Dobrindt: Islam soll für Deutschland nicht prägend werden

Forscher warnt vor Folgen der Islam-Debatte auf Migranten-Kinder
Alexander Dobrindt

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Alexander Dobrindt

CSU-Landesgruppenchef Alexander Dobrindt hat in der Debatte über die Rolle des Islams in Deutschland die Position seiner Partei erneut untermauert.

In der Debatte um die Rolle des Islam in Deutschland bleibt die CSU bei ihrer Position. Der Islam sei für Deutschland "kulturell nicht prägend, und er soll es auch nicht werden", sagte CSU-Landesgruppenchef Alexander Dobrindt den Zeitungen der Funke Mediengruppe (Mittwoch): "Der Islam hat keine kulturellen Wurzeln in Deutschland und hat mit der Scharia als Rechtsordnung nichts gemeinsam mit unserem christlich-jüdischen Erbe." Der Integrationsforscher Haci Halil Uslucan warnte unterdessen vor der Wirkung des abwehrenden Tons insbesondere auf jüngere Menschen mit Migrationshintergrund.

Dobrindt sagte weiter, Wertvorstellungen wie Toleranz, Nächstenliebe und Freiheit "finden sich so in der islamischen Welt nicht wieder". Diese Wertvorstellungen seien "der Grund, warum so viele Menschen bei uns leben wollen". Zugleich verwies der CSU-Politiker darauf, dass dem Islam das fehle, was für das Christentum die Aufklärung gewesen sei - mit all ihren positiven Rückwirkungen auf Glauben, Recht und gesellschaftlichen Zusammenhalt. "Kein islamisches Land auf der ganzen Welt hat eine vergleichbare demokratische Kultur entwickelt, wie wir dies in christlichen Ländern kennen", sagte Dobrindt.

Debatte über die Rolle des Islams

Bundesinnenminister und CSU-Chef Horst Seehofer hatte Mitte März erklärt, der Islam gehöre nicht zu Deutschland. Allerdings gehörten die hier lebenden Muslime dazu. Damit löste Seehofer eine Debatte über die Rolle des Islams aus und zog Kritik auf sich. Auch Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) widersprach ihm.

Der Integrationsforscher Uslucan warnte, vor allem an die jüngere Generation mit Migrationshintergrund sendeten Sätze wie derjenige von Seehofer ein widersprüchliches Signal. Man erwarte von ihnen, sich zu integrieren. Gleichzeitig grenze man sie mit diesem Satz aus. "Das ist psychologisch vollkommen widersinnig", sagte Uslucan dem epd.

Der Professor am Zentrum für Türkeistudien an der Universität Duisburg-Essen sagte, dass sich in Studien die Auswirkungen insbesondere auf die Kinder und Enkel früherer Einwanderer zeige. "Die Fokussierung der Integrationsdebatte auf Türken, Türkeistämmige und Muslime schafft Skepsis bei denen, die hier geboren und aufgewachsen sind", erklärte er.

Sie hätten Gleichheitsgrundsätze verinnerlicht. Umso ungehaltener reagierten sie, wenn zwischen Menschen mit und ohne Migrationshintergrund unterschieden werde: "Sie wollen, dass der Mehmet das bekommt, was auch dem Sebastian zusteht", sagte Uslucan, der Mitglied im Sachverständigenrat deutscher Stiftungen für Integration und Migration ist.

Uslucan warnte zugleich davor, die Rolle der Religion bei der Integration zu überschätzen. Repräsentative Umfragen des Sachverständigenrats hätten ergeben, dass die Zugehörigkeit zur deutschen Gesellschaft vor allem am festen Arbeitsplatz und an der Staatsangehörigkeit bemessen werde. Fragen von Religiosität oder kultureller Herkunft seien nachrangig.

Die von Bundesinnenminister Seehofer angekündigte Fortsetzung des Dialogs zwischen Staat und Muslimen in der Deutschen Islamkonferenz begrüßte Uslucan und forderte einen "fairen und angemessenen Austausch". Es sei richtig, zu überlegen, wie man deutsche Moschee-Gemeinden von der Finanzierung aus dem Ausland entkoppelt. Man müsse aber auch prüfen, was man von den Verbänden verlangen kann. Uslucan regte an, zu prüfen, "welche Aufgaben auch über eine staatliche Finanzierung aufgefangen werden könnten".