quasi ein Familienmitglied geworden!"

Noch monatelang habe der Junge nach Weihnachten nach der armen Tanne gefragt. Und der Nussknacker? Der fiel bei der Aktion von der Fensterbank und brach sich die Nase. Beide Ereignisse gehören für Theo seitdem - und wahrscheinlich für immer - untrennbar zum Weihnachtsfest dazu.

Ob das Christkind auch da war im vergangenen Jahr? Bei dieser Frage muss Theo passen - nicht nur, weil es unsichtbar ist, das Christkind. "Letztes Jahr war das Papier noch interessanter als die Geschenke", erinnert sich Anna. Verstanden hat der damals Anderthalbjährige noch nichts. Dieses Jahr weiß Theo immerhin schon was mit dem Namen "Nikolaus" anzufangen: "Der war draußen im Flur und hat Schokolade auf meinen Teller getan", erzählt er stolz. "Und in die Schuhe!" Schokolade - "viel zu viel", stöhnt seine Mutter. Theo grinst, rennt los und holt sich einen kleinen Schoko-Nikolaus.

"Die Traditionen fühlen sich gleich viel familiärer an"

Fünf Jahre lang waren Anna und Michael zusammen, bevor Theo geboren wurde. Ohne Kinder war Weihnachten ganz anders - "ein Konsum-Fest mit Familie", fasst Michael zusammen. Abwechselnd haben sie die Feiertage bei seinen oder ihren Eltern verbracht, hatten selbst keinen Weihnachtsbaum. Jetzt ist die Wohnung schön geschmückt mit einem Adventskranz, Tannenzweigen, Äpfeln und Nüssen - neben dem bunten Schraubglas-Adventskalender, der abends mit Teelichten bestückt wird und wie eine kleine Wohnsiedlung heimelig leuchtet.

So viel Neues für Theo: Ein Weihnachtsbilderbuch, ein Adventskranz mit Kerzen... Foto: privat

Zwei Bräuche aus der "Vor-Kinder-Zeit" versucht das Paar aufrecht zu erhalten, so gut es geht: Das Schrottwichteln und das Gänse-Essen mit Freunden. Neu ist, dass beides nun bei ihnen zu Hause stattfindet - solange Carla noch zu klein ist für einen Babysitter. Anna meint: "Die Traditionen fühlen sich so gleich viel familiärer an." Auch an Heiligabend kommt dieses Jahr die Familie zu ihnen nach Hause - "Premiere", sagt Anna nicht ohne etwas Anspannung in der Stimme, und wieder fällt das Wort "Stress". So vieles muss organisiert, vorbereitet, eingekauft werden.

Was sie auf jeden Fall vor Weihnachten noch schaffen muss: Das Glöckchen bei ihrer Mutter abholen. Den Klang wird Anna nie vergessen. Das Glöckchen gab in ihrer Kindheit kund, dass die Geschenke nun unterm Baum lagen. Leider war das Christkind immer in genau demselben Moment gerade zum offenen Fenster hinausgeflogen und niemals zu sehen. Anna erinnert sich gern daran, wie sich Heiligabend anfühlte, als sie noch Kind war, "was für einen Zauber das hatte". So soll es für Theo und Carla auch sein. Dieses Jahr will sie ihren Großen langsam in die Geheimnisse einweihen und ihm erzählen, wer das Christkind ist. "Es ist doch schön, wenn die Kinder noch so gutgläubig sind", findet Anna.

Zwei-Meter-Kinder spielen mit der Eisenbahn

Michael würde gern mit allen in einen Familiengottesdienst gehen. Aber an Heiligabend, wenn der Besuch eintrifft, der Baum geschmückt und die Geschenke ausgepackt werden und Würstchen mit Kartoffelsalat vorbereitet werden müssen - da werden sie es wohl zeitlich nicht schaffen, in die Kirche zu gehen. "Warum sind die Familiengottesdienste nicht am ersten Feiertag? Da hat man Zeit", schlägt Michael vor. Doch wer weiß, ob das stimmt - das mit der Zeit.

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Denn Weihnachten mit Kindern verzaubert auch die Erwachsenen, das hat Anna schon bei ihren Geschwistern, Nichten und Neffen erlebt: "Plötzlich siehst du einen Zwei-Meter-Mann auf dem Boden liegen mit 'ner Eisenbahn", grinst sie. "Kinder bringen einfach Action da rein." In diesem Moment kommt Theo mit dem Rest des Schoko-Nikolauses zurück, ein großer Teil davon klebt in seinem Gesicht und an den Händen. Er freut sich. Auch Michael lacht. "Mit Kindern hat Weihnachten überhaupt erst wieder eine Bedeutung", meint der Papa. "Komm Theo, Händewaschen!"