Ministerpräsident Günther: Kreuz-Pflicht nicht akzeptabel

Der schleswig-holsteinische Ministerpräsident Daniel Günther (CDU) hat die Kreuz-Pflicht in bayerischen Behörden als nicht akzeptabel kritisiert.

"Als Katholik habe ich große Sympathie dafür, dass wir das Kreuz im öffentlichen Raum zeigen", sagte Günther den Zeitungen der Funke Mediengruppe (Samstag). Wer daraus aber eine Pflicht mache, vereinnahme die Religion für den Staat und für die eigene Partei. "Das halte ich für nicht akzeptabel."

Das bayerische Kabinett unter Ministerpräsident Markus Söder (CSU) hatte in der vergangenen Woche die allgemeine Geschäftsordnung für die Behörden des Bundeslandes geändert. Im Eingangsbereich aller staatlichen Dienstgebäude muss ab 1. Juni als Ausdruck der "geschichtlichen und kulturellen Prägung Bayerns" deutlich wahrnehmbar ein Kreuz als sichtbares Bekenntnis zu den Grundwerten der Rechts- und Gesellschaftsordnung angebracht werden. Die Kreuz-Pflicht sorgte für eine kontroverse Debatte.



Der schleswig-holsteinische Regierungschef Günther kritisierte zudem die von Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU) angestoßene Debatte, ob der Islam zu Deutschland gehört. "Die CSU und einige in der CDU unterliegen einer Fehleinschätzung, wenn sie lautstark über den Islam debattieren", sagte Günther den Funke-Zeitungen. Wer behaupte, der Islam gehöre nicht zu Deutschland, finde zwar Widerhall "in bestimmten Kreisen". "Aber die Realität lehrt etwas anderes, und die Leute stellen die Gegenfrage: Warum leben dann so viele Muslime bei uns?", sagte der CDU-Politiker und fügte hinzu: "Die Islam-Debatte ist für die Katz."