Kunstexperte wirft documenta-Leitung totalitäres Denken vor

Der kirchliche Kunstexperte Andreas Mertin hat der Leitung der dOCUMENTA (13) totalitäres Denken vorgeworfen.

Indem sie allen anderen Institutionen nahelege oder sie zwinge, auf Kunstpräsentationen während der Ausstellung zu verzichten, versuche sie ihren eigenen Diskurs totalitär durchzusetzen, schreibt er in einem Beitrag für das Internetmagazin "Ta katoptrizomena", der am 1. Juni erscheinen soll. Mertin war Kurator der Begleitausstellung "Vision-Audition" der evangelischen Kirche zur documenta 12 im Jahre 2007.

Die künstlerische Leitung der dOCUMENTA (13) hatte die Ausstellung "Stephan Balkenhol", die die katholische Kirche parallel zur dOCUMENTA (13) zeigt, öffentlich als einen Eingriff in die Freiheit der documenta kritisiert. "Die documenta-Leitung möchte den Bürgern vorschreiben, was sie in Kassel erblicken dürfen", schreibt Mertin. Damit agiere die documenta nach der Logik eines Monopolisten, der den Markt beherrsche. Geschädigt werde durch ein solches Verhalten aber nur die Weltkunstschau selbst.

Kritik auch an evangelischer Kirche

Kritisch äußert sich Mertin in seinem Beitrag auch über die Haltung der evangelischen Kirche, die auf eine ursprünglich geplante Begleitausstellung des Bonner Künstlers Gregor Schneider verzichtet habe. Die Ausstellung sei abgesagt worden, weil die documenta interveniert habe so Mertin. Die evangelische Kirche habe Angst vor der öffentlichen, aber eigentlich unverzichtbaren Auseinandersetzung um die Wahrheit der Kunst gehabt.

Zuvor hatte bereits der Direktor des EKD-Instituts für Kirchenbau, Thomas Erne, gegenüber der kirchlichen Mitarbeiterzeitschrift "Blick in die Kirche" gesagt, dass man in der Vorbereitungsgruppe der Begleitausstellung den "Fehler gemacht hat, die documenta-Leitung vorher zu fragen". Erne war Mitglied der Vorbereitungsgruppe. Die Kirchenleitung habe dann entschieden, die Ausstellung abzusagen um den "Konflikt zu begradigen". Zudem habe es auch innerkirchlichen Widerspruch gegen die Auswahl des Künstlers gegeben.

Lösung für den Lutherplatz

Anstelle der abgesagten Begleitausstellung war auf Einladung der evangelischen Kirche die Künstlergruppe "Wochenklausur" im Frühjahr in Kassel zu Gast. Sie entwickelte ein Konzept zur Lösung des als Trinker- und Drogentreffpunkt bekannten Kasseler Lutherplatzes. Dazu führte sie unter anderem zahlreiche Gespräche mit allen Beteiligten.