TV-Tipp: "Herrgott für Anfänger" (ARD)

10.1., ARD, 20.15 Uhr
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Es gibt wahrlich schlechtere Gründe, sich einer Religion anzuschließen, als die Liebe; aber in Ordnung ist es natürlich nicht, den Moslem zu mimen, um das Herz der Geliebten zu erobern. Doch dann gerät der eigentlich unreligiöse Musa (Deniz Cooper), Anfang dreißig, Wiener Taxifahrer mit türkischen Wurzeln und Held dieser überaus witzigen und ziemlich turbulenten Multikultikomödie, in ein echtes Dilemma.

Ausgerechnet die alte Weininger (Erni Mangold), die ihn bei den gemeinsamen Taxifahrten dauernd angegrantelt hat, macht ihn zum Erben ihres Heurigen nebst Weinberg. Allerdings hat sie den Nachlass mit Bedingungen verknüpft: Ihre langjährige Angestellte Miri (Katharina Strasser) bekommt ein Pachtrecht auf Lebenszeit, und Musa soll für sie kellnern. Damit könnte er leben, doch die zweite Hürde ist ungleich höher: Er muss sich innerhalb eines Jahres taufen lassen; dabei ist er gerade erst Moslem geworden, weil das die einzige Möglichkeit war, um bei Aisha (Zeynep Bozbay), der schönen Tochter seines strenggläubigen Chefs (Ercan Durmaz), überhaupt eine Chance zu haben. Fortan ist Musa gewissermaßen Diener zweier Herren: Einerseits besucht er das Katechumenat, um sich von Priester Benedikt (Thomas Mraz) auf die Taufe vorbereiten zu lassen, andererseits betet er weiterhin brav zu Allah; selten haben Christentum und Islam eine derart vorbildliche filmische Koexistenz geführt. Selbst doppelter Glaube schützt jedoch nicht vor bösen Mitmenschen: Weil das Erbe an die Kirche fällt, wenn Musa die Testamentsbedingungen nicht erfüllt, versucht ein Bischof (Cornelius Obonya) mit allen Mitteln zu verhindern, dass der Moslem erfolgreich konvertieren kann.


Schon der Handlungskern ist ausgesprochen originell. Noch besser sind die vielen mal absurden, mal verspielten Szenen, die zwar nicht immer einen konkreten Bezug zur Geschichten haben, aber großen Spaß machen. Am besten sind jedoch die Dialoge, die eine willkommene Überdosis an Wiener Schmäh enthalten; und der erzielt prompt die doppelte Wirkung, wenn er aus dem Mund von Menschen mit offenkundigem Migrationshintergrund stammt. Die Wortgefechte sowie die zum Teil ziemlich bösen Scherze am Rande erinnern an die Filme, die der deutsche Österreich-Immigrant Uli Brée für den Regisseur Wolfgang Murnberger geschrieben hat ("Die Spätzünder"), aber beide haben mit "Herrgott für Anfänger" nichts zu tun: Das Drehbuch stammt von Berith Schistek und Karl Benedikter, Regie führte Sascha Bigler, der als Autor und Regisseur (zuletzt "Kommissar Pascha") längst aus dem Schatten seiner Mutter Christiane Hörbiger getreten ist. "Herrgott für Anfänger" würde dank seiner Originalität ohnehin funktionieren, aber Bigler sorgt immer wieder dafür, dass diese Koproduktion zwischen ORF und Bayerischem Rundfunk auch optisch aus dem Rahmen fällt (Kamera: Carsten Thiele).


Schon zum Vorspann erfreut der Film mit einer munteren Montage unterschiedlichster Fahrgäste in Musas Taxi; die Einführungssequenz endet mit einem Rabbi und einem Imam, die sich selbst dann noch streiten, als sie eigentlich einer Meinung sind. Bildgestalterischer Höhepunkt ist eine vermeintlich ungeschnittene Szene, in der Musa mehrere gute Taten begeht; Bigler verknüpft die Momente, indem er die Kamera von einem Schauplatz zum nächsten schwenken lässt, was den verblüffenden Effekt zur Folge hat, dass Musa an allen Orten zugleich zu sein scheint. Als er später überzeugt ist, Miri trage ihm ihre Enttäuschung über den Verlust des sicher geglaubten Erbes nicht mehr nach, lässt sie ihm aus heiterem Himmel ein Klavier auf den Kopf krachen; natürlich nur in Form eines Tagtraums. Dass die beiden sich im Grunde ihrer Herzen trotzdem längst ineinander verliebt haben, hat schon der Prolog vorweggenommen, selbst wenn die Bilder von einer Rauferei im Schlamm ganz andere Gefühle nahelegen.


Unerwartete Kontraste wie diese und viele weitere Überraschungen hat der Film zuhauf zu bieten; sehr eindrucksvoll sind zum Beispiel die Walzer tanzenden Autos. Endgültig sehenswert wird "Herrgott für Anfänger" durch das zumindest hierzulande überwiegend kaum bekannte, aber ausgezeichnete Ensemble; zu den prominenteren Darstellern gehören Tim Seyfi als Musas bester Freund und jüngster Imam der Stadt sowie Hary Prinz als konvertierter Kollege. Die türkischen Dialoge werden untertitelt, was sich als weitere Humorquelle entpuppt, wenn Musa Aisha zuliebe Türkisch lernt. Seine Funktion als Sympathieträger steht ohnehin außer Frage, denn er will das Lokal nur erben, um es anschließend zu verkaufen und mit dem Erlös den von der Pleite bedrohten Betrieb seines Chefs zu retten. Wie ihm das am Ende auf ganz andere Art gelingt, ist eine weitere der vielen wunderbaren Einfälle dieser kurzweiligen Komödie.

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