Zahlreiche Verbände gegen vermehrte Alterstests bei Flüchtlingen

Alterstests bei Flüchtlingen

Foto: dpa/Carsten Rehder

Jugendliche Flüchtlinge sitzen sitzen in der zentralen Inobhutnahme für unbegleitete minderjährige Flüchtlinge.

Ein Bündnis von mehr als 20 Hilfs- und Wohlfahrtsorganisationen hat sich dagegen ausgesprochen, zur Feststellung des Alters junger Flüchtlinge verstärkt medizinische Methoden einzusetzen. Der Koalitionsvertrag von Union und SPD lege nahe, dass grundsätzlich bei der Alterseinschätzung mit "mehr Härte" verfahren werden solle, heißt es in einer am Dienstag verbreiteten Stellungnahme. "Dies birgt die Gefahr, dass Minderjährige häufiger als jetzt älter gemacht werden."

Sie müssten dann ohne den besonderen Schutz auskommen, der unbegleiteten minderjährigen Flüchtlingen zustehe, und würden wie Erwachsene behandelt, bemängelten die Verbände. Zu ihnen gehören neben Diakonie, AWO, Pro Asyl und dem Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte auch der Flüchtlingsrat Niedersachsen und das in Osnabrück ansässige Hilfswerk terre des hommes.

Die Initiativen lehnen auch die Überprüfung von unbegleiteten jungen Flüchtlingen in den entsprechenden Aufnahme- und Rückführungszentren für Erwachsene ab, wie sie im Koalitionsvertrag vereinbart worden seien. Damit drohten diese Einrichtungen "zu Türstehern des Kinderschutzes zu werden". Das Hauptziel von Alterseinschätzungsverfahren müsse jedoch der Schutz von Minderjährigen sein. "Ihre Rechte in den Verfahren müssen gestärkt werden", betonte Holger Hofmann, Bundesgeschäftsführer des Deutschen Kinderhilfswerkes.

Die Unterzeichner betonten, die Altersfeststellung sei bereits im Kinder- und Jugendhilfegesetz geregelt. Es gebe umfangreiche, gute Verfahren und geschulte Fachkräfte. Bei nicht anders ausräumbaren Zweifeln müsse schon jetzt eine medizinische Untersuchung veranlasst werden, sagte Nerea González Méndez de Vigo vom Bundesfachverband unbegleitete minderjährige Flüchtlinge. Im Regelfall sei es auch mit bildgebenden Verfahren unmöglich, das Alter so präzise einzuschätzen, dass eine Minderjährigkeit ausgeschlossen werden könne.