TV-Tipp: "Dengler: Fremde Wasser" (ZDF)

14.5., ZDF, 20.15 Uhr: "Dengler: Fremde Wasser"
TV-Tipps

Foto: Getty Images/iStockphoto/vicnt

Wolfgang Schorlaus Bücher über die Fälle des privaten Ermittlers Georg Dengler sind fesselnde Krimis, aber ihr besonderes Merkmal ist ein anderes. Der Autor selbst formuliert es in seinem Nachwort zu "Fremde Wasser" so: "In diesem Roman ist verdammt wenig erfunden."

Diese Relevanz zeichnet auch die ZDF-Verfilmungen aus; gerade der letztjährige Film über die unaufgeklärten Hintergründe der sogenannten NSU-Morde, "Die schützende Hand", war alles andere als leicht bekömmliche TV-Kost. Dass "Fremde Wasser" deutlich weniger bedrückend wirkt, liegt am Schauplatz. Dabei hat Lars Kraume – er hat auch die ersten drei "Dengler"-Romane adaptiert, die Regie diesmal aber Rick Ostermann überlassen - die Handlung schon von Bolivien nach Griechenland verlegt. Das rückt die Geschichte zwar näher an die Wirklichkeit des deutschen Publikums, zumal sich auf diese Weise auch noch der finanzielle Kollaps des Landes und das diffizile Verhältnis zwischen Griechen und Deutschen unterbringen lässt, aber die eigentliche Thematik des Romans betrifft vor allem unterentwickelte Staaten in Asien, Afrika und Südamerika. Der Dokumentarist Urs Schnell  hat darüber den Film "Bottled Life" (2012) gedreht: Dank einer cleveren Strategie verkauft ein weltweit aktives Schweizer Unternehmen den Menschen, was sie vorher praktisch umsonst bekommen haben – ihr Trinkwasser.

2025, heißt es in "Fremde Wasser", werde die Hälfte der Menschheit keinen direkten Zugang mehr zu Trinkwasser haben. Der Film beschränkt sich allerdings auf einen konkreten Aspekt des Geschäfts mit dem Durst. Schorlaus Roman (Kiepenheuer & Witsch) ist 2006 erschienen. Damals war die Wasserprivatisierung ein großes Thema, weil viele Kommunen auch in Deutschland Institutionen wie die Wasserversorgung oder den Nahverkehr an Investoren verkauft haben, was sich als Pakt mit dem Teufel entpuppte. Kraume konzentriert sich auf die Machenschaften eines internationalen Unternehmens, das einen Whistleblower zum Schweigen bringen will. Der Mann war als Lobbyist für die Investoren tätig und hat großzügige Bestechungsgelder verteilt, damit die griechische Regierung dem Konzern die Wasserrechte überlässt. Nun ist er offenbar bei der Explosion seines Bootes ums Leben gekommen. Dengler (Ronald Zehrfeld) wird beauftragt herauszufinden, ob es sich dabei tatsächlich um einen Unfall gehandelt hat, wie die griechische Polizei vermutet, und gerät gemeinsam mit seiner missmutigen Hackerfreundin (Birgit Minichmayr) prompt ins Visier des Konzerns, der angesichts von Erlösen in dreistelliger Milliardenhöhe bereit ist, über Leichen zu gehen.

Die Materie ist wie in allen Dengler-Romanen hochkomplex, und stets lauert der Feind gerade auch dort, wo man ihn nicht vermutet. Es gibt zwar einige potenziell spannende Szenen, etwa eine Verfolgungsjagd im Abgeordnetenhaus des Bundestages, aber im Unterschied zu Kraume mochte Ostermann seinen Dengler-Film offenbar nicht als Thriller inszenieren. Der Regisseur hat mit dem Nachkriegsdrama "Wolfskinder" (2014) ein beachtliches Kinodebüt gedreht, aber schon bei seinem ersten Fernsehfilm "Fremder Feind" (ARD) darauf verzichtet, die Auseinandersetzungen zwischen einem Einsiedler und einem Eindringling als existenziellen Zweikampf zu inszenieren. "Fremde Wasser" lebt daher vor allem von der Komplexität der Geschichte, bei deren Adaption sich Kraume allerdings einige Freiheiten erlaubt hat. Der Roman beginnt mit einem Todesfall im Bundestag: Eine Abgeordnete stirbt, als sie eine Rede halten will. Ihre Familie glaubt nicht an einen natürlichen Tod und beauftragt den Privatdetektiv, die Todesumstände zu erforschen, zumal das Manuskript der Rede verschwunden ist. Kraume hat aus der Frau einen Mann gemacht: Andreas Schülkopf (Max von Pufendorf) gilt in seiner konservativen Partei als Querdenker. Anders als die Gläubiger Griechenlands will er verhindern, dass die Wasserversorgung des Landes privatisiert wird. Ein in Fachkreisen bloß "der Doktor" genannter Killer (Oliver Masucci) bedroht den Politiker, der schließlich im Gefängnis landet, weil ihm ein halbes Kilo Drogen untergeschoben worden ist. Der "Doktor" ist auch maßgeblich am Finale beteiligt, als Dengler den schwerverletzten Lobbyisten (Michael Sideris) in einem abgelegenen Kloster aufspürt, wo der Mörder sein Werk zu Ende bringen will. Eine reizvolle Gastrolle spielt in diesem Zusammenhang Clemens Schick als Zielfahnder des BKA, denn selbstredend hat Denglers alter Widersacher und früherer Chef (Rainer Bock) auch diesmal wieder seine Finger im Spiel. Trotzdem bezieht "Fremde Wasser" seine Spannung vor allem aus der Komplexität der Geschichte. Etwas nervig sind allerdings die regelmäßigen Ruckel-Zooms, aber dafür hat Kameramann Heinz Wehsling Griechenland in ein betörend schönes mediterranes Licht getaucht. Hörenswert ist auch die abwechslungsreiche Musik (Christoph M. Kaiser, Julian Maas), die nicht nur aus der üblichen Thriller-Elektronik besteht.

Themen