Kardinal Marx lehnt politischen Islam ab

Der Vorsitzende der katholischen Deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Reinhard Marx, sieht die engen Verbindungen des Islamverbandes Ditib mit dem türkischen Staat kritisch und spricht sich gegen einen politischen Islam aus.

"Religion sollte unabhängig sein vom Staat", sagte der Münchner Erzbischof dem Magazin "Focus" in einem vorab veröffentlichten Interview. Indes sei die Ditib keine verbotene Organisation.

Wenn in Moscheen in Deutschland Hass und Krieg propagiert werden, dann müsse der Rechtsstaat einschreiten. Doch das sei jeweils nachzuweisen. Man könne nicht pauschal sagen, dass die Mehrheit türkischer Muslime oder Imame hinter der Kriegspropaganda des Präsidenten Recep Tayyip Erdogan stehe. 

Der Kardinal wandte sich grundsätzlich gegen Pauschalurteile über Muslime. Ihn störe es, wenn Ängste geschürt werden und man bei Muslimen nur über deren Religion rede. "Sie sind zuerst Menschen, und dann kommt das Adjektiv", sagte Marx.

Die Frage, ob der Islam zu Deutschland gehöre oder nicht, führe nicht weiter. "Da könnte man auch fragen, ob der Atheismus zu Deutschland gehört", sagte Kardinal Marx. Schon der Blick in das Grundgesetz reiche zu Klärung. Der Artikel 4 garantiere die Freiheit der Religionsausübung. Dieses Recht sei Teil der Staatsräson.