Achtsam und demütig: Erntedank im Kloster

Foto: epd-bild/Norbert Neetz

Kloster-Schäfer Heiko Henke hütet die Herde des Bioland-Hofgutes Gnadenthal.

Im Kloster hat auch Säen, Ernten und Tiere züchten einen eigenen Takt. Bewahrung der Schöpfung und Rücksicht auf die Natur gehören dazu. Im hessischen Kloster Gnadelthal ist sogesehen das ganze Jahr Erntedankfest und nicht nur am ersten Oktobersonntag.

Kuh Maggie drängelt gegen ihre Nachbarin. "Die andere könnte ja weggehen", brummt Bauer Reinhard Widmann. Platz gibt es genug. Hinten im Stall türmen sich Berge goldgelben Strohs, er habe mehr Liegeboxen als Kühe, erzählt der Leiter der Landwirtschaft im hessischen Kloster Gnadenthal. "Die Herde ist dann ruhiger."

Seine älteste Milchkuh hat er gerade verkauft, sie war 13 Jahre alt. Bei ihm zähle "die Lebensleistung, nicht die Jahresleistung", sagt Widmann. Alle seine braun-weiß gefleckten Kühe tragen Namen, sie heißen Nele, Hildegard oder Frieda. Immer mehr Kühe, immer mehr Milch - das funktioniert nicht auf dem Bio-Bauernhof des Klosters.

Kreisläufe des Lebens

Das Mitwirken an der Bewahrung der Schöpfung, die Abhängigkeit von der Natur und die "Kreisläufe, in denen wir Menschen stehen", all das bestimme das Leben im Kloster, sagt Bertram Harendt vom Vorstand des Vereins Jesus-Bruderschaft Gnadenthal. Zu der christlichen Lebensgemeinschaft im Taunus zwischen Frankfurt und Limburg gehören Brüder, Schwestern und Familien.

Das Zisterzienserinnen-Kloster entstand 1235, wurde 1634 im Dreißigjährigen Krieg aufgelöst und war dann 300 Jahre lang staatliches Hofgut. Erst in den 70er Jahren begann die Jesus-Bruderschaft, acht Bauernhöfe im Dorf zu kaufen. Das Kloster muss finanziert werden, und dazu trägt auch die Landwirtschaft bei.

Zum Hof gehören auch 150 Schafe, die das weite, grüne Tal von Bäumen und Büschen frei halten. Widmann baut außerdem in Fruchtfolge Kleegras, Mais, Ackerbohnen, Dinkel, Weizen und Hafer an - als Futter für seine Tiere, aber auch für Bio-Bäcker der Umgebung.

Vielfalt klösterlicher Wirtschaft

Seit jeher sind Klöster und Landwirtschaft eng verwoben. Und noch heute finanzieren viele Klöster sich durch eigene Wirtschaftsbetriebe. Das wohl bekannteste ist das bayerische Kloster Andechs mit seiner Klosterbrauerei. Das Kloster Wöltingerode in Niedersachsen brennt eigene Spirituosen in seiner Klosterbrennerei, das Klostergut Scheyern in Oberbayern betreibt einen Klosterforst und Fischteiche.

Das Kloster Plankstetten im Altmühltal bewirtschaftet seine 120 Hektar Landwirtschaft "grundsätzlich biologisch", wie der Leiter der Landwirtschaft, Bruder Richard, erzählt. "Man muss achtsam und demütig sein, wir Menschen werden nur beschenkt", beschreibt er die Arbeitsweise auf dem Hof.
Die Benediktinerabtei Plankstetten beruft sich auf den Heiligen Benedikt. Er lehrte einen Lebensstil, der sich mit dem zufriedengibt, was eine Region bietet.

Der Mutterboden, aus dem alles wächst, ist "das A und O", wie Bruder Richard formuliert. Zur Landwirtschaft gehören Kühe, Schafe, eine Imkerei, eine Gärtnerei und eine Schweinemast. Gerade wurde der neue Schweinestall mit Auslauf fertig. Die Tiere haben viel Platz und können sich verschiedene Bereiche aussuchen, geschlachtet werden sie dann in der hofeigenen Metzgerei.

Geduldig mit der Natur

Seit 18 Jahren arbeitet Bruder Richard in der Landwirtschaft. "Ich habe gemerkt, dass immer genügend wächst. Man muss nur geduldig mit der Natur sein."  Und man kann neue Wege gehen. Das Kloster Plankstetten verkauft seine Lebensmittel im Hofladen, auf Bauernmärkten der Umgebung, in Bioläden und im Internet.

Gnadenthal hat sich der "Umweltbildung" verschrieben: Schulklassen, Jugend- und Konfirmandengruppen oder Familien backen Brot, helfen im Kuhstall, stellen selbst Butter her oder pressen Apfelsaft. Reinhard Widmann öffnet die Tür zum Melkstand. Immer sechs Kinder dürfen zum Melken mit hinein, sie fassen ans Euter, hängen das Melkzeug an. "Ich bin froh, dass wir die Umweltbildung entdeckt haben. Das passt für diesen Betrieb."

Für ihn selbst bedeutet die Arbeit auf dem Klosterhof noch etwas mehr. Stall, Kirche und Dorf liegen nicht nur räumlich dicht beieinander. Zu den Gottesdiensten am Wochenanfang gehören immer Rückblick und Ausblick, und immer fragen die Glaubensbrüder nach der Landwirtschaft: Was wird gerade geerntet, wie war die Ernte, wo sind jetzt die Schafe? "Es ist etwas Besonders, hier Landwirtschaft zu betreiben."