Evangelische Bischöfe: Es gibt nicht "den Islam"

Muslimische Frauen

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Die Unterscheidung zwischen dem Islam und den Menschen, die diese Religion ausüben, teilt der Bischof der Nordkirche, Gerhard Ulrich, nicht.

Der Leitende Bischof der Vereinigten Evangelisch-Lutherischen Kirche Deutschlands (VELKD), Gerhard Ulrich, hat Aussagen von Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU) zum Islam als "respektlos" gegenüber Muslimen bezeichnet.

Die Diskussion, ob der Islam zu Deutschland gehöre, sei "überflüssig und eher spaltend", sagte Ulrich am Montag dem Evangelischen Pressedienst (epd) zum Abschluss einer dreitägigen Bischofskonferenz in Nürnberg zum Thema Islam. Die Unterscheidung Seehofers zwischen dem Islam und den Menschen, die diese Religion ausüben, "kann ich nicht teilen", erklärte der Bischof der Nordkirche.

Bei Begegnungen mit Vertretern von islamischen Gemeinden auf der Konferenz hätten die Bischöfe erlebt, dass es nicht "den Islam" gebe, sondern dass eine notwendige Diskussion unter den islamischen Vertretern im Gang sei. "Diese Diversität macht den Dialog mit dem Islam leichter", weil es auch nicht die eine Meinung der Kirche gebe, erklärte Ulrich.

Der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Heinrich Bedford-Strohm, hatte in seinem Grußwort an die VELKD-Bischofskonferenz für eine "neue Humanitätsoffensive aller Religionsgemeinschaften" geworben. Religionsgemeinschaften müssten sich öffentlich zu Wort melden, wenn die Würde des Menschen mit Füßen getreten werde, sagte er.

Der Bischofskonferenz der VELKD gehören die Bischöfe und Bischöfinnen der sieben Gliedkirchen sowie sechs weitere ordinierte kirchenleitende Amtsinhaber an. Als Gäste waren in Nürnberg Bischöfe aus Norwegen, Island, Finnland, den Niederlanden und Georgien dabei.