TV-Tipp: "Tatort: Der kalte Fritte" (ARD)

11.2., ARD, 20.15 Uhr
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Der "Tatort" aus Weimar bleibt seinem Muster treu: Die Handlung trägt zwar Züge eines Krimis, aber was zählt, sind die Kalauer. Der Star ist nicht die Mannschaft, sondern das Duo Christian Ulmen und Nora Tschirner, und noch können die beiden offenbar damit leben, dass die Geschichten mitunter recht dünn sind. Das gilt auch für "Der kalte Fritte".

Bislang waren die Drehbücher eine Koproduktion von Andreas Pflüger und Comedy-Autor Murmel Clausen ("Die Bully-Parade"). Den sechsten Fall für Lessing und Dorn hat Clausen allein geschrieben. Der Film beginnt nicht uninteressant: Ein finnischer Auftragsmörder (Lars Rudolph) tötet den Milliardär Sassen und wird seinerseits von dessen Frau (Ruby O. Fee) erschossen. Die erste Vermutung, die sehr junge Witwe haben einen Killer engagiert, erübrigt sich alsbald: Die ehemalige Pole-Tänzerin erbt aufgrund eines Ehevertrags praktisch nichts. Um viel Geld geht es trotzdem: Weimar plant den Bau eines Goethe-Geo-Museums. Verschiedene Standorte stehen zur Auswahl, darunter der Steinbruch des etwas zwielichtigen Ehepaars Martin und Cleo Schröder (Sascha Alexander Geršak, Elisabeth Baulitz) Pärchens, das durch den Verkauf seines Grund und Bodens auf einen Schlag ausgesorgt hätte; aber Sassen wollte der Stadt ein Grundstück in bester Lage schenken.

Ein guter Krimi braucht keine komplizierte Geschichte, auch wenn sich der "Tatort" aus Weimar bislang einen Spaß daraus gemacht hat, sein Ziel auf möglichst verschlungenen Pfaden zu erreichen. Im Vergleich zu den bisherigen Episoden ist "Der kalte Fritte" eher schlicht und überschaubar, zumal recht bald offenkundig wird, dass die attraktive junge Witwe bloß der Dekoration dient. Immerhin führt sie das Duo Lessing und Dorn mitten hinein in ein Familiendrama, das letztlich auch den Schlüssel zur Lösung des Falls birgt, denn ihr ehemaliger Arbeitgeber ist die Titelfigur: Fritjof Schröder (Andreas Döhler), genannt Fritte, ist Inhaber eines Etablissements mit dem schönen Namen "Chez Cheriechen". Er ist der Bruder des Steinbruch-Schröders. Die beiden Männer sind einander in inniger Abneigung zugetan, was gegen Ende erst zu einer blutigen Nachtclubschlägerei und anschließend zu einem perfiden Mordversuch führt, bei dem auch Kira Dorn, die vorher bereits nur knapp einer Vergewaltigung entgangen ist, in Lebensgefahr schwebt; das ist der einzige Moment des Films, in dem so etwas wie Spannung entsteht. Schade auch, dass Cleo Schröder etwas zu kurz kommt. Die Frau hatte nicht nur was mit beiden Brüdern, sondern auch mit dem Vorsitzenden der Jury, die über den Museumsstandort entscheidet; angesichts der Bedeutung dieser Figur hätte die Rolle eigentlich namhafter besetzt werden müssen.

Andererseits ist das auch wieder konsequent, denn im Grunde dient das Drehbuch nur dazu, Situationen zu schaffen, in denen Christian Ulmen und Nora Tschirner Dialoge wie in einer romantischen Komödie führen können. Da er dabei den Part des Klugscheißers einnimmt, erinnert die Konstellation an den "Tatort" aus Münster, in dem sich Thiel und Borne (Axel Prahl, Jan Josef Liefers) ständig wie ein altes Ehepaar aufführen. Lessing und Dorn sind dagegen nicht nur verheiratet, sie lieben sich auch, und weil Ulmen und Tschirner offenbar immer noch Spaß an ihren Dialogen haben, ist es nach wie vor ein Vergnügen, wenn Lessing seine Frau und Kollegin wieder mal an seinem enzyklopädischen Wissen teilhaben lässt, sie mit einer schnippischen Antwort kontert und er daraufhin bloß vieldeutig "Frau Dorn…" entgegnet. Die Krimis aus Münster zeigen allerdings, dass sich so ein Muster totläuft, wenn es nicht in Geschichten gebettet wird, die auch ohne Kalauer über Nachnamen (der spätere gleichfalls gemeuchelte Juryvorsitzende heißt Bock) funktionieren würden.

Sehr hübsch ist immerhin die Idee, diesmal den Vater des Chefs von Dorn und Lessing mitwirken zu lassen. Kommissariatsleiter Stich (Thorsten Merten) hält große Stücke auf seinen alten Herrn, der einst als Dissident im Stasi-Knast saß, aber Stich senior entpuppt sich als raffinierter Betrüger, der sich eine schöne Legende gestrickt hat; Hermann Beyer verkörpert diese Rolle mit sichtlichem Vergnügen. Ansonsten aber agieren zu viele der Mitwirkenden, als hätten sie einen Pausenclown gefrühstückt. Regie führte Titus Selge, der vor gut zehn Jahren eine Reihe wunderbarer "Polizeiruf"-Krimis aus Bad Homburg gedreht hat, und auch seine fürs ZDF entstandenen Vorortkomödien "Ein Reihenhaus steht selten allein" und "Neues aus dem Reihenhaus" (2014/2016) waren als Mischung aus Satire und Situationskomik weitaus witziger und bissiger als dieser "Tatort".

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