Schwuler Jugendwart verlässt sächsische Landeskirche

Homophobe Diskriminierung durch Gemeinden im Erzgebirge

Foto: epd-bild/Wolfgang Schmidt

Eine harte Nuss: Der offen homosexuell lebende evangelische Jugendwart Jens Ullrich war sogar mit einem Predigtverbot belegt worden und hat nach anhaltender Diskriminierung in Gemeinden im Erzgebirge die sächsische Landeskirche verlassen.

Der offen homosexuell lebende evangelische Jugendwart Jens Ullrich hat nach offenbar anhaltender Diskriminierung in Gemeinden im Erzgebirge die sächsische Landeskirche verlassen.

Er sei am 29. April in einem Gottesdienst in Grünhain-Beierfeld verabschiedet worden, sagte Landeskirchensprecher Matthias Oelke am Mittwoch in Dresden dem Evangelischen Pressedienst (epd). Ullrich war seit 1999 im evangelisch-lutherischen Kirchenbezirk Aue (Erzgebirgskreis) als Jugendwart angestellt. Die Initiative zum Auflösen des Vertrages sei von ihm ausgegangen.

Ullrich war vor mehr als zwei Jahren von Gemeinden im Erzgebirge zum Teil mit einem Predigtverbot belegt worden, nachdem er seine Partnerschaft mit einem Mann bekanntgemacht hatte. 2017 sorgte der Fall des Jugendwarts für Schlagzeilen. In die Diskussion hatte sich auch Sachsens Gleichstellungsministerin Petra Köpping (SPD) eingeschaltet. Im Kirchenbezirk Aue sah sich Ullrich massiven Anfeindungen und Diskriminierungen ausgesetzt. Zur Region gehören etwa 30 Kirchgemeinden mit rund 38.000 evangelisch-lutherischen Christen.

Die Landeskirche habe "keine Ahnung, wohin er geht", sagte Oelke. Das habe Ullrich weder seinem bisherigen Kirchenbezirk noch der Kirchenleitung in Dresden mitgeteilt. Sachsens evangelischer Landesbischof Carsten Rentzing bedauerte Ullrichs Weggang. Er habe einen "großartigen Dienst" geleistet, sagte er dem epd. Zugleich räumte er Fehler ein, die "auf der Ebene der Kommunikation und des gegenseitigen Respekts liegen".

Ullrich steht beispielhaft für eine seit Jahren kontrovers geführte Diskussion über Homosexualität innerhalb der Evangelisch-Lutherischen Landeskirche Sachsens. Für die einen - sogenannte schrift- und bibeltreue Christen - sind gleichgeschlechtliche Paare mit der Bibel nicht vereinbar, für die anderen fehlt es in der Kirche an Toleranz und Fortschritt.

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